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Yukiya Amano © ap Video
Yukiya Amano ist seit 2009 der Generaldirektor der IAEA
Die Atomlobbyisten
IAEA steht seit Fukushima unter heftiger Kritik
Mehrere europäische Staaten kritisierten die Krisenkommunikation der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) während der Katastrophe von Fukushima.
Die japanische Zeitung Asahi Shimbun schrieb, die IAEA habe "auf dem Rücksitz Platz genommen" und sei ein "unbedeutender Akteur" geworden. Kopfschütteln erntete die IAEA auch mit dem vorläufigen Bericht ihrer Untersuchungskommission zu Fukushima, in dem sie die Maßnahmen der japanischen Regierung als "eindrucksvoll und extrem gut organisiert" bezeichnete. Dass die Regierung sich über Wochen weigerte, die Evakuierungen um Fukushima auszuweiten, obwohl weltweit Experten wegen der Strahlengefahr Alarm schlugen, fand bei der IAEA keine Beachtung.

"Die Rolle der IAEA beim Fukushima-Unglück war es, irrelevante und missverständliche Fakten an die Medien, die Regierungen und die Öffentlichkeit weiterzugeben", bilanziert Shaun Burnie. Dass die Organisation nun eine entscheidende Rolle dabei spielen kann, die Nutzung der Atomenergie sicher zu machen, bezweifelt er.

"Das Einzige, was in Sachen Sicherheit von Atomkraftwerken wirklich einen Unterschied machen würde, wäre eine grundsätzliche Änderung der IAEA-Statuten", sagt Atomenergieberater Shaun Burnie. "Erst wenn die IAEA die Kernenergie nicht mehr fördern muss, kann sie wirklich glaubwürdig werden."

Statuten geben Lobbyarbeit für die Atomenergie vor
"Die IAEA gibt das Feigenblatt der Sicherheit für die Nuklearindustrie und für die Staaten, die Atomkraft vorantreiben wollen", sagt Shaun Burnie, der nach dem Unglück in Fukushima für Greenpeace tätig war. Ihn wundert es gar nicht, dass die IAEA nicht allzu kritisch gegenüber der Atomindustrie ist. "Der Fehler liegt im System", sagt Burnie. Schließlich ist die IAEA als Organisation zwar den UN beigeordnet und berichtet an die UN-Vollversammlung. Doch ihre Aufgabe ist es, "den Beitrag der Atomenergie zum Frieden, zur Gesundheit und zum Wohlstand zu beschleunigen und zu steigern" - so die Statuten von 1957. Sprich: Lobbyarbeit für die Atomenergie zu machen. Über eine Änderung der Statuten müssten die Mitgliedsstaaten entscheiden. In den 1990er Jahren hat die österreichische Delegation das einmal angeregt - ohne Erfolg.

Zwar inspizieren IAEA-Kontrolleure Atomkraftwerke, doch sie kommen nur auf Einladung der jeweiligen Regierung und der Betreiber. Danach formulieren sie Empfehlungen, die völlig unverbindlich sind. Und das soll auch so bleiben. Nein, eine "pro-aktive Rolle" der IAEA bei Überwachungen sei auch in Zukunft nicht nötig, sagte IAEA-Sprecher Denis Flory vor Journalisten. "Im Fokus muss das internationale Vertrauen in die Sicherheit der Kernenergie stehen."

Viel zu spät sei der Atomunfall in Fukushima von der IAEA als "katastrophaler Unfall" eingestuft worden, also als Unfall der Stufe 7 auf der INES-Skala. Das kritisierten Experten weltweit, aber auch Institutionen wie das französische Institut für Strahlenschutz und nukleare Sicherheit (IRSN).

Die Atomlobby dagegen hat lobende Worte für die IAEA übrig. "Die IAEA macht einen sehr guten Job bei der Ausarbeitung der harmonisierten Sicherheitsstandards", lobt Christian Taillebois vom Europäischen Atomforum (Foratom). "Wir haben eine sehr gute Zusammenarbeit mit der IAEA", sagte Taillebois.

Glossar
Störfälle nach INES
Wie gravierend ein Störfall in einer kerntechnischen Anlage ist, bewerten Fachleute nach der Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES).