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Spieler am Tablet-PC Video
Für 3,50 Euro gibt es das Spiel "Cloud Chasers" (Beitrag vom 16. Oktober 2015)
Heute bin ich Flüchtling
Studios entwickeln Spiele über Flucht und Vertreibung
Das Studio "Blindflug" entwickelte "Cloud Chasers", ein Computerspiel über Umweltflüchtlinge. Spiele zum Thema Flucht sind derzeit auch bei der Schau "Global Games" zu sehen.
Kurator Stephan Schwingeler hat für die Ausstellung aktuelle Spiele mit einer sozialen oder politischen Botschaft zusammengetragen. Darunter befassen sich einige der Spiele mit der Flüchtlingsthematik, zum Beispiel das Grenzspiel "Frontiers", "This War Of Mine" oder das Spiel "Papers, please", bei dem der Spieler über die Einreise der Flüchtlinge entscheidet. Bis zum 17. April 2016 können Besucher die diese im Zentrum für Kunst und Medientechnologie sehen.

Die Idee zu dem neuen Spiel "Cloud Chasers" hatte Produzent Moritz Zumbühl noch vor den Flüchtlingsströmen im Sommer 2015. Die Protagonisten des Spiels sind Francisco und Tochter Amelia, die vor Dürre fliehen. Das Spiel, das in die Sparte "Serious Games" gehört, ist am 15. Oktober 2015 erschienen.

Ernsthafte Computerspiele führen an Konflikte heran
Schüler an PCs Video
Lehrer setzen "Serious Games" ein, um politische Zusammenhänge zu vermitteln
"Serious Games", Computerspiele mit einem ernsthaften Hintergrund, sollen nicht nur Spaß machen, sondern auch Wissen oder Lernstoff vermitteln. Außerdem wollen sie an ernste Themen heranführen, wie auch das Spiel "Politworld". Studenten der Uni Paderborn haben es mit der Bundeszentrale für politische Bildung entwickelt. Die Spieler sollen darin auf innen- und außenpolitische Krisen reagieren, etwa Kriege oder Flüchtlingswellen.

Ein weiteres Beispiel ist das Computerspiel "Darfur Is Dying", in dem die Macher mit einfachen Mitteln versuchen, den seit Jahren andauernden Krieg zwischen Regierungstruppen, arabischen Milizen und einheimischer Bevölkerung in der sudanesischen Krisenregion Darfur zu veranschaulichen. Die Spieler schlüpfen in die Haut der Bewohner vor Ort und können eine Ahnung davon bekommen, was für viele Menschen Wahlfreiheit in dem nordostafrikanischen Staat heißt: Entweder zu verdursten oder durch die Hand von bewaffneten Banden zu sterben.

"Serious Games": eine kleine, aber wachsende Nische
Bei den "Serious Games" handelt es sich um einen kleinen, aber wachsenden Markt innerhalb der Computerbranche, wie Experte Soenke Zehle erläutert. Der promovierte Anglist hat für sein Medienforschungsprojekt an der Universität des Saarlandes rund 30 solcher Angebote zusammengetragen. Die teilweise im Internet frei zugänglichen "Serious Games" bilden einen Gegensatz zu den umstrittenen Killerspielen - auch wenn in beiden Fällen menschliche Gewalt und Grausamkeiten möglichst realitätsnah wiedergegeben werden sollen.

Der Unterschied liegt im Ansatz, wie Zehle betont. Bei den "ernsthaften Spielen" gehe es darum, die Generation Internet mit der Ursache von Konflikten etwa in den armen Ländern des Südens vertraut zu machen. Denn die unter 30-Jährigen, weiß Zehle, "lesen nur noch in Ausnahmefällen Zeitung". Wer in dieser Zielgruppe Botschaften platzieren will, muss multimedial denken. Ein Grund, weshalb vor allem Nichtregierungsorganisationen wie das UN-Flüchtlingshilfswerk "UNHCR" oder die Menschenrechtsorganisation "amnesty international" an dem neuartigen Phänomen interessiert sind, das seit 2004 immer weitere Kreise zieht.

Große Gewinne lassen sich mit den Spielen noch nicht erzielen, wie der dänische Programmierer Simon Egenfeldt-Nielsen einräumt. Das von ihm gegründete Unternehmen "Serious Games Interactive" beschäftigt 18 Mitarbeiter. Die Kopenhagener Software-Experten haben eine Reihe namens "Global Conflicts" auf den Markt gebracht, in der Spieler als investigative Journalisten unterwegs sind, um etwa die Machenschaften der Drogenmafia in Lateinamerika aufzudecken. Rund 300.000 Euro Entwicklungskosten stecken in der einzelnen Folge, an deren Grafik und Aufbau bis zu neun Personen feilen - ein Bruchteil dessen, was konventionelle Unternehmen in die Realisierung ihrer Produkte stecken.

Da schlägt ein einzelnes Spiel schon mal mit 14 Millionen Euro zu Buche und hält bis zu 200 Spezialisten in Schach. Doch auch hier gibt es einen Trend, "pädagogische Ansätze mit einzubauen", wie der PR-Direktor von Electronic Arts Germany, Martin Lorber, feststellt. Der Konzern, dessen Mutterhaus in den USA sitzt, hat unlängst ein Fitness-Spiel präsentiert, das auf unterhaltsame Weise zu sportlicher Betätigung animieren soll. "Das war vor kurzem noch total undenkbar", so Lorber. Ob eines Tages auch echte "Serious Games" mit der Simulation von humanitären Hilfseinsätzen zum Portfolio gehören, wagt der Electronic Arts-Vertreter indes zu bezweifeln. "Hollywood würde schließlich auch keine Lehrfilme herausbringen." Einstweilen bleiben die "ernsthaften Spiele" ein Nischenprodukt - wenn auch eines mit Zukunft.

Schwerpunkt
Anstifter: Verändern die Medien den Charakter?
Spiele, in dem man jeden erschießen kann, sind nicht einmal die härtesten für Kids. Eine Steigerung dieses Gemetzels ist stets noch möglich. Politiker denken immer wieder über Verbote solcher Computerspiele nach.