Carsharing-Parkplatz Video
Wer Carsharing nutzt, kann in großen Städten auf das eigene Auto verzichten
Das Statussymbol Auto ist out
Kurzzeitvermietung boomt in den großen Städten
Das Auto verliert beim Nachwuchs an Bedeutung. Immer mehr junge Leute in westlichen Industriestaaten verzichten auf einen eigenen Wagen.
Sie leihen sich lieber einen fahrbaren Untersatz, wenn sie einen brauchen: Die Zahl der Autobesitzer im Alter zwischen 18 und 29 Jahren ist in den vergangenen Jahren in Deutschland stetig gesunken. Auf tausend Einwohner kamen einer Studie zufolge im vergangenen Jahr in dieser Altersgruppe 344 Pkw, vor zehn Jahren waren noch 518, ein Rückgang um mehr als ein Drittel.

So boomt in Metropolen weltweit die Nachfrage nach Carsharing, der Leihe von Autos für wenige Stunden oder gar nur Minuten. Wissenschaftlern zufolge nutzt die junge Generation vom Fahrrad über Bus und Bahn bis hin zu Carsharing oder Mitfahrzentralen alle Angebote, um ans Ziel zu kommen. "Das Mobilitätsverhalten der Menschen verändert sich", sagt Gregor Matthies, der als Partner der Beratungsfirma Bain Automobilunternehmen berät. Die Hersteller müssten Alternativen anbieten, um die Menschen noch für das Auto zu begeistern, sagt Stefan Bratzel von der Fachhochschule für Wirtschaft in Bergisch Gladbach, der das Mobilitätsverhalten untersucht hat. "Bei vielen jungen Leuten gilt es heute als cooler, keinen Wagen zu besitzen".

Große Autobauer haben die Kurzzeitvermietung inzwischen für sich als Geschäft entdeckt. Dabei stellen Anbieter Autos meist auf Stundenbasis zur Verfügung. Der Nutzer muss sich registrieren lassen und zahlt nur so viel, wie er tatsächlich fährt - und spart sich die Kosten eines eigenen Fahrzeugs. Beim klassischen Carsharing, das aus der Ökologiebewegung stammt, teilen sich Mitglieder eines Vereins einen oder mehrere Wagen.

Die Autokonzerne wollen mit Carsharing neue Kundengruppen erschließen: In den traditionellen Märkten in Westeuropa, Japan und den USA, wo viele Verbraucher oft schon über mindestens zwei Autos verfügen, erwarten die Autohersteller keine großen Verkaufszuwächse mehr. Hohe Wachstumsraten erzielen sie nun in den aufstrebenden Schwellenländern dank des dort wachsenden Bedarfs an individueller Mobilität.

Mit Kurz-Leihe auch Elektroautos ausprobieren
Daimler bietet Kurzzeit-Autovermietung unter dem Namen "Car2Go" bereits in Austin im US-Bundesstaat Texas, in Ulm und seit kurzem zusammen mit Europcar auch in Hamburg an. Demnächst soll Vancouver in Kanada hinzukommen und Ende 2011 Amsterdam. In der niederländischen Stadt sollen 300 Elektroautos an den Start gehen. "Carsharing ist ein Mittel, um den Kunden Elektromobilität nahe zu bringen, ohne dass diese sich gleich einen batteriegetriebenen Wagen kaufen müssen", sagt Unternehmensberater Matthies.

In Ulm, wo Daimler bereits seit 2009 300 Smarts mit herkömmlichem Verbrennungsmotor zur Kurzzeitmiete anbietet, zählt der Autobauer bereits 21.000 registrierte Kunden. Das Potenzial sei auch in anderen Städten groß, ist der Stuttgarter Konzern überzeugt. "40 bis 50 Prozent der Innenstadthaushalte in Ballungszentren haben kein eigenes Auto", erläutert "Car2Go"-Sprecher Andreas Leo.

Auch BMW und Volkswagen wollen sich die Chancen nicht entgehen lassen. Der Münchner Autobauer bietet demnächst zusammen mit Sixt in München 300 BMW 1er und Minis zur Kurzzeitmiete an. In wenigen Monaten soll das Angebot auf Berlin und später möglicherweise auf weitere europäische Städte ausgeweitet werden. VW will ab Herbst 2011 in Hannover 200 VW Golf bereitstellen. Später sollen weitere Modelle hinzukommen.

Beim französischen Rivalen Peugeot können Kurzzeitmieter an Verleihstationen in Berlin, München und Hamburg vom Fahrrad über den Motorroller und Pkw bis hin zum Transporter fast alles wählen, was in Innenstädten rollt. Am weitesten ist die Deutsche Bahn, die bundesweit an zentralen Orten mehr als 2000 Autos verschiedener Fahrzeugklassen - darunter auch 100 E-Mobile - und 6000 Fahrräder zur Kurzzeitmiete anbietet. Das Angebot soll schrittweise ausgebaut werden.

Expertenmeinungen gehen auseinander
Die Aussichten für Carsharing werden von Experten unterschiedlich eingeschätzt. Während die Unternehmensberatung "Frost & Sullivan" bis 2016 weltweit zehn Millionen Nutzer erwartet, die sich 160.000 Fahrzeuge teilen, sind die Berater von der Konkurrenzfirma "Bain & Partner" vorsichtiger: "Unsere Analysen zeigen nicht, dass das in absehbarer Zeit zu einem Massenmarkt werden wird, aber es ist ein Investment in die Zukunft", sagt Berater Matthies. Ein Auto zu besitzen und es nach dem eigenen Geschmack gestalten zu können, sei für viele Kundengruppen immer noch wichtig.

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