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Archivaufnahme in Schulklasse Video
Nach dem Zweiten Weltkrieg war in Deutschland Disziplin weiter gefragt
Europa schlägt noch zu
Nicht alle Staaten Europas verzichten auf Prügel
Seine Kinder zu schlagen wurde in Deutschland 2000 verboten. In der Schweiz werden nur "wiederholte Übergriffe" geahndet. "Körperliche Züchtigung" ist nicht explizit verboten.
In Österreich wurde 1977 das Elternrecht abgeschafft, "unsittliche, ungehorsame oder die häusliche Ordnung störende Kinder auf eine nicht übertriebene und ihrer Gesundheit unschädliche Art zu züchtigen." Explizit verboten wurde die Prügelstrafe 1989.

Europarat fordert, die Prügelstrafe zu verbieten
Der Europarat in Straßburg hat 2010 ein flächendeckendes Verbot der Prügelstrafe für Kinder gefordert. "Kinder zu schlagen, ist ein Menschenrechtsproblem", sagte seinerzeit die Vize-Generalsekretärin des Europarats, Maud de Boer-Buquicchio. Schon Ohrfeigen oder leichte Schläge könnten bei Kindern Schäden anrichten, so die Niederländerin. Im Moment haben nur 20 der 47 Europarats-Länder die körperliche Züchtigung vollständig verboten.

Während der größte Teil der europäischen Länder die Prügelstrafe in Schulen abgeschafft hat, klaffen die Meinungen über den häuslichen Bereich weit auseinander. Zu den Ländern ohne umfassendes Züchtigungsverbot für Eltern gehören Frankreich, Belgien, Großbritannien, Italien und Malta. Auch die Schweiz, Russland und die Türkei kennen kein solches Verbot. Acht Länder haben ein Verbot zwar angekündigt, aber noch kein Gesetz verabschiedet.

Der Europarat will nun politisch, juristisch und medial auf seine Mitgliedsländer einwirken. "Wer Kinder schlägt, sendet das falsche Signal aus", sagte de Boer-Buquicchio. Er vermittele bereits den Kleinsten, dass Konflikte mit Gewalt zu lösen seien. Die Kinder eigneten sich ein solches Verhalten später selbst an. Auch leichte Schläge seien oft sehr demütigend: "Ich glaube nicht, dass ein Erwachsener genau ermessen kann, was er mit seinen Taten bewirkt."

Auch für Glaubensgemeinschaften will die Organisation keine Ausnahme machen. "Religiöse Praktiken dürfen der Menschenwürde nicht zuwiderlaufen", unterstrich de Boer-Buquicchio. Sie erinnerte daran, dass die Abschaffung des Züchtigungsrechts in Schweden vor 30 Jahren von Kritik protestantischer Geistlicher begleitet war. Heute sprächen sich zahlreiche Religionsführer weltweit gegen Gewalt an Kindern aus: "Die Kirchen müssen hier eine Vorbildrolle spielen."

Musterschüler Schweden und Sünder Großbritannien
In Frankreich stießen 2009 Pläne einer Abgeordneten der konservativen Regierungspartei UMP auf erheblichen Widerstand, Eltern das Schlagen von Kindern zu verbieten. Selbst die frühere First Lady und Mutter zweier Töchter, Bernadette Chirac, findet den Vorschlag "lächerlich". In der Schule ist aber die köperliche Züchtigung seit 1991 ausdrücklich per Verordnung des Bildungsministeriums untersagt.

Großbritannien hat die lange verbreiteten Prügelstrafen an Schulen abgeschafft - nach mehreren Verurteilungen durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Das Verbot wurde 1987 für öffentliche Schulen verabschiedet und 1999 auch für Privatschulen, wo körperliche Züchtigungen geradezu als Teil der Erziehung galten. Die Londoner Regierung weigert sich aber hartnäckig, auch Eltern das Schlagen ihrer Kinder zu verbieten. Sie setzt sich damit über ein Urteil des Gerichtshofs für Menschenrechte aus dem Jahre 1998 hinweg, der die Prügel eines Vaters für seinen 12-jährigen Sohn als Misshandlung gerügt hatte.

In dem als besonders kinderfreundlich geltenden Italien hat der Oberste Gerichtshof zwar 1996 Prügel für Kinder grundsätzlich untersagt. Im Strafgesetz wurde bisher aber nur ein Verbot körperlicher Strafen an Schulen verankert. Für prügelnde Eltern ist keine Strafe vorgesehen.

Schweden ist der Musterschüler unter den EU-Staaten: 1957 untersagte das skandinavische Land seinen Lehrern, Schüler zu züchtigen. 1979 wurden auch Prügel im Elternhaus verboten. Der Gesetzgeber habe sich damals über die öffentliche Meinung hinweggesetzt, betont eine Expertin des Europarats. Laut Umfragen seien vor 30 Jahren gut 70 Prozent der Schweden gegen das Prügelverbot gewesen. Heute hingegen befürworte die überwiegende Mehrheit das Verbot.

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