Exoskelett für Senioren © dpa
VideoVideo
Schon in den 1940er Jahren träumten Kybernetiker von Exoskeletten.
Alles Cyber
"Maschinendämmerung" von Thomas Rid
Etwas weitschweifig und mit mancher Redundanz führt Thomas Rid in seinem Buch durch die Geschichte einer Wissenschaft, die die Welt veränderte: Kybernetik, kurz "Cyber".
Buchcover © Propyläen
Das Gerücht halte sich hartnäckig, so Thomas Rid in seinem Werk "Maschinendämmerung", dass der Begriff "Cyberspace" auf den 1984 erschienen Roman "Neuromancer" von William Gibson zurückgehe. Dabei liegt der Ursprung im Zweiten Weltkrieg: Der US-Amerikaner Norbert Wiener sollte Algorithmen finden, deutsche Angriffsflieger am Himmel zu verfolgen, auch wenn sie Ausweichmanöver fliegen. Das Projekt scheiterte grandios, gab aber dem Mathematiker und Philosphen die Denkrichtung vor. So begründete er die "Zweite Industrielle Revolution", wie Rezensenten seines Buchs "Kybernetik, Regelung und Nachrichtenübertragung im Lebewesen und in der Maschine" schrieben. Im Sommer 1948 brütete Wiener über dem Titel seines neuen Buches: "Ich suchte ein passendes Wort aus dem Gebiet der Steuerung und Regelung. Das einzige Wort, das mir einfiel, war das griechische Wort für Steuermann 'kybernete''. Ich bildete daraus das Wort Kybernetik." Wiener hat einer jungen Disziplin Impulse gegeben, die im Zeitalter der Datenautobahnen ihre Auswirkungen zeigen. Ein Schlüsselerlebnis für sein späteres Forschen war in jungen Jahren die Lektüre einer wissenschaftlichen Arbeit über die Bewegung eines Nervenimpulses. In seinen Lebenserinnerungen schreibt er: "Der Aufsatz rief in mir den Wunsch wach, Automaten zu bauen, die gleichsam lebten."

Wieners Arbeiten auf dem Gebiet der Mathematik und Philosophie waren ausschlaggebend für sein späteres Eingehen auf die Strukturen einer kybernetischen Welt. Das der Kybernetik zugrunde liegende Problem, nämlich mit Informationen einen Prozess optimal zu führen, wurde in den Jahren von 1940 bis 1948 auf zwei Seiten der Welt untersucht, in der Sowjetunion in der Gruppe um den russischen Wissenschaftler Andrei Nikolajewitsch Kolmogorow und in Amerika eben in Wieners Team.

In der Folgezeit wurde der Cyberspace vielfach synonym für die neuen Erfahrungswelten im Internet verwendet. 1996 verfasste der Netzaktivist John Perry Barlow eine "Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace", mit der Forderung an die Regierungen, diesen Raum sich selbst zu überlassen. Danach wurde es vor allem in Deutschland eher unüblich, den Begriff "Cyberspace" zu verwenden. Erhalten hat er sich aber vor allem in den sicherheitspolitischen Konzepten eines "Cyber-Wars", einer Kriegführung mit Mitteln der Informationstechnik. Und das, stellt Rid am Ende seines historischen Streifzugs in sieben Kapiteln fest, ist das, was von heute eben "Cyber" ist: eine verletzliche Welt, in der Industrieanlagen gehackt werden.

Info
Thomas Rid
Maschinendämmerung
Eine kurze Geschichte der Kybernetik
Verlag: Propyläen
ISBN 978-3-549-07469-5
Erste Auflage 2016
Cyber-Attentate
Verletzliche Moderne
Auch Stromnetze, Flughäfen oder Atomkraftwerke können Ziel von Cyber-Attacken werden, warnt die Münchner Informatikerin Prof. Gabi Dreo.
Einfallstore für Hacker
Sicherheitslücken
Mittelständische Unternehmen in Deutschland schützen nach Ansicht des Computerkonzerns "Hewlett Packard" (HP) ihre IT-Systeme nicht ausreichend gegen Angriffe.
Gegen Cyber-Kriminalität
Kräfte bündeln
Mit der EU-Initiative ACDC ("Advanced Cyber Defence Center") wollen Europol, Netz-Industrie und Forschung gemeinsam gegen Kriminalität im Internet vorgehen.