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Sendung
23. Mai 2013
Indianer im Feld Video
Indianer in Brasilien und Paraguay setzten schon lange auf den Süßstoff Stevia
Europäische Union gibt sich neue Süße
Der Süßstoff Stevia besteht die Tests der EU
Ein Süßstoff aus der subtropischen Stevia-Pflanze ist seit dem 2. Dezember 2011 auch in der Europäischen Union erlaubt.
Im November 2011 hat die EU-Kommission erlaubt, das natürliche Süßungsmittel Steviolglycosid in Lebensmitteln zu verarbeiten, nachdem die Mitgliedsstaaten im Sommer zugestimmt hatten. In der Schweiz ist Stevia seit 2010 zugelassen.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) habe festgestellt, dass das Süßungsmittel weder Krebs auslöse noch das Erbgut verändere noch Fruchtbarkeit verringere, teilte die Brüsseler Behörde mit. Wegen ihrer hohen Süßkraft sind die Stevia-Blätter nach Überzeugung ihrer Anhänger gesünder als Zucker: Es soll bis zu 300 Mal süßer sein als Zucker. Stevia hat keine Kalorien und verursacht im Gegensatz etwa zu Rüben- und Rohrzucker auch keine Karies.

Damit ließe sich Stevia beispielsweise für kalorienreduzierte Getränke nutzen. In Softdrinks, Joghurt, Müsli und Schokolade will die Lebensmittelindustrie den Stoff einsetzen. So hat der Getränkekonzern Coca-Cola nach eigenen Angaben in den USA und Frankreich bereits Getränke mit Stevia eingeführt und forscht für Deutschland am Einsatz des Rohstoffs.

Süßstoffhersteller haben mit eigenen Studien zu zeigen versucht, dass die Substanz gefährlich ist; so soll sie die Fruchtbarkeit von Ratten beeinträchtigen. "Allerdings erst in absurd hohen Dosen", so der Bonner Privatdozent Ralf Pude vom Institut für Gartenbauwissenschaft; "ein Erwachsener müsste täglich mehr als die Hälfte seines Körpergewichts an frischen Stevia-Blättern zu sich nehmen, um auf vergleichbare Konzentrationen zu kommen - in dieser Menge wäre selbst Zucker gefährlich."

Europas Forscher haben Stevia länger untersucht
Udo Kienle Video
Der Agrarwissenschaftler Udo Kienle sieht die Stevia-Pflanze mit Vorsicht
Um die Substanz Steviosid aus den Blättern der in Paraguay wachsenden Pflanze Stevia rebaudiana zu gewinnen, kommen verschiedene Chemikalien zum Einsatz, schildert der Hohenheimer Agrarwissenschaftler Udo Kienle. "Bei diesen Herstellungsverfahren kommt es in geringem Umfang zu Änderungen in der Molekülstruktur und zur Neubildung von Stoffen." Das Steviosid sitzt in den Blättern der Pflanze; diese werden getrocknet und zu einem grünen Pulver zermahlen, das sich prinzipiell schon zum Süßen eignet. Damit der Kuchen nicht in einem unappetitlichen Grün schimmert, entfernt man aber in der Regel zuvor noch die Blattfarbstoffe.

Indianer im Grenzland zwischen Brasilien und Paraguay süßen ihren Tee seit Jahrhunderten mit Blättern der Stevia rebaudiana Bertoni. In Europa erfriert die Arzneipflanze bei Minusgraden und muss daher jedes Jahr neu gepflanzt werden. "In ihrer Heimat lässt sie sich mehrere Jahre hintereinander ernten", so Kienle. In Asien hat Steviosid einen Marktanteil von 75 Prozent. "Dort sind aber auch einige seiner Hauptkonkurrenten verboten", gibt Pude zu bedenken.

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