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Sehr vorsichtig transportierten die Forscher den Sarg von Gabii nach Garching
Das Rätsel des Bleisargs
Münchner Neutronenforscher untersuchen Mumie
Münchner Forscher haben einen mehr als 1700 Jahre Bleisarg mit Neutronen bestrahlt. Dadurch war das Skelett eines Menschen zu erahnen.
Ein internationales Forscherteam um die italienische Archäologin Anna Galone hatte Anfang 2009 den 350 Kilo schweren Sarg in der historischen Stadt Gabii bei Rom entdeckt. Es ist der einzige Bleisarg, der bislang im Mittelmeerraum gefunden wurde. Eine bedeutende Person muss darin begraben sein, da Blei in der Antike teuer war, so Gallone. "Die ganze Machart ist extrem teuer. Es muss eine höhergestellte Persönlichkeit gewesen sein. Doch es ist schwierig zu sagen, welchen Stand sie hatte." An dem Ausgrabungsfeld in Gabii stießen die Forscher neben vielen anderen Gräbern, nur auf den einen Bleisarg. "Meine Vermutung wäre, dass es vielleicht ein Fremder, ein Ausländer sein könnte, der entweder aus Nordeuropa stammt oder aus den östlichen Regionen", sagt die Wissenschaftlerin.

Um zu erfahren, was im Inneren des Sargs liegt, arbeiteten die Archäologen mit Münchner Neutronenforschern zusammen. Diese haben den Sarg im Atom-Forschungsreaktor FRM-II in Garching bei München mit Neutronen bestrahlt. Die Neutronen liefern ein Bild vom Inneren des Sargs, ohne ihn öffnen zu müssen.

Durch offene Stellen war Erde in den Sarg eingedrungen, ein Problem für die Forscher. "Erde, gerade wenn sie feucht ist, ist ein sehr gewaltiges Hindernis für die Neutronen", sagt Burkhard Schillinger von der Technischen Uni München. "Das Blei ist für uns völlig leicht zu durchdringen, aber da die Neutronen bei leichten Elementen empfindlich sind, sind sie natürlich auch empfindlich bei Erde."

Bei einem ersten Versuch lenkte die Erde die Neutronen zu sehr ab. Erst nach der Bestrahlung mit stärkeren Neutronen ergab sich ein klareres Bild. "Es könnte tatsächlich sein, dass wir hier das Skelett sehen", sagt Gallone. In Rom soll der Sarg geöffnet werden.

Glossar
Reaktor FRM-II
Der Atom-Forschungsreaktor FRM-II in Garching bei München bleibt umstritten, weil hochangereichertes Uran verwendet wird.
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