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Video
Mit dem Smartphone überall online. Zu viele Reize überfordern das Gehirn
Immer und überall online
Forscher warnen vor medialer Reizüberflutung
Reporter Wolf-Christian Ulrich liebt sein Smartphone. Doch jeder Ton versetzt ihn in Alarmbereitschaft. Er ist andauernd online. Checkt ständig E-Mails, Facebook und Twitter.
Er will wissen, welche Folgen das permanente Online-Sein hat. Um das herauszufinden trifft er unter anderem den Ulmer Psychiatrieprofessor Manfred Spitzer, der im Sommer 2012 vor "digitaler Demenz" durch Computerspiele und Internet gewarnt hat. Digitale Medien machten süchtig, schadeten dem Gedächtnis und seien zur Förderung des Lernens ungeeignet, schreibt Spitzer in seinem Buch. Zu populistisch und zu wenig wissenschaftliche Substanz ist der Vorwurf seiner Fachkollegen zu den Thesen Spitzers.

Fast eine Stunde am Tag fürs Online-Netzwerk
Die Nutzung eines Online-Netzwerks wie Facebook verbraucht im Alltag der Bundesbürger schon so viel Zeit wie Mittag- und Abendessen zusammen. Durchschnittlich verbringen die Nutzer eines Sozialen Netzwerks 54 Minuten am Tag in ihrer Community, wie die im August 2012 vorgelegte neue ARD/ZDF-Onlinestudie ergab. Nach einer Erhebung des Statistischen Bundesamts dauert eine Mahlzeit durchschnittlich 30 Minuten.

Dabei ergab die ARD/ZDF-Studie große Altersunterschiede: Jugendliche bis 19 Jahre sind täglich 77 Minuten in ihrem Online-Netzwerk unterwegs, bei den über 50-Jährigen sind es nur 33 Minuten. Die Nutzung erfüllt drei Hauptfunktionen: Erstens die Selbstdarstellung, das "Sehen und Gesehen werden", zweitens das Vernetzen mit anderen Menschen und drittens Informationen sowohl privater wie öffentlicher Art.

Entgegen oft gehörter Befürchtungen sind die Nutzer offenbar ziemlich sicherheitsbewusst: 85 Prozent der 622 befragten Betreiber einer eigenen Profilseite nimmt Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre vor. Allerdings legt die Untersuchung auch "einen Wandel im Umgang mit der Privatheit" nahe.

Das mit Abstand meistgenutzte Online-Netzwerk ist Facebook - hier tummeln sich in Deutschland 19,77 Millionen Menschen ab 14 Jahren. Bei Twitter sind es der Studie zufolge nur 2,08 Millionen. Allerdings setzen nur 40 Prozent von ihnen auch eigene Tweets, also 140-Zeichen-Mitteilungen, ab - "der Rest verdingt sich weiter als bloßer 'Follower', der anderen, aktiven Usern folgt". Hier "klaffen zwischen öffentlicher Wahrnehmung und tatsächlicher Nutzung weiter Welten", schreiben die Autoren des Beitrags über das Web 2.0, Katrin Busemann und Christoph Gscheidle. .

Mobile Internetnutzung steigt immer stärker
Erstmals untersuchte die Studie den Trend zum "Second Screen", also die das Fernsehen begleitende Internet-Nutzung. Zwölf Prozent der Online-Nutzer suchen zumindest gelegentlich im Internet Informationen zum Thema einer gerade Fernsehsendung, die gerade betrachtet wird. Sechs Prozent unterhalten sich in ihrer Community über eine Sendung, die sie sich gerade anschauen.

Mehr als verdoppelt hat sich die mobile Internetnutzung in den vergangenen drei Jahren. Im Jahr 2009 waren nur elf Prozent unterwegs online. Inzwischen sind es: 23 Prozent. Dabei ersetzen Tablets und Smartphones nicht den Festnetz-Zugang, sondern sie schaffen neue Nutzungssituationen und eine erhöhte Nachrage nach TV-Inhalten auf dem Mobilgerät.

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SMS
Neue Aufgaben für den Daumen
Andererseits gebe es auch positive Effekte, beispielsweise durch das Schreiben von SMS, meint Hüther: Der sensomotorische Cortex, der die Daumenbewegung steuert, sei bei den 15-Jährigen fast doppelt so groß wie früher. "Diese jungen Leute nehmen schneller optische Eindrücke wahr." Die Benutzung von Handys, aber auch Gameboys und Notebooks hat bei der jüngeren Generation zu einer biologischen Veränderung des Daumens geführt. Das haben britische Wissenschaftler der Warwick-Universität 2003 in einer weltweiten Untersuchung bei Handy-Nutzern entdeckt. Vor allem das flinke Tippen von Kurznachrichten führt zu einem muskulöseren und besser ausgebildeten Daumen. Inzwischen benutzen die Jugendlichen ihren Daumen wie die Erwachsenen den Zeigefinger, so die Forscher. Auch andere Aktivitäten wie das Zeigen auf Gegenstände oder das Drücken auf Türklingeln werden mit dem Daumen erledigt.