Bauer mit Schweinen Video
Ein Schweinehalter zahlt für Futter, Wasser, Gebäude, Energie und Arbeitslöhne
So billig wie möglich vom Ferkel zum Schlachtvieh
Drei Schlachtunternehmen diktieren die Preise
Ein Schwein sechs Monate lang großzuziehen kostet 167 Euro. Bei den derzeitigen Fleischpreisen ist das für den Bauern ein Verlustgeschäft.
"Zur Zeit bekommt man circa 150 Euro für ein Mastschwein", erklärt der Schweinehalter Markus Jeiler. In Deutschland schlachten die drei größten Schlachtunternehmen mehr als die Hälfte aller Schweine, insgesamt mehr als 50 Millionen pro Jahr. Dank ihrer konzentrierten Markmacht können sie auch die Preise bestimmen.

Konsumenten bestimmen die Tierhaltung mit
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Kein Platz für Landwirtschaftsidylle: Fleischproduktion ist ein Geschäft
"Viele Bauern leiden darunter, dass ihre ethischen Ansprüche gegenüber Tieren und Natur im Widerspruch zum Markt stehen", sagt die Agraringenieurin Maren Heincke. Produziert werde vor allem in Massenbetrieben, um so billig wie möglich zu sein. "Darauf sind auch die Subventionen ausgerichtet", sagt Heincke. Ethische Verantwortung hätten aber auch die Verbraucher: "Für Haustiere wird hier viel Geld ausgegeben. Unter welchen Bedingungen die Tiere gelebt haben, deren Fleisch wir für 1,99 Euro kaufen, wird kaum überdacht. Dabei sind Schweine und Kühe ebenso intelligent wie Hunde und Katzen - und so leidensfähig wie alle Wesen." Heincke rät, weniger Fleisch zu essen. "Mit 60 Kilo jährlich essen Deutsche mehr als das Doppelte der als gesund geltenden Menge."

Hühner mit dem Platzanspruch eines DIN-A4-Blatts, Schweine, deren Ringelschwänze abgeschnitten werden, damit sie sich nicht gegenseitig anfressen - "wenn das auf den Produkten steht, werden sie weniger gekauft", sagt die Tübinger Ethikerin Prof. Eve-Marie Engels. Sie sieht Nachholbedarf an den Unis. "In den Bio- und Agrarwissenschaften ist Ethik noch immer ein Randthema."

Massentierhaltung schadet auch der Umwelt
Es dominiere die Fleischproduktion. "Es gibt jedoch in Deutschland nicht genug Fläche, um das Futter für die vielen Tiere anzubauen: 30 Millionen Hektar aus Übersee sind allein für Deutschlands Futtereiweiß besetzt", sagt Heincke. "Sie fehlen dort für den eigenen Anbau und zerstören Naturflächen und damit das Klima."

Die riesigen Mastbetriebe belastete die Umwelt, erklärte die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken. So verfügten die Mäster oft nicht über ausreichend Fläche, um die Gülle umweltverträglich auszubringen. "In solchen übergroßen Tierhaltungsanlagen wird Fleisch zu Dumpingpreisen auf Kosten des Tier- und Umweltschutzes produziert."

Schlachthöfe
Deutschland liefert das Fleisch für die Welt
Der Fleisch-Export aus Deutschland ist in zehn Jahren um 250 Prozent auf 3,7 Millionen Tonnen (2010) gestiegen.
nano spezial
Wie viel Fleisch verträgt die Welt?
Massentierhaltung bringt Nachteile mit sich, sie schadet unter anderem dem Klima. Eine Alternative zum herkömmlichen Fleisch könnten in der Zukunft Insekten sein. (nano spezial vom 10. März 2011)
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Die Schweinefabrik
Fleisch ist hierzulande ein Billigprodukt. Die Verbraucher zahlen weniger als in vielen anderen Ländern Europas. Das ist Folge eines gnadenlosen Preiskampfes, wie der Blick nach Niedersachsen zeigt, der Hochburg der Tiermäster.
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