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Sendung
20. Juni 2013
Computernutzer Video
Betrug im Internet nimmt zu und es bilden sich neue kriminelle Strukturen
Gemeinsam bekämpfen
Im Netz stößt nationale Strafverfolgung an Grenzen
Globale Standards und offene Kommunikation bei Strafverfolgung der Internetkriminalität fordert der Rechtsanwalt Dr. Marco Gercke.
"Einer der Fehler der Politik bei Internetkriminalität ist, dass sie den Nutzern - und damit den Bürgern - nicht klar macht, dass es Grenzen der Strafverfolgung gibt", sagt Gercke, der das "Cybercrime Research Institute" in Köln gegründet hat.

Keine einheitlichen Rechtsstandards über Grenzen
"Im Bereich der Technik haben wir festgestellt, dass wir uns weltweit auf einheitliche Standards einigen konnten", sagt Gercke. "Wenn es aber um den Bereich des Rechts geht, stellen wir fest, dass die rechtlichen Grundlagen in den einzelnen Ländern doch sehr unterschiedlich sind." Das hänge damit zusammen, dass gerade das Strafrecht als eines der Kerngebiete der staatlichen Souveränität angesehen und die Nationalstaaten sehr ungern Souveränität abgeben.

Gerade dies machen sich international tätige Kriminelle zu Nutze. Gruppen, die im Internet entstünden, entsprächen nicht den klassischen Strukturen der organisierten Kriminalität, sagt Gercke. "Es ist eher eine lose Zusammenarbeit, häufig auch von Leuten, die sich im persönlichen Leben gar nicht kennen. Dies wiederum mache die Anwendung von Instrumenten zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität schwer." Schadsoftware etwa lässt sich recht problemlos im Internet finden. Um sie zu nutzen, muss man kein Informatikfachmann sein, so Gercke.

Es bestünde auch die Frage, ob zur Bekämpfung der Internetkriminalität nicht Instrumente benötigt würden, die so weit in die Rechte der Nutzer eingreifen, dass sie sich kaum noch rechtfertigen ließen. "Das bedeutet, es würde zu einer Politik im Bereich der Internetkriminalität gehören, ganz offen darüber zu sprechen, wo die Grenzen der Strafverfolgung liegen", sagt Gercke.

Studie: Mehr Internetkriminalität und professioneller
Die Betrüger im Internet werden dabei immer professioneller, wie eine im Oktober 2009 vorgestellte Forsa-Studie im Auftrag des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) ergab. Demnach ist vor allem die Zahl der Betrugsfälle beim Online-Banking sprunghaft angestiegen.

"Phishing" nennen Experten die Online-Angriffe auf Bankkonten. Der Branchenverband rechnete 2009 mit 2900 angezeigten Fällen. Das sind 53 Prozent mehr als im Jahr zuvor. "Nach unserer Hochrechnung steigt der Schaden um 56 Prozent auf elf Millionen Euro pro Jahr", sagte Bitkom-Präsidiumsmitglied Dieter Kempf in Berlin. Allerdings verzeichnete Bitkom 2008 einen zeitweiligen, auf bessere Schutzmethoden zurückzuführenden Rückgang der Betrugsfälle beim Online-Banking.

"Phishing ist der Bankraub des digitalen Zeitalters", sagte der Chef des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke. Darüber hinaus mahnten BKA und Bitkom zur Vorsicht bei der Herausgabe von persönlichen Informationen im Internet. "Nutzerprofile sind mittlerweile das Ziel von Dieben", sagte Kempf. Mit Hilfe von bestimmten Programmen geklaute Daten wie Benutzernamen, Passwörter oder Kreditkarten-Angaben würden in der "Underground Economy" als Hehlerware angeboten. Noch dazu gehen die Angreifer dabei immer professioneller vor. "Die im Bereich des Cybercrime aktiven Täter sind höchst innovativ und passen sich veränderten Gegebenheiten sehr schnell an", sagte Ziercke. Der Staat könne darauf nur mit zeitlichem Verzug reagieren.

Das Bundesinnenministerium hatte im Oktober 2009 in Friedrichshafen ein Pilotprojekt für eine sichere und rechtsverbindliche Email-Version, die De-Mail gestartet. Der Branchenverband Bitkom ist davon schon überzeugt: "Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es weder im realen Leben, noch im virtuellen Leben", sagte Geschäftsführer Bernhard Rohleder. "Aber die De-Mail kommt sehr nah heran."

Info
Der Europarat hält vom 23. bis 25. März 2010 in Straßburg unter dem Motto" Sicherheit und Grundrechte – welche Regeln für das Internet?" eine Konferenz zum Thema Computerkriminalität ab. Außer den Vertretern des Europarats sind Vertreter von Regierungen, der Polizei und der Internetindustrie eingeladen. Die Konferenz soll die Kooperation zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor im Kampf gegen Internetkriminalität verstärken. Darüber hinaus wird sie zur weltweiten Unterstützung aufrufen, damit die Staaten die bestehenden Instrumente bestmöglich nutzen und somit auf die Probleme der Computerkriminalität reagieren können.
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