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An der Elfenbeinküste müssen vielerorts Kinder Kakaobohnen ernten
Schuften für Schokolade
An der Elfenbeinküste ernten Kinder Kakaobohnen
Für Kakaobohnen, aus denen auch Schokohasen hergestellt werden, müssen sich 600.000 Kinder in den Ländern Westafrikas plagen.
Mit 40 Prozent des weltweit gehandelten Kakaos ist die westafrikanische Elfenbeinküste der größte Kakaoexporteur der Welt. Insgesamt 1,2 Millionen Tonnen des begehrten Rohstoffs werden dort jährlich produziert. Dennoch gehört sie zu den 20 ärmsten Ländern der Welt und hat mit dem Problem der Kinderarbeit zu kämpfen.

Nach Angaben der Organisation Transfair arbeiten 600.000 Minderjährige unter sklavenähnlichen Bedingungen auf den Plantagen des Landes, etwa 12.000 davon kommen aus den Nachbarstaaten Mali, Togo und Burkina Faso. "Viele Kinder, die sehr viele Stunden in der Woche arbeiten, haben schon von Kind an Rückenschäden", sagt Friedel Hütz-Adams vom Siegburger Forschungsinstitut Südwind und Autor der Studie "Die dunklen Seiten der Schokolade".

Doch ein Rückgang der Kinderarbeit auf Kakaoplantagen kann die Armut der Kleinbauern verschärfen: Das zeigt die Studie "Die dunklen Seiten der Schokolade", die im September 2009 veröffentlicht wurde. Nachdem mehrere Lebensmittelkonzerne ihre Lieferanten ermahnt hätten, auf Kinderarbeit bei der Ernte zu verzichten, gingen die Erträge der Bauern zurück, so Hütz-Adams. Den Verzicht auf Kinderarbeit hätten Unternehmen wie Mars, Nestlé oder Ferrero verlangt, nachdem sie wegen Berichten über die Beschäftigung Minderjähriger auf den Plantagen unter Druck geraten seien.

Die Lösung liege nicht allein im Verbot von Kinderarbeit, sondern in der gerechteren Bezahlung der Kleinbauern, sagte Hütz-Adams. "Die lassen ja nicht zum Spaß ihre Kinder arbeiten, sondern weil sie darauf angewiesen sind." Nötig seien faire Handelsbedingungen.

Wenige Konzerne nutzen Fairtrade-Kakaobohnen
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Mit Schokolade aus fairem Handel bekämpfen Initiativen Kinderarbeit
Die 2000 gegründete Weltkakaostiftung der "Bill & Melinda Gates Stiftung" und 14 Schokoladenunternehmen haben im Februar 2010 das Programm "Lebensgrundlage Kakao" gegründet. Die Initiative will die Lebensverhältnisse von 75.000 ivorischen Kleinbauern bis 2014 verbessern - etwa durch landwirtschaftliche Schulungen. "Sollen echte Fortschritte im Kampf gegen Hunger und Armut erreicht werden, muss bei den Kleinbauern angesetzt werden", erklärt Programmleiter, Richard Rogers.

Zu den Mitgliedern der Weltkakaostiftung gehören auch Nahrungsmittelriesen wie Lindt, Nestlé oder Kraft Foods. Dass sich die Unternehmen im Rahmen ihrer Mitgliedschaft gegen Kinderarbeit und für eine nachhaltige Produktion einsetzen, ist eine Seite. Doch das bedeutet andererseits nicht, dass sie bei der Produktion ihrer Schokolade tatsächlich auf fair gehandelten Kakao zurückgreifen. Obwohl Deutschland zu den größten Kakaokonsumenten der Welt zählt, sind nur wenige namhafte Hersteller Vertragspartner der Organisation Transfair.

In Deutschland haben beispielsweise Gepa, Tchibo und Krüger Produkte im Sortiment, die den strengen Standards der Organisation entsprechen. "Unsere Partner verpflichten sich unter anderem, den Kakaoproduzenten einen fixen Mindestpreis zu zahlen, der unabhängig vom aktuellen Weltmarkpreis ein regelmäßiges Einkommen garantiert", erklärt Maren Richter von Transfair eine Grundregel. Die scheint viele Hersteller abzuschrecken. "Der Anteil der Fairtrade-Schokolade am jährlichen Verbrauch liegt unter einem Prozent", so Richter. "Da ist noch viel Luft nach oben."

Während der deutsche Markt noch auf ein Umdenken der großen Schokoladenhersteller wartet, sind andere Länder bereits einen Schritt voraus. So stellte Nestlé in Großbritannien kürzlich die Produktion seines "KitKat"-Riegels auf Fairtrade-Vorgaben um. Bereits 2009 hatte der britische Schokoladenhersteller Cadbury zusammen mit der Organisation Transfair angekündigt, seine in Australien verkaufte Schokolade "Cadbury Dairy Milk" bis 2013 aus komplett fair gehandelten Kakaobohnen zu beziehen. Wenn Cadbury komplett umgestellt habe, werde Großbritannien 15 Prozent seines Kakaobedarfs fair gehandelt beziehen, sagte Hütz-Adams.

Fairtrade-Schokolade hat auch bessere Klimabilanz
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Fairtrade schont das Klima
Betrachtet man die Klimabilanz von konventioneller und fair gehandelter Schokolade, schneidet die fair gehandelte besser ab. Während der Kakao für alle Schokoladensorten fast ausschließlich aus tropischen Ländern vor allem von der Elfenbeinküste kommt, stammt die Milch beider Schokoladenarten überwiegend von Kühen vor Ort. Hinsichtlich Milch und Kakao gibt es so gut wie keine Unterschiede in der Ökobilanz.

Anders beim Zucker: Konventionelle Schokolade wird meist mit deutschen Zuckerrüben hergestellt. Um diese zu Zucker zu verarbeiten, werden jährlich 225.000 Tonnen Kohlendioxid freigesetzt, pro Tonne Zucker 0,6 Tonnen Kohlendioxid. Für Schokolade aus fairem Handel setzten die Produzenten auf Rohrzucker aus subtropischen und tropischen Ländern. Die Bauern werden dafür fair bezahlt. Außerdem werden trotz des weiteren Transportwegs nur 0,4 Tonnen Kohlendioxid pro Tonne Rohrzucker freigesetzt, weil der Zuckersaft klimaschonend durch Verbrennen der ausgepressten Zuckerrohre eingekocht wird und kein Erdöl oder Gas verbraucht.

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