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Deutsche Kindergärten schneiden im internationalen Vergleich nicht sehr gut ab
Nicht mehr als Mittelmaß
Aktionsrat Bildung kritisiert deutsche Kindergärten
Deutschlands Kindergärten sind nach Einschätzung des Aktionsrats Bildung pädagogisch nur mittelmäßig. Die Wissenschaftler mahnen deswegen zu besserer Ausbildung des Personals.
Sie fordern in ihrem neuen Jahresgutachten dringend eine gemeinsame Anstrengung von Bund und Ländern, um die Ausbildung des Personals zu verbessern - und es besser zu bezahlen als bisher. Bis 2020 sollte an jeder Kindertageseinrichtung mindestens eine Fachkraft mit Hochschulstudium tätig sein. "Dazu müssten die bestehenden Ausbildungskapazitäten verdoppelt bis verdreifacht werden", heißt es in dem Gutachten. Außerdem solle die Bezahlung studierter Frühpädagogen auf das Niveau vergleichbarer Studienabschlüsse angehoben werden.

Der gegenwärtige Ausbau der Kinderbetreuung müsste mit Maßnahmen "zur Sicherstellung und Verbesserung der Qualität" begleitet werden, verlangen die Bildungsforscher. Die pädagogische Förderqualität sei gegenwärtig "häufig nur mittelmäßig". Deswegen schlägt der Aktionsrat ein bundesweites Programm zur "Professionalisierung" des Fachpersonals vor: Familien- und Kultusministerkonferenz sollten schon 2012 und 2013 ein gemeinsames Gesamtkonzept zur Aus-, Weiter und Fortbildung entwickeln.

Unter anderem soll Fort- und Weiterbildung zur Pflicht für das Personal werden. Der Aktionsrat plädiert außerdem dafür, die Hochschulstudiengänge im Bereich Frühpädagogik deutschlandweit zu vereinheitlichen. Für bereits im Beruf tätige Erzieherinnen und Erzieher sollten berufsbegleitende Studiengänge ausgebaut werden.

Die Wissenschaftler schlagen außerdem vor, ab 2017 auf die Neuanstellung niedriger qualifizierter Kinderpflegerinnen und Sozialassistentinnen in Kindergärten und Kindertagesstätten zu verzichten. An den Hochschulen müssen nach Ansicht des Aktionsrats dringend neue Professorenstellen für Frühpädagogik geschaffen werden.

60 Prozent der dänischen Erzieher waren an der Uni
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In Dänemark dürfen sich Kinder über sehr viele studierte Erzieher freuen
"Vor allem Kinder aus prekären Familien profitieren von zielgerichteter Pädagogik der Kindertagesstätten", meint Stig Broström von der Uni Kopenhagen. "Sie entwickeln sich dort sprachlich und kognitiv optimal." Besonderer Wert wird dabei auf die Integration gelegt. Fast jedes dänische Kind ist in einer Kindertagesstätte. In Dänemark haben 60 Prozent der Erzieher einen Hochschulabschluss. Das lässt sich Dänemark 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts kosten und ist damit europaweit führend. In Deutschland haben 3,5 Prozent der Erzieherinnen studiert (Westdeutschland 3,7, Ostdeutschland 3,0).

"ver.di": gezielte Fort- und Weiterbildung notwendig
Ein Studium ist nicht unbedingt nötig, meint dagegen Jürgen Reichert von der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft ("ver.di") in Deutschland. Notwendig sei eine gute und gezielte berufliche Fort- und Weiterbildung in Kooperation etwa mit Fachhochschulen. Doch häufig werde gerade bei den Ergänzungstagen der Erzieher gekürzt. Anders als etwa in Frankreich oder Dänemark werde der Beruf in Deutschland in der Gesellschaft zu wenig wertgeschätzt, meint er. "In Frankreich erfahren auch Kinder eine andere Wertschätzung."

Die Kita-Gruppen etwa seien kleiner als in Deutschland. Auch die Ausbildung zum Erzieher hat beim Nachbarn einen höheren Rang. Reicht in Deutschland ein Realschulabschluss mit anschließendem Besuch einer Berufsfachschule und einem Jahr Berufspraktikum, so sind in Frankreich für angehende Erzieher Abitur und Studium Pflicht.

nano spezial vom 14.04.2011
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