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Alt und jung sollen gemeinsam ihr Können und ihr Wissen in Firmen einbringen
"Potenziale älterer Arbeitnehmer nutzen"
Firmen müssen sich auf Veränderungen einstellen
Das Berliner Pilotprojekt "Job Motion" hilft Handwerksbetrieben, damit sie ältere Arbeitnehmer im Unternehmen halten können.
"Wir empfehlen eine langfristige, strategische Personalplanung", sagt "Job Motion"-Beraterin Antje Rabenalt. Gesundheit müsse bei Mitarbeitergesprächen eine Rolle spielen ebenso wie Weiterbildung."

Gerade für kleinere Unternehmen biete es sich an, die "Generation 50 plus" einzubinden, sagt Prof. Matthias Schmidt von der Beuth-Hochschule Berlin. "Den Wettbewerb über junge Mitarbeiter werden die kleinen Unternehmen nicht gewinnen. Da mit dem demografischen Wandel einhergehend die Zahl der Arbeitskräfte sinkt, wird der Wettbewerb entsprechend härter."

Von der Beschäftigung älterer Menschen könnten Betriebe aller Branchen profitieren, heißt es in einer Studie, die das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag des deutschen Arbeitsministeriums erstellte. Demnach erhöht sich die Produktivität eines Betriebes um gut 0,5 Prozent, wenn der Anteil der 45- bis 50-Jährigen an der Gesamtbelegschaft um einen Prozentpunkt zunimmt. Sind die Arbeitsplätze altersgerecht gestaltet, steigt die Produktivität der Beschäftigten zwischen 45 und 50 Jahren demnach um zwei Prozent.

Betriebe setzen auf die Mischung bei Mitarbeitern
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Auf die Mischung kommt es an
"Wir müssen die Potenziale unserer älteren Mitarbeiter nutzen", sagt BMW-Wirtschaftsingenieurin Sina Hattesohl, "ihr Erfahrungswissen und ihr Qualitätsbewusstsein." "Wir können den Jugendwahn nicht nachvollziehen", sagt auch Karl-Heinz Schörghofe von der Teisendorfer Firma "Mafo Systemtechnik": Ein Viertel unserer 60 Mitarbeiter ist mehr als 50 Jahre alt und wir haben damit die allerbesten Erfahrungen gemacht. Die Jungen können ihre Stärken einbringen ebenso wie die Alten ihre Stärken einbringen: Die Mischung macht's." Das junge Gehirn lernt leichter, die Denkleistung ist höher, weil die Synapsen es gewohnt sind, schnell und viel zu feuern.

Entgegen vielen Vorurteilen sind ältere Arbeitnehmer aber keineswegs grundsätzlich fehleranfälliger als jüngere - im Gegenteil: "Ältere Gehirne scheinen oft nach dem Prinzip 'lieber etwas langsamer, aber dafür richtig' zu Werke zu gehen", berichtet der Neurophysiologe Michael Falkenstein von der Universität Dortmund. Er konnte gemeinsam mit anderen Forschern in einer Studie zeigen, dass im Alter bestimmte Hirnprozesse gestärkt und dadurch andere Defizite kompensiert werden.

Den älteren Probanden unterliefen nur halb so viele Fehler wie den jüngeren. Diese sprangen nach Angaben der Experten nämlich auf die flankierenden Reize schnell an. Die Älteren aktivierten ihre Reaktion zwar später, doch genau das schützte sie oftmals vor Fehlern.

Senioren werden für den Arbeitsmarkt attraktiver
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7,6 Prozent der 65- bis 69-Jährigen hatten laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2008 bundesweit einen Job. Das sind zwei Prozent mehr als sieben Jahre zuvor. "Die Gründe sind vielfältig", sagt Johann Fuchs vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. "Geldknappheit durch die kleiner werdenden Renten spielt natürlich eine Rolle, aber bei einigen Menschen ist es auch einfach die Langeweile, die sie weiterarbeiten lässt." In Zeiten, in denen Deutschlands Bevölkerung immer kleiner wird, die Zahl der Älteren aber umso mehr ansteigt, werden Senioren für den Arbeitsmarkt attraktiver.

"Die Zukunft gehört den Alten, weil es in Zukunft immer wenige junge Arbeitnehmer geben wird", sagt die Bremer Altersforscherin Ursula Staudinger. Sie sieht das kalendarische Alter nur als "grobe Richtschnur" für die Leistungsfähigkeit. "Die typische Dreiteilung der Lebensabfolge in Bildung, Arbeit und Ruhestand ist nicht mehr zeitgemäß", meint Staudinger. "Wenn einer heute 65 geworden ist, lebt er in der Regel noch 20 Jahre. Das ist ein zu langer Zeitraum, um alles einfach ausklingen zu lassen."

Andere Firmen haben schon mehr Erfahrungen mit Senioren gesammelt. Der Stuttgarter Technologiekonzern Bosch gründete 1999 Jahren eine Tochtergesellschaft für ehemalige Mitarbeiter aus allen Bereichen. 900 Ruheständler im Alter zwischen 60 und 75 Jahren sind registriert. Sie springen immer dann ein, wenn Bedarf ist - auch im Ausland. Für Bosch ist das vor allem billiger, als sich über ausgelagerte Firmen Ersatz zu holen.

Eine Menge Flexibilität ist da gefragt angesichts der im Schnitt 40-tägigen Einsätze. "Es gibt viele, die mit um die 60 noch nicht komplett in den Ruhestand gehen wollen. Bei uns können sie nicht nur weiter mitarbeiten, sondern werden nach wie vor gebraucht", sagt eine Bosch-Sprecherin. Weniger positive Erfahrungen machte der Autovermieter Sixt, als er vor gut vier Jahren verstärkt ältere Mitarbeiter einstellen wollte. Die ernüchterte Bilanz von Konzernchef Erich Sixt war eindeutig: "Sie haben nicht die Flexibilität mitgebracht, die wir brauchen", sagte er damals.

Chancen auf Neueinstellung sinken mit dem Alter
Die Chancen auf einen beruflichen Neuanfang sinken für Arbeitnehmer mit zunehmendem Alter derzeit noch. Nur jeder zehnte neu eingestellte Arbeitnehmer sei über 50 Jahre alt, ergab 2009 eine Studie des Instituts für Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen. Der Beschäftigungsanteil der Menschen dieser Altersgruppe liege bei 22 Prozent.

Der Studie zufolge, die im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung entstand, wurden von 2002 bis 2006 pro Jahr zwischen 600.000 und 700.000 Menschen zwischen 50 und 64 Jahren in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung eingestellt. Waren es 2006 bei den 50-Jährigen noch fast 100.000, so schafften es bei den 55-Jährigen nur 68.000, bei den 59-Jährigen nur noch etwa 25.000, in einen neuen Job zu kommen.

Besonders wenige Neueinstellungen von Menschen über 60 gibt es der Studie zufolge in den neuen Bundesländern und bei Frauen. In diesem Alter wechselten bereits viele Menschen ohne Beschäftigung in die Altersrente, statt nochmals eine Arbeit aufzunehmen.

Gesund im Job
Gesunde Arbeitplätze für Ältere im Betrieb
"Mit dem von uns entwickelten System stellt sich der Arbeitsplatz automatisch ohne das Zutun des Mitarbeiters optimal ein", schildert Jörg Egbers.
Bevölkerungspyramide
Arbeitgeber stellen sich auf die alternde Gesellschaft ein
Die Berliner Stadtreinigungsbetriebe setzen auf Prävention, denn auch ihre Arbeitnehmer werden immer älter: Die Mitarbeiter sollen gesund bleiben und sich nicht verschließen. Wer wenig krank ist, regelmäßig zum Arzt geht und Gesundheitsangebote wie Rückentraining wahrnimmt, der wird belohnt.
Arbeitssurvey
Späte Rente
Arbeitnehmer gingen 2008 im Durchschnitt mit 63 Jahren in Rente und damit ein Jahr später als noch 2002. Ein Drittel der 60- bis 64-Jährigen war 2008 noch im Job, zehn Prozent mehr als 1996.
nano spezial
Arbeitnehmer 50plus
Arbeitnehmer jenseits der 50 Jahre sind wirtschaftlich und gesellschaftlich ein großer Gewinn. Das zeigen immer wieder Beispiele aus kleinen Betrieben wie großen Unternehmen.