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Schweine in Kastenständen © dpa Video
Kastenstände sind in Deutschland legal.
Leben zwischen Gittern
Kastenstände für Schweine in der Kritik
Zuchtsauen sind fast die Hälfte des Jahres in engen Kastenständen fixiert. Laut Gesetz sollen die Boxen 70 Zentimeter breit sein, aber viele Mäster halten sich nicht daran.
Schweinezüchter argumentieren: Nur mit Kastenständen funktioniere die Haltung. Die engen Gitterboxen seien notwendig, damit sich die Tiere gegenseitig nicht verletzen. Anders sieht es Cornelia Jäger, Landesbeauftragte für Tierschutz in Baden-Württemberg: "Mit dieser Haltungsform sind erhebliche Einschränkungen für die Tiere verbunden, die meiner Meinung nach auch nicht mehr dem Sinn des Tierschutzgesetzes entsprechen."

Eine Alternative zu den Kastenständen könnte die Gruppenhaltung sein, bei der sich die Tiere frei im Stall bewegen können. Wenn es zu Rangkämpfen kommt, können sich Sauen in eine Box zurückziehen.

Konsumenten bestimmen die Tierhaltung mit
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Kein Platz für Landwirtschaftsidylle: Fleischproduktion ist ein Geschäft
"Viele Bauern leiden darunter, dass ihre ethischen Ansprüche gegenüber Tieren und Natur im Widerspruch zum Markt stehen", sagt die Agraringenieurin Maren Heincke. Produziert werde vor allem in Massenbetrieben, um so billig wie möglich zu sein. "Darauf sind auch die Subventionen ausgerichtet", sagt Heincke. Ethische Verantwortung hätten aber auch die Verbraucher: "Für Haustiere wird hier viel Geld ausgegeben. Unter welchen Bedingungen die Tiere gelebt haben, deren Fleisch wir für 1,99 Euro kaufen, wird kaum überdacht. Dabei sind Schweine und Kühe ebenso intelligent wie Hunde und Katzen - und so leidensfähig wie alle Wesen." Heincke rät, weniger Fleisch zu essen. "Mit 60 Kilo jährlich essen Deutsche mehr als das Doppelte der als gesund geltenden Menge."

Hühner mit dem Platzanspruch eines DIN-A4-Blatts, Schweine, deren Ringelschwänze abgeschnitten werden, damit sie sich nicht gegenseitig anfressen - "wenn das auf den Produkten steht, werden sie weniger gekauft", sagt die Tübinger Ethikerin Prof. Eve-Marie Engels. Sie sieht Nachholbedarf an den Unis. "In den Bio- und Agrarwissenschaften ist Ethik noch immer ein Randthema." Es dominiere die Fleischproduktion.

Massentierhaltung schadet auch der Umwelt
"Es gibt jedoch in Deutschland nicht genug Fläche, um das Futter für die vielen Tiere anzubauen: 30 Millionen Hektar aus Übersee sind allein für Deutschlands Futtereiweiß besetzt", sagt Heincke. "Sie fehlen dort für den eigenen Anbau und zerstören Naturflächen und damit das Klima."

Die riesigen Mastbetriebe belastete die Umwelt, erklärte die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken. So verfügten die Mäster oft nicht über ausreichend Fläche, um die Gülle umweltverträglich auszubringen. "In solchen übergroßen Tierhaltungsanlagen wird Fleisch zu Dumpingpreisen auf Kosten des Tier- und Umweltschutzes produziert."

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© reutersVideoDie Quälerei geht weiter
Filmaufnahmen von Tierschützern zeigen, dass immer noch Ferkel nicht tierschutzgerecht getötet werden. Dabei hatte die Politik eine Besserung der Zustände versprochen. (Beitrag vom 2. Februar 2016)
Teure Fleischeslust
Ein hoher Preis
Jedes Jahr werden in Deutschland 735 Millionen Tiere geschlachtet, wodurch die Bundesrepublik im europäischen Vergleich einen Spitzenplatz einnimmt.
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