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Der Kölner Untergrund gibt so manches Geheimnis der Geschichte preis
Koschere Küche schon im Mittelalter
Archäologen rekonstruieren jüdisches Alltagsleben
Ausgegrabene Tierknochen belegen eine koschere Küche im mittelalterlichen Judenviertel, haben Kölner Archäologen herausgefunden.
In den Häusern der jüdischen Familien sei kein Schweinefleisch verzehrt worden, dafür aber viel Rind, Schaf, Ziege und Geflügel. Es ließen sich sogar menschliche Zahnabdrücke auf manchen Hühnerknochen nachweisen, sagte Projektleiter Sven Schütte.

Das Judenviertel mit Synagoge und Mikwe, einem rituellen Bad, wird seit 2007 ausgegraben. Prof. Samuel Gruber, ein Kenner jüdischer Architektur und Präsident des "International Survey of Jewish Monuments", äußerte sich begeistert über die Ausgrabungen. "Ich glaube, Sie haben sich bisher noch nicht richtig bewusst gemacht, was Sie hier gefunden haben", sagte er zu Journalisten. "Das wird in der ganzen Welt Schlagzeilen machen." Die Archäologische Zone unmittelbar vor dem Historischen Rathaus sei eine der wichtigsten jüdischen und mittelalterlichen Ausgrabungsstätten Europas.

Die Archäologen haben auf dem Platz ganze Gassen mit mittelalterlichen Mauerresten und Ruinen freigelegt. Unter anderem fanden sie über 100 Schiefertafeln mit Schriftzeugnissen in Hebräisch und Mittelhochdeutsch. Experten wollen die Funde an diesem Mittwoch und Donnerstag in Köln diskutieren. Die jüdische Gemeinde von Köln ist die älteste nördlich der Alpen und seit dem Jahr 321 urkundlich belegt. Als die Stadt jedoch 1349 von der Pest heimgesucht wurde, wurden die Juden als Schuldige verleumdet und ermordet, später verbannt.

Schütte sieht sogar Indizien dafür, dass sich das mittelalterliche Judenviertel unter dem Kölner Rathausplatz kontinuierlich aus der bei Konstantin erwähnten spätantiken jüdischen Gemeinde entwickelt hat. Dies würde bedeuten, dass die Kölner Juden bis zu einem Pogrom im Jahr 1349 und ihrer endgültigen Vertreibung 1424 mehr als tausend Jahre lang an dieser Stelle gelebt haben.

Gruber sagte, Köln sei in vielen Phasen seiner Geschichte eine "Mischlingsstadt" gewesen, ein "wundervoller Mix, eine Stadt, die ein Hitler nicht verstehen konnte". Im Grunde habe Köln schon im Mittelalter die Vielvölkerstadt des 21. Jahrhunderts vorweggenommen. Auch deshalb sei das Projekt so spannend, sagte er: "Das ist nicht lang vergangene Geschichte - diese Steine sprechen zu uns!"

Ausstellung
Kölns "Archäologische Zone"
Auf 10.000 Quadratmetern entsteht derzeit im Zentrum der alten Römerstadt Köln das Ausstellungsareal "Archäologische Zone - Jüdisches Museum Köln" mit einem integrierten jüdischen Museum. Für 2015 ist die Eröffnung der Anlage vorgesehen; sie wird den Besucher sowohl in die Römerzeit als auch in die Geschichte der ältesten jüdischen Gemeinde nördlich der Alpen entführen. Die "Archäologische Zone" liegt unmittelbar am Kölner Rathaus, zwei Steinwürfe vom Dom entfernt.
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