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Gesichter Video
Mit genügend Übung soll Sicherheitspersonal Menschen besser "profilen"
Menschen statt Geräte für die Sicherheit
"Wahrnehmungsschulung" für Beamten gefordert
Sicherheitsleute am Flughäfen müssten intensiver ausgebildet werden, fordert der Bamberger Psychologe Claus-Christian Carbon.
Der "Cross Race"-Effekt verhindere, dass westeuropäische Beamte Menschen anderer Ethnien gut beurteilen oder unterscheiden können. Durch eine professionelle und konsequente Wahrnehmungsschulung könnten die Beamten jedoch Gefahren effektiver erkennen als Automaten, meint Carbon, schließlich sei das evolutionäre Programm der Gesichtserkennung hunderttausende Jahre alt.

Alle deutschen Parteien lehnen das Profiling ab
Auch eine Einteilung von Flugpassagieren nach ihrem Sicherheitsrisiko, ein "Profiling", hat in Deutschland momentan politisch keine Chance. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sprach sich gegen das Profiling aus. Mit seinem Vorstoß für eine solche Einstufung von Passagieren hatte der designierte Präsident des Deutschen Flughafenverbandes (ADV), Christoph Blume, breiten Widerspruch geerntet. Blume hatte angeführt, dass man die Kontrollsysteme an Flughäfen effektiver einsetzen könnte, wenn man die Passagiere in Gruppen unterteilt. In Israel gibt es genaue Kriterien wie Herkunft, Geschlecht, Alter und Familienstand, nach denen Passagiere eingeteilt werden können.

Leutheusser-Schnarrenberger warnte vor einer Stigmatisierung von Fluggästen, wenn man sie planmäßig nach ihrer Herkunft oder Religion einteile. Sie sieht einen Verstoß gegen das deutsche und europäische Gleichheitsgebot. "Gut ausgebildetes Flughafenpersonal kann mit gesundem Menschenverstand und breiter Erfahrung situationsangemessen entscheiden, wer wie kontrolliert wird."

Unterstützung bekam Blume dagegen vom Airline-Verband "Barig". "Gefahr geht nicht von Gegenständen aus, sondern von potenziellen Tätern. Profiling zielt auf die Gefährder", sagte Generalsekretär Martin Gaebges. Sicherheitsvorkehrungen müssten zuverlässig Risiken erkennbar machen, dürften die Abläufe am Flughafen nicht unnötig behindern und sollten bezahlbar bleiben. Von daher müssten Elemente des Profilings dringend geprüft werden.

"Es könnte der Sicherheit viel mehr dienen, wenn beispielsweise ein geschulter Spezialist den Passagieren in die Augen schaut und einige Fragen stellt, als wenn auf Monitoren nach Nagelknipsern und Rasierwasserflaschen gefahndet wird", sagte Gaebges. Der Verband vertritt mehr als 100 in Deutschland tätige Fluggesellschaften.

Auch der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, warnte davor, selektive Passagierkontrollen vorschnell abzulehnen. Es sei unverantwortlich, dass über Blumes Vorschlag nicht einmal nachgedacht werden solle, sagte er im Deutschlandfunk.

Der Zentralrat der Muslime lehnte das Profiling ab. Er sehe die Gefahr der "Stigmatisierung und Diskriminierung ganzer Bevölkerungsgruppen", sagte Yakup Tufan. Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU) sagte, Passagiere nach Hautfarbe und Herkunft unterschiedlich zu kontrollieren, sei nicht akzeptabel. "Abgesehen davon, dass dies nicht unserem Werteverständnis entspricht, halte ich diesen Ansatz vor allem aus Sicherheitsgründen nicht für zielführend."

Nach Ansicht des Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar ist Profiling in Deutschland nicht praktikabel. Die Verfassung verbiete eine Diskriminierung bestimmter Fluggäste, sagte er. Schaar geht auch nicht davon aus, dass potenzielle Terroristen sich einfach in eine Gruppe einordnen ließen. Würden Unverdächtige sofort bevorzugt, dann würden Attentäter versuchen, in diese Gruppe hineinzugelangen.

Passagier-Einstufung ist in Israel bereits Routine
Die Einstufung von Passagieren nach Risikogruppen ist bei den Sicherheitskontrollen im israelischen Flugverkehr schon seit Jahrzehnten gängige Praxis. Jeder Fluggast wird bei der Ankunft am internationalen Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv, aber auch vor Flügen nach Israel, genau beobachtet. Die Reisenden müssen zunächst in einer Schlange anstehen und werden dann vor der Gepäckkontrolle einzeln angesprochen.

Zum einen achtet das Sicherheitspersonal im Gespräch auf eine möglicherweise auffällige Mimik oder Gestik des Passagiers. Wenn jemand etwa nervös wirkt, stark schwitzt oder dem Blickkontakt ausweicht, ist dies verdächtig. Darüber hinaus gibt es genaue Kriterien wie Herkunft, Geschlecht, Alter und Familienstand, nach denen Passagiere eingeteilt werden können. Die genaue Methode ist allerdings geheim. Der israelische Inlandsgeheimdienst Schin Bet ist an den Kontrollen beteiligt.

Arabische Reisende können ein Lied von den besonders strengen Kontrollen am Ben-Gurion-Flughafen singen. Sie müssen oft sehr lange warten und werden häufig ganz genau befragt. Es kommt auch vor, dass Passagiere sich bei den Kontrollen ganz ausziehen müssen. Wer Hebräisch spricht, den behandeln die Beamten dagegen entspannter und winken ihn oft einfach freundlich durch.

Die ersten Fragen bei der Kontrolle sind immer die gleichen. "Haben Sie den Koffer selbst gepackt?", "War das Gepäck seitdem immer unter Ihrer Aufsicht?", "Hat Ihnen jemand etwas mitgegeben, was vielleicht harmlos erscheint, aber in Wirklichkeit eine Bombe sein könnte?" Hintergrund der letzten Frage ist ein Fall aus 1986, als ein Jordanier seine schwangere Verlobte, ein irisches Zimmermädchen, ohne deren Wissen mit einer Bombe auf die Reise nach Israel schickte. Der Sprengsatz wurde noch rechtzeitig von israelischen Sicherheitskräften auf dem Londoner Flughafen Heathrow entdeckt.

Sicherheit ist zeitaufwendig: Vor Flügen aus oder nach Israel werden Reisende wegen der Kontrollen aufgefordert, etwa zwei Stunden vor Abflug zu erscheinen. 2009 sind auf dem Ben-Gurion-Flughafen gut 10,5 Millionen Passagiere abgefertigt worden. Für die Reisenden mögen die israelischen Kontrollen mitunter sehr nervenraubend sein, sie haben sich jedoch als besonders effektiv erwiesen. In den letzten Jahrzehnten ist in keinem israelischen Flugzeug eine Bombe explodiert.

hitec
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