Marsoberfläche Video
Die HRSC liefert plastische Bilder der Oberfläche unseres Nachbarplaneten
Der Rote Planet in 3D
High-Tech-Kamera ist seit 2003 im Mars-Orbit
Die High Resolution Stereo Camera (HRSC) zeichnet dreidimensionale Bilder von der Marsoberfläche auf. Sie ist die erste Stereokamera für den Weltraumeinsatz.
Mit neun lichtempfindlichen, quer zur Flugrichtung angeordneten Sensorzeilen scannt die am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelte Kamera die Marsoberfläche unter verschiedenen Blickwinkeln und in vier Farbfiltern in Bildstreifen ab, die viele hundert Kilometer lang sind. Die mit der Kamera bestückte Sonde "Mars Express" erreichte den Nachbarplaneten nach einem sechsmonatigen Flug am 25. Dezember 2003. Am 10. Januar 2004 nahm die HRSC ihren ersten Bildstreifen von 700 Kilometer Länge auf.

Das HRSC-Experiment-Team in Berlin-Adlershof dekomprimiert die Rohdatenpakete und prüft sie zunächst auf kleine Datenfehler. Das Experiment-Team rechnet dann alle Daten in die geometrische Projektion von Bildkarten um. Anschließend erstellen die Wissenschaftler aus der Kombination digitale Geländemodelle, womit die dritte Dimension sichtbar wird und in den Bilddaten Höhenmessungen vorgenommen werden können. Die unterschiedlichen Datenprodukte werden nach etwa einem halben Jahr weltweit allen Wissenschaftlern über Datenarchive der Esa und Nasa zur Verfügung gestellt.

Die 3D-Bilddaten der HRSC bilden die Grundlage für ein erstes den ganzen Mars umspannendes topographisches Kartenwerk. Seit den ersten Aufnahmen werden die HRSC-Bilder aber auch zur Beantwortung zahlreicher wissenschaftlicher Fragestellungen herangezogen: So konnte das 45-köpfige HRSC-Wissenschaftsteam Spuren entdecken, die Gletscher, Wasserläufe und stehende Gewässer vor Millionen oder Milliarden von Jahren auf der heute trockenen Oberfläche hinterlassen haben. Damit konnten Forscher klären, wann und wo Wasser und Eis die Marsoberfläche gestalteten - nämlich hauptsächlich in der Frühzeit des viereinhalb Milliarden Jahre alten Planeten. Auch bei der Auswahl zukünftiger Landeplätze unbemannter Marssonden kommen die topographischen Bildkartenzum Einsatz.

Eine Variante der HSRC erkundet die Erde
Lupe
Die MFC nimmt Zeile für Zeile der Erdoberfläche auf
Aber auch auf der Erde ist eine ähnliche Kamera in Aktion. Erste Tests haben Forscher in Berlin gestartet: Mit einem Sportflugzeug und der MFC (Multifunktionskamera) an Bord überfliegen sie in 2000 Metern Höhe die Stadt. Währenddessen macht die Kamera Bilder, die hinterher ein realistisches Abbild ergeben. Dabei tastet sich das Gerät Zeile für Zeile an der Oberfläche entlang.



Aufnahmen vermitteln einen authentischen Eindruck
"Der Vorteil der Aufnahmetechnik liegt darin, dass man nicht nur die hochgenauen Oberflächenmodelle der Gebäude und Objekte erhält, sondern, dass man durch die Seitenansicht auch die Fassaden erhält und diese zusammen mit diesen Oberflächenmodellen zu authentischen Objekten modellieren kann", erklärt Frank Lehmann. Besonderen Nutzen der Kameraaufnahmen erhoffen sich die Wissenschaftler für die Katastrophenplanung: Sie entwickeln ein Modell der indonesischen Großstadt Padang, die ein Tsunami besonders stark träfe. Sind Strukturen vor Ort genau dokumentiert, ließe sich im Vorfeld berechnen, wo das Wasser entlang fließen wird.

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