Schnauze eines Wolfes © dpa
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Seit 2000 breiten sich Wölfe wieder in Deutschland aus. Inzwischen gibt es an die 500 von ihnen.
Wolfszählung
Wölfe leben in sieben deutschen Bundesländern
Die Wölfe in Deutschland haben sich weiter vermehrt. 60 Rudel sind wissenschaftlich nachgewiesen, 13 mehr als vor einem Jahr. Trotzdem bleibt das Thema Wolf eine Baustelle.
Das geht aus Daten des Bundesamts für Naturschutz (BfN) und der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) hervor. Insgesamt gehe man von 150 bis 160 erwachsenen Wölfen aus, sagte BfN-Präsidentin Beate Jessel. Vor einem Jahr waren es etwa 140 Jungwölfe, die oft früh sterben, und durchziehende Tiere zählen die Experten nicht mit.Insgesamt habe sich die Population damit vor allem in einem Band von der Lausitz im Osten bis in den Nordwesten verdichtet, aber nicht in dem Maß ausgedehnt, wie es die Zahl der Rudel vermuten lasse, sagte Jessel. Die meisten Wölfe leben in Brandenburg und Sachsen.

Umweltminister suchen das schwarze Schaf unter den Wölfen
Was macht einen "auffälligen Wolf" aus? Eine klare Definition muss her - das fordern die Umweltminister der Länder vom Bund. Bei der Umweltministertagung haben sich die Ressortchefs dazu bekannt, die Weidehaltung von Nutztieren zu sichern - und trotzdem weiterhin den Schutz des Wolfes zu gewährleisten. Die Halter von Nutztieren fordern immer wieder die Tötung von verhaltensauffälligen Wölfen. Es gab sogar Vorschläge, den Wolf jagen zu lassen.

Diesen erteilte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) eine klare Absage. "Damit kommen wir keinen Millimeter weiter", sagte er. Als geschützte Art bekäme der Wolf "sofortige Schonzeit" und dürfte dann auch nicht gejagt werden. Geschützt werden sollen mit dem Jagdverbot aber auch die Jäger selbst - denn die würden ja sonst die komplette Verantwortung auch für Schadensfälle tragen.

Schweden gilt dem Umweltminister Mecklenburg-Vorpommerns als Vorbild: Das skandinavische Land habe bereits bei 240 Tieren im gesamten Land eine Grenze gesetzt und Maßnahmen zur Regulierung eingeleitet. In Deutschland soll dafür zunächst Rechtssicherheit geschaffen werden - daher der Ruf nach einer "Definition für einen auffälligen Wolf in Bezug auf Mensch und Weidetier".

Backhaus fordert zudem gemeinsam mit Brandenburgs Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) ein grenzüberschreitendes Wolfsmonitoring mit Polen. Die in Westpolen lebenden Wölfe müssten in die Beobachtung miteinbezogen werden. Und die Forderungen sind erst der Anfang: Das Thema Wölfe gehöre laut Vogelsänger zu den "Dauerbaustellen" und werde die Umweltministerkonferenz auch in der Zukunft beschäftigen.

Was macht einen Wolf "auffällig"?

Normalerweise sind Wölfe scheu und halten sich von Menschen fern. Verlieren sie ihre Scheu und nähern sich dem Menschen gelten sie als auffällig und problematisch. Allerdings ist dies oft ein vom Menschen provoziertes Verhalten, das sich zum Beispiel durch das Anfüttern junger, weniger scheuer Tiere entwickeln kann.

Wölfe in Österreich: Nomaden und Truppenmaskottchen

150 Jahre wurden in Österreich keine Wölfe gesichtet. In den Jahren von 2009 bis 2015 wurden dann jeweils zwischen zwei und sieben Wölfen genetisch nachgewiesen. Bei diesen Individuen handelt es sich um Durchzügler, die aus den Karpaten, aus der Schweiz und Italien sowie aus dem slowenisch-kroatischen Raum stammen und auf der Suche nach neuen Lebensräumen sind. Immer wieder waren aber auch Tiere dabei, die sich über einen längeren Zeitraum niedergelassen haben, die aber plötzlich wieder verschwunden sind. Das kann einerseits daran liegen, dass die Wölfe weitergewandert sind, andererseits hat es vermutlich auch schon illegale Abschüsse gegeben. Am Truppenübungsplatz Allentsteig in Niederösterreich lebt zudem seit einigen Jahren ein Rudel Wölfe.

Glossar
Der Wolf - ein soziales und scheues Raubtier
Der Wolf (Canis lupus) gehört zur Ordnung der Fleischfresser und ist verwandt mit den Hunden. Sein Fell ist grau bis bräunlich, er wird bis zu 1,60 Meter lang und hat eine Schulterhöhe von 50 bis 100 Zentimetern.
Wie jetzt?
VideoEin tierischer Streit
Der Wolf ist in Deutschland zurück - und nano-Reporterin Alexandra Kröber begibt sich mitten in den Streit zwischen Tierschützern, Landwirten und Jägern.
Mediathek
VideoIm Gespräch: Axel Gomille
Zum Thema sprachen wir am 22. November 2017 mit dem Zoologen, Fotografen und Filmemacher Axel Gomille.
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