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Älterer Mann in den Bergen Video
Gene sorgen bei manchen Menschen dafür, dass sie im hohen Alter noch fit sind
Forscher finden Gene für ein langes Leben
Auch Umweltfaktoren spielen eine große Rolle
"Wir kennen drei Langlebigkeitsgene", sagt der Altersforscher Prof. Stefan Schreiber vom Kieler Institut für Klinische Molekularbiologie.
"Zwei sind besonders interessant: ein Gen, das die DNA besser repariert und eins, das den Energiehaushalt der Zellen besser steuern hilft." Allerdings mache die Genetik nur 20 bis 40 Prozent aus. "Mit der Lebensführung können wir sowohl die Genetik zunichte machen als auch schlechte Genetik überwinden. Besonders gefährlich sei das Rauchen. Es sei "eines der stärksten Umweltgifte, die wir kennen, und verkürzt die Lebenserwartung um 10 bis 15 Jahre."

Gene für hohes Alter können nicht immer wirken
Pipettieren von DNA © ap Lupe
Forscher fanden Gensequenzen, die mit langem Leben zusammenhängen
Fast jeder siebte Mensch verfügt über die Gene für langes Leben, schätzen die Bostoner Genetiker Paola Sebastiani und Thomas Perls. Doch nur jeder Hundertste wird tatsächlich so alt. Dass die anderen genetisch Begünstigten früher sterben, könne an ihrer Ernährung, Bewegungs- oder Schlafmangel, Alkohol, Zigaretten oder einem Unfall liegen: Im 20. Jahrhundert seien außerdem Millionen von Menschen in relativ jungen Jahren im Krieg gestorben - ob für ein langes Leben prädestiniert oder nicht.

Das Forscherteam identifizierte 150 Erbgutmerkmale, die relativ fitte 100-Jährige von ihren Mitmenschen unterscheiden. Auf der Suche nach den entscheidenden Anlagen durchsuchte das Team in Boston das Erbgut von 1055 Hundertjährigen und 1267 Kontrollpersonen. Die "Hundertjährigen" waren im Alter zwischen 95 und 119 Jahren und nach Worten von Sebastiani und Perls oft noch überraschend fit. Je mehr der 150 maßgeblichen Varianten sie in ihrem Genom hatten, desto länger lebten sie bei relativ guter Gesundheit. Mit den genetischen Markern können Sebastiani, Perls und Kollegen die Anlage zur Langlebigkeit mit 77-prozentiger Treffsicherheit ermitteln.

Allerdings begrenzen die Daten von Zwillingsstudien den Einfluss der Erbanlagen auf die Langlebigkeit auf gerade 20 bis 30 Prozent. Generell liege die Lebenserwartung in den Industrieländern derzeit bei 80 Jahren. Wie groß die Rolle nicht genetischer Faktoren wie vegetarische Ernährung, der Glaube und ein enger Familienzusammenhalt sein können, zeigten die Siebenten-Tags-Adventisten (STA). Mitglieder dieser Religionsgemeinschaft in den USA leben durchschnittlich 88 Jahre, also 8 Jahre länger als andere US-Amerikaner, wie die Autoren bei der Konferenz betonten.

Fadenwurm bildet ein Enzym, das Leben verlängert
© dpa Lupe
Klein, Wurm und ein Lieblingsobjekt der Genetiker
Wissenschaftler der Universität Freiburg haben in dem winzigen Fadenwurm Caenorhabditis elegans gesuchtes Schlüsselgen entdeckt, das die Alterung steuert. Das Gen bilde ein Enzym, das normalerweise die Aktivierung lebensverlängernder Gene verhindere, teilte die Universität mit. Die Molekulargenetiker zeigten den Angaben zufolge, dass Veränderungen des Enzyms, entweder durch Mutation des Gens oder unter dem Einfluss von Stress und chemischen Substanzen, diese Blockade aufheben. Dadurch wurde die Alterung des Wurms um über zwei Drittel verlangsamt, wie die Wissenschaftler Maren Hertweck und Ralf Baumeister berichteten.

Baumeister sagte, C. elegans lebe normalerweise nur etwa 14 Tage und zeige im letzten Drittel seines Lebens typische Alterserscheinungen. Die Würmer, in denen das Enzym SGK-1 manipuliert worden sei, seien dagegen auch nach zwei Wochen noch agil wie junge Tiere gewesen.

Die genetische Kontrolle der Alterung funktioniert vermutlich in allen Tieren gleich, wie inzwischen durch Experimente in Fruchtfliegen und in der Maus bestätigt werden konnte. "Auch der Mensch besitzt ein Gen für SGK-1, mehr als 75 Prozent der Aminosäure-Bausteine in den entscheidenden Bereichen des Proteins sind identisch. "Vieles spricht dafür, dass es ähnlich funktioniert wie das Wurm-Gen", sagte Baumeister.

US-Forscher haben ein weiteres Gen gefunden. Es bremst die Produktion des schädlichen Cholesterins LDL, so Wissenschaftler der Harvard- und der Boston-Universität sowie des Unternehmens "Elixir Pharmaceuticals".

Italiens Hundertjährige könnten der Schlüssel sein
Blutprobe Lupe
Auch in Italien liegt der Schlüssel im Blut
Der Immunologe und Altersforscher Claudio Franceschi will das Geheimnis der Hundertjährigen in Italien lüften, denn in Italien gibt es mit 7000 Hundertjährigen mehr Hochbetagte als anderswo in Europa. Er und sein Team konnten in der Erbsubstanz der Hundertjährigen zehn Gene nachweisen, die offenbar mit einem langen und gesunden Leben in Zusammenhang stehen. Zur Gruppe der Hundertjährigen gehören in Norditalien allerdings viermal mehr Frauen als Männer.

Die Untersuchung bewies aber auch, dass der Anteil der hochbetagten Frauen abnimmt, je weiter man in den Süden kommt. So beträgt das Verhältnis in Mittelitalien 3:1, in Süditalien 2:1 und auf der Insel Sardinien gar nur noch 1:1. Die Altersforscher gehen davon aus, dass für die Langlebigkeit der Männer die Genetik wichtiger ist als für die Frauen.

Literatur