Mann mit Mikrofilm
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Tausende Mikrofilme lagern in den Fässern im Barbarastollen.
Deutsches Gedächtnis in Stollen und Archiven
Historische Bücher und Dokumente wollen gut geschützt sein
Sicher ist sicher: 400 Meter unter der Erde im Barbarastollen im Schwarzwald befindet sich das größte Langzeitarchiv Europas.
Alle staatlichen Archive in Deutschland sind auf Grundlage der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut verpflichtet. Der Stollen im Berg Schauinsland dient der Bundesrepublik seit 1975 als zentrales Langzeitarchiv. Nach Angaben des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, das den Stollen betreibt, lagern dort eine Milliarde Kopien historischer Dokumente. Rund 400 Meter tief im Berg sind sie den Angaben zufolge sicher vor Kriegen, Unglücken oder Sabotage.

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Speichermedium der Wahl: der Mikrofilm.
"Für mindestens 500 Jahre sind die Dokumente für die Nachwelt gesichert", sagte Christoph Unger, Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Sie sind auf Mikrofilm gebannt und verpackt in rund 1500 luftdicht gesicherten und hermetisch abgeschlossen Edelstahlfässern. Insgesamt lagern dort laut Bundesamt knapp 31.350 Kilometer Mikrofilme. Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Stollen sind stets gleichbleibend, dadurch sind die Dokumente geschützt. Zudem gilt der Stollen, der von stabilem Granitstein umschlossen ist, als einsturzsicher.

Unterlagen von Otto dem Großen bis Startbahn West
Im Stollen gelagert werden Dokumente, die "eine hohe nationale oder kulturhistorische Bedeutung" haben. Zu ihnen zählen die Krönungsurkunde Otto des Großen aus dem Jahr 936, der Vertragstext des Westfälischen Friedens (1648), Handschriften des Komponisten Johann Sebastian Bach sowie die Baupläne des Kölner Doms, aber auch jüngere Dokumente wie Kopien der Baupläne für die in den 1970er und -80er Jahren stark umstrittene Startbahn West des Frankfurter Flughafens.

Die erste Originalausgabe des Grundgesetzes ist ebenfalls im unterirdischen Archivbunker der Bundesrepublik eingelagert worden. Sie umfasse sämtliche Dokumente des im Mai 1949 in Kraft getretenen Gesetzes sowie alle Akten zu dessen Entstehung, teilte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe mit. Für das Archiv seien vom Grundgesetz 30.000 Einzelbilder erstellt worden. Auch sie wurden auf Mikrofilm gebannt und kamen in luftdicht verschlossene Edelstahlfässer.

Geschützt wie der Vatikan und das Reichsmuseum
Weil die "Haager Konvention" den Stollen schützt, gilt höchste Sicherheitsstufe. Das ist einmalig in Deutschland und weltweit eine Ausnahme. Nur noch der Vatikan und das Reichsmuseum in Amsterdam genießen einen ähnlichen Schutz. Militärflugzeuge dürfen den Stollen nicht überfliegen, Militärtransporte sind in einem Umkreis von drei Kilometern tabu. Zugang zum Stollen haben nur wenige. Besuchern bleibt die Tür zum unterirdischen Archiv verschlossen.

Der Stollen, der von stabilem Granitstein umschlossen ist, gilt als einsturzsicher. Zudem bietet er genügend Raum. Geplant ist, künftig nicht nur Dokumente aus Archiven, sondern auch aus bedeutenden Bibliotheken zu lagern. Anlass für diese Überlegung war der Brand in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar im September 2004, der wertvolles Kulturgut beschädigte. So sind hier inzwischen auch 6369 Filme aus Köln im Stollen eingelagert, 10 Millionen Einzelaufnahmen. In Köln waren 2009 teile des Historischen Archivs eingestürzt.

Glossar
Archivierung und Sicherung von Kulturgut
Der "Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten" sind einhundert Staaten beigetreten.