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23. Mai 2013
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Eine Wirtschaft, die der Umwelt nutzt, soll sich auch für Unternehmen auszahlen
Millionen Arbeitsplätze
"Green Economy" ist auf "Rio+20" umstritten
Eine Wirtschaft, die sich an Umweltfreundlichkeit orientiert, könnte in zwei Jahrzehnten 15 bis 60 Millionen Arbeitsplätze schaffen, sagen die Vereinten Nationen (UN).
"Das bisherige Modell der Entwicklung hat sich als ineffizient und nicht nachhaltig erwiesen, nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Volkswirtschaften und die Gesellschaften", erklärte Juan Somavia von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) über die Studie, die die ILO gemeinsam mit dem Umweltprogramm der UN (Unep) in Auftrag gegeben hat. "Wir müssen den Weg nachhaltiger Entwicklung einschlagen, wobei im Mittelpunkt politischer Maßnahmen die Menschen und die Erde stehen." Laut Unep-Direktor Achim Steiner bietet die Studie für "Rio+20" eine "positive Botschaft von Möglichkeiten in einer Welt voller Herausforderungen".

Vier Jahre nach einer ersten Studie zu den Chancen umweltgerechten Wirtschaftens stellen die Autoren fest, dass dadurch nachweislich bereits Millionen von Jobs geschaffen wurden, vor allem in der Land-, Wald- und Fischwirtschaft, im Energiesektor, beim Recycling sowie im Bau- und Transportwesen. Herausragend sei der Sektor der erneuerbaren Energien, wo heute weltweit fast fünf Millionen Menschen beschäftigt seien.

Dies entspreche einer Verdoppelung der Arbeitsplatzzahl gegenüber 2006. Die Studie führt zahlreiche konkrete Beispiele aus vielen Wirtschaftszweigen und Ländern an, die zeigen würden, wie "Green Economy" Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen ermögliche.

ILO und Unep plädieren für zielgerichtete "grüne" Milliarden-Investitionen. Als eines der Vorbilder nennt die Studie Förderprogramme für energieeffiziente Gebäude in Deutschland. Dadurch seien auch große Investitionssummen der Wirtschaft mobilisiert worden, die schließlich nicht nur zur Reduzierung von Energiekosten und Schadstoff-Emissionen, sondern auch zur Schaffung von 300.000 Arbeitsplätzen geführt hätten.

Neben den beiden UN-Organisationen befürworten auch Internationale Organisation von Arbeitgebern (IOE) und der Internationale Gewerkschaftskongress (ITUC), die an der Studie beteiligt waren, den Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschafts- und Lebensweise als Antwort auf Krisen und knapper werdende Ressourcen. Angetrieben durch öffentliche und private Investitionen in nachhaltige Produktionsweisen könnte "Green Economy" - so die Studie - weltweit zu größerem Wohlstand für die Menschen führen, soziale Gerechtigkeit erhöhen sowie Umweltrisiken und Ressourcenknappheit verringern helfen.

Kritiker fürchten: "Green Economy" ändert nichts
"Die Grüne Wirtschaft ist untrennbar mit der braunen verknüpft", sagte Umweltanwältin Larissa Parker aus Südbrasilien. "Je größer die Umweltzerstörung durch fossile Energieträger, desto lukrativer ist für die Finanzmärkte das Geschäft mit den CO2-Zertifikaten". Der peruanische Amazonas-Indianer Edwin Vásquez rief: "Wir lehnen die Grüne Wirtschaft der Dollarscheine ab!" Heftig kritisierte er die Vertreibungen von Ureinwohnern und Kleinbauern durch Agrar- und Bergbaumultis.

Nach Einschätzung des kanadischen Technologieexperte Pat Mooney liegen Welten zwischen den "Träumen aus Nairobi", wo das Umweltprogramm seinen Sitz hat, und den Realitäten in den Ländern des Südens. "Wir dürfen doch nicht jenen, die gerade das Finanzsystem zerstört haben, auch noch die Natur überlassen."

Große Konzerne hätten den "Rio+20"-Gipfel in Beschlag genommen, kritisierte schließlich der Bolivianer Pablo Solón, früherer UN-Botschafter seines Landes. Steiner warf er vor, weder Grenzen des Wachstums noch eine dringend erforderliche Umverteilung des Reichtums zu thematisieren. "Das Unep will nicht wirklich umsteuern." Deswegen dürfe es auch nicht aufgewertet werden, wie dies etwa die EU fordert.

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