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Schlachtbetrieb Video
Es gibt Schlachthöfe, wo mehr als 1500 Tiere pro Stunde geschlachtet werden
Unnötige Qualen
Sterben Tiere ohne Betäubung, leiden sie stark
In Schlachtbetrieben sollten Mitarbeiter vor dem Schlachten bei jedem einzelnen Tier überprüfen, ob es richtig betäubt ist, findet der Tierarzt, Prof. Klaus Troeger.
"In dem Moment, in dem ich mit lebenden Tieren zu tun habe, kann ich nicht akzeptieren, dass ein gewisser - wenn auch sehr kleiner - Prozentsatz bei diesem Prozess erheblich oder fürchterlich gequält wird", sagt der ehemalige Leiter des Max-Rubner-Instituts. "Ich muss hundertprozentig kontrollieren, um dieses Tierschutzproblem im Griff zu haben. Aus diesem Grund reichen Stichproben definitiv nicht aus."

Er habe bei Schlachthofbesuchen drastische Dinge gesehen. "Ich habe einmal gesehen, wie ein Tier, das noch lebte, in den Brühbottich gelangt ist und dort einen riesen Schnelzer gemacht hat", so Troeger. Die Schlingkette sei durch die Gegend geflogen. "Ein Kollege hat in einer Enthaarungsmaschine ein Schwein schreien hören. Das war für mich auch eine Angelegenheit, die ich als Beruf oder Berufung empfunden habe, da etwas zu ändern."

Mehr als 500.000 Schlachtschweine werden in Deutschland jährlich unnötigerweise gequält, schätzt Troeger. Diese Tiere wurden nicht richtig betäubt und erleben das Verbrühen mit allen Sinnen. Zwar ließe sich eine automatische Kontrolle einrichten, doch dies ist bislang nicht vorgeschrieben. "Wenn man den Tierschutz bei der Fleischproduktionskette gewichten wollte, angefangen bei der Landwirtschaft über den Transport bis zur Schlachtung, so ist mein Eindruck, dass bei der Schlachtung die größten Defizite existieren", sagt Troeger.

Keine 1500 Tiere pro Stunde, sondern nur 180
Das Mannheimer Fleischversorgungszentrum gilt als ein Vorzeigebetrieb, in dem nur 180 Tiere pro Stunde geschlachtet werden. In anderen Betrieben kann dies bei mehr als 1500 Tieren in der Stunde liegen. "Wir haben einen automatisierten individuellen Zutrieb mit zwei Treibschildern, der die Tiere ohne menschliches Zutun stressfrei zutreibt", sagt Stefan Kampa vom Fleischversorgungszentrum Mannheim. "Man hört nichts, die Tiere kommen sehr stressarm zur Schlachtung und das ist unsere Stärke." Die Mitarbeiter des Zentrums betäuben die Tiere mit Kohlendioxid. Im Gegensatz zu Elektrobetäubung, bei der die Tiere häufig nicht betäubt seien, sei dies bei Kohlendioxid so gut wie immer der Fall, sagt Troeger.

Im Mannheimer Betrieb sei eine gewisse Kontrolle des Einzeltiers möglich, ob Betäubung und Entblutung richtig funktioniert haben, so Troeger. "Dort ist noch eine gewisse Zeit vorhanden, die das Tier letztlich braucht, bis es dann auch nach der Entblutung tot ist." Dort habe der Stecher Zeit.

In einem hochindustrialisierten Schlachtbetrieb sei das anders. Um ein Tier abzustechen, bleiben weniger als zwei Sekunden Zeit, wobei es passieren könne, dass der Stecher, die großen Gefäße verfehlt, "oder gar einmal ein Tier übersieht und das Tier gar nicht sticht, dann sind diese Tiere sehr schnell am Schlachtband wieder wach. Es gibt definitiv kein Kontrollsystem, um diese Tiere vor dem Verbrühen im anschließenden Brühsystem zu retten: Sie laufen unkontrolliert dort hinein. Das ist absolut inakzeptabel."

Rinder werden meistens mit Bolzenschuss betäubt
"Bei Rindern wird mit einem Metallbolzen der Stirnknochen durchschossen und das Gehirn mechanisch partiell zerstört", sagt Troeger. "Diese Methode ist sehr gut und in Sekundenbruchteilen wirkungsvoll, wenn das Tier richtig getroffen wird." Doch bei sieben Prozent der Tiere sitze der Schuss nicht richtig, was mehr als 200.000 Tiere pro Jahr betreffe. "Es kommt auch dabei immer vor, dass Tiere zu diesem Zeitpunkt nicht optimal betäubt sind, dass also Reaktionen der Tiere auftreten, die darauf hindeuten, das zumindest ein teilweiser Wachzustand vorhanden ist", so Tröger. "Tiere ziehen seitlich mit dem Kopf hoch und man hat auch eine Lautäußerung."

Dennoch würden die Tiere auf eine Rohrbahn hochgezogen und hingen mit dem Kopf nach unten. "Es wird erst die Haut vorgeschnitten, dann werden die Tiere entblutet und es werden Gliedmaßen abgesetzt. Das Tier wird als Kreatur in diesen Betrieben nicht mehr wahrgenommen. Ich denke, dass sowohl seitens der Betriebe als auch seitens der dort tätigen Veterinäre viel Betriebsblindheit existiert." Gegenüber dem, was man täglich sehe, seien die Mitarbeiter abgestumpft. Auch die Öffentlichkeit übe keinen Druck aus, da die Verbraucher die Zusände nicht kennen.

Schlachtmethoden
Sanfter Tod mit Helium
Schweine schlachten mit Helium - diese Methode hat der Veterinär Prof. Klaus Troeger als Alternative zum Schlachten mit Kohlendioxid entwickelt.
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