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Schulklasse Video
Theater hilft Kindern, ihre Rechte zu kennen und so Missbrauch vorzubeugen
Kinder stark machen
Pädgogische Projekte vermitteln Kindern Rechte
Um Kinder vor sexuellem Missbrauch zu schützen, müssen sie stark sein, ihre Rechte kennen und wissen, dass sie auch "Nein" sagen dürfen - und durch Theater sollen sie das lernen.
Mitarbeiter der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück wollen so das Bewusstsein bei Kindern und Jugendlichen stärken. Auf spielerische Weise, etwa mit Theaterstücken und Liedern, wollen sie junge Menschen sensibilisieren.

"Natürlich haben wir auch in unserer Arbeit oftmals schon solche Fälle aufgedeckt", sagt die Geschäftsführerin der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück, Anna Pallas. "Wobei wir uns aber als Theaterpädagogen und auch mit unserem Programm nicht als Spürhunde für eventuelle Opferkinder sehen, sondern wir wollen aufklären und deutlich machen, dass die Kinder stark sein dürfen und auf ihre Gefühle hören können."

Es gebe immer wieder Momente, in denen sich die Arbeit lohne, sagt Iris Krüninger von der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück. "Wenn Kinder sich tatsächlich öffnen, denen Missbrauch widerfahren ist. Oder wenn Kinder anfangen, über ihre Rechte nachzudenken. Das finde ich großartig."

Nicht für alle Kinder sei es selbstverständlich Rechte zu haben. "Wir kennen das alle auch noch aus unserer Kindheit", erinnert sich Pallas, "die Strumpfhose kratzt, daraufhin sagte meine Mutter, sie kratzt nicht. Oder es ist kalt, meint die Mutter, das Kind aber nicht, doch es muss die Jacke anziehen." Dabei gehe es schon los, dass Erwachsene den Kindern die Selbstbestimmung nehmen.

Wichtig sei zudem, dass das Thema auch im Unterricht behandelt wird, weiß Schulleiterin Dietlind Andrae. Nach den Besuchen der Theaterwerkstatt reden die Lehrer noch einmal darüber. "Sie besprechen auch das Nein-Gefühl noch einmal und lassen Beispiele erklären. Viele Kinder können auch über Situationen erzählen, in denen sie sich einmal nicht so gut gefühlt haben."

Psychiater: Bei Diskussion über Missbrauch bleiben
Die Diskussion über sexuellen Missbrauch darf nach Ansicht des Aachener Psychiaters Prof. Frank Schneider nicht nachlassen. "Missbrauch muss in der Gesellschaft grundsätzlich zum Thema gemacht werden", forderte Schneider als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (Berlin). Dies sei für die Vorbeugung wichtig. Schneider ist auch Leiter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universitätsklinik Aachen.

Missbrauch werde nicht durch eine Konfession oder ein Schulkonzept begünstigt. "Ausschlaggebend sind geschlossene Einheiten, wenn der Kontakt zur Außenwelt fehlt", so Schneider. So sei es nicht überraschend, dass neben Einrichtungen der katholischen Kirche mit der Odenwaldschule in Südhessen auch ein Internat mit freiheitlichem Denken in den Schlagzeilen sei. Dort hatten sich mehr als 30 Betroffene gemeldet und über Jahrzehnte zurückliegende Übergriffe berichtet. "Dass es bei den Katholiken angefangen hat, ist Zufall. Missbrauch wird durch Abhängigkeit gefördert."

"Kinder und Jugendliche brauchen Informationen. Sie müssen wissen, wie und woher sie Hilfe bekommen können", umschrieb der Psychiater einen offenen Umgang mit dem Thema. Dann würden auch Betroffene darin bestärkt, sich zu melden. Eine offene Diskussion über Missbrauch sei auch für eine Therapie wichtig. "Entscheidend ist, dass das Opfer von sich aus sagt, was passiert ist." Betroffene schämten sich, meinten, sie seien selbst schuld. "Ein Opfer hat dann wenig Neigung, nach außen zu gehen", beschrieb Schneider.

Bleibe Missbrauch als Thema aktuell, bremse dies auch mögliche Täter. "Dann wissen sie, dass sie unter Beobachtung stehen", sagte Schneider. "Das wirkt wie eine Radarfalle."

Gast im Studio
VideoZum Thema sprachen wir am 30. März 2010 mit Dr. Esther Klees von der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung und -vernachlässigung e.V.
Themenwoche
Anklage: Missbrauch
3sat beleuchtet in einer Themenwoche in zehn Dokumentationen, Filmen und Gesprächen nicht nur die Hintergründe und Umstände, die Missbrauch ermöglichen, sondern auch die Folgen für die Opfer.
Info
Die katholische Kirche hat ein bundesweite Telefon-Hotline geschaltet, um den Opfern sexuellen Missbrauchs Hilfe anzubieten. Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, ermutigte am 30. März 2010 die Opfer zurückliegender und aktueller Fälle im Bereich der katholischen Kirche sich zu melden. Die Hotline diene der telefonischen Erstberatung, in einem zweiten Schritt sei die Vermittlung von Therapieangeboten möglich.

Die telefonische Opferberatung unter 0800 - 120 1000 ist jeweils dienstags, mittwochs und donnerstags von 13 bis 20.30 Uhr besetzt.
Kinderpornografie
Löschen statt sperren
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) bleibt dabei: Sie setzt auf das Löschen von Kinderporno-Seiten im Internet.
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