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Auch wenn man es nicht will: Wir haben sofort eine Meinung zu einem Gesicht
Blitzschnell beurteilt
Das Gehirn ordnet Gesichter schnell in Schubladen
"Wir brauchen weniger als 100 Millisekunden, um alle möglichen Urteile über ein Gesicht zu fällen", so der Psychologe Prof. Alex Todorov von der Universität Princeton.
"Diese Blitzurteile sind nicht unbedingt korrekt, dafür fällen wir sie extrem schnell. Selbst wenn man glaubt, man fälle es nicht oder habe gar nicht vor, es zu fällen, wird das Gehirn das Gesicht bewerten."

Gesichtszüge von Politikern bestimmen Wahlerfolg
Die Gesichter der einzelnen Kandidaten bei einer Wahl entscheiden das Ergebnis der meisten politischen Wahlen mit - zumindest in den Vereinigten Staaten. Dort unterzog ein Psychologenteam um Todoro die Bewerber für einen Sitz im US-Kongress einer "Gesichtskontrolle" und sagte damit bei der Wahl im November 2004 in zwei von drei Fällen den Gewinner korrekt voraus. Ein nachträglicher Vergleich der beiden davor liegenden Kongresswahlen bestätigte ihre These.

Ob sich Wähler auch in anderen Ländern vom Aussehen etwa ihrer Kanzlerkandidaten leiten lassen, prüften die US-Psychologen nicht. Laut Todorov wird ein Kandidat mit "Babyface" unabhängig von seinem Wahlprogramm und Auftreten sowie seiner Eloquenz durch alle Bevölkerungsgruppen hindurch als weniger kompetent angesehen.

Ein "Babyface" vermittelt Ehrlichkeit und Wärme
Als "Babyface" gilt - unabhängig von Geschlecht, Alter und sonstiger Attraktivität - ein rundes Gesicht mit hoher Stirn und kleinerer Nase sowie kürzerem Kinn. Den Autoren zufolge verbindet die US-Bevölkerung damit in der Mehrheit typische Attribute eines Babys wie Naivität, Schwäche und Gehorsam. An positiven Eigenschaften würden einem "Babyface" automatisch Ehrlichkeit und Wärme zugestanden. Politiker mit einem scharfem, kantigem Gesicht wie etwa die früheren US-Präsidenten John F. Kennedy und Ronald Reagan fielen dagegen in die andere Kategorie. Ihr Aussehen signalisiere "auf den ersten Blick" Führungskraft und intellektuelle Kompetenz.

Auf die Frage, welche Hirnmechanismen zu den Vorurteilen führen und wie diese zu vermeiden sind, wissen Todorov und Kollegen keine Antwort. Sie stellen jedoch klar, dass der äußere Eindruck täuscht: Männer mit "Babyface" sind den Forschern zufolge allgemein etwas intelligenter und gebildeter und werden eher mit hohen militärischen Ehren ausgezeichnet als solche mit markigen Gesichtszügen.

Gesichter lesen
Nach dem Wahrnehmen kommt das Erkennen
Das Gehirn erkennt Gesichter in drei Phasen, haben Wissenschaftler des "University College" in London entdeckt.
Pflicht zum Erkennen
"Für ein Gesicht reichen die Augen und eine Symmetrie"
"Wir sind stark darauf ausgerichtet, Gesichter zu erkennen", sagt Prof. Lutz Fügener vom Bereich "Transportation Design" der Hochschule Pforzheim. Das sei entwicklungsgeschichtlich bedingt.