Plastikflasche am Strand © dpa
Auf Flaschen aus Kunststoff kann jeder leicht verzichten.
Auf Flaschen aus Kunststoff kann jeder leicht verzichten.
Es geht auch ohne
"Besser leben ohne Plastik" kann Spaß machen
Kann man heute weitgehend auf Plastik verzichten? Die Tippsammlung "Besser leben ohne Plastik" gibt Anregungen, wie erste Schritte in diese Richtung sogar Spaß machen können.
© Oekom_Verlag
Die Autorinnen Anneliese Bunk und Nadine Schubert legen den Fokus auf Tipps, die den Leser anregen sollen. Diese sind zwar konkret und beinhalten oft Produktnamen und Internetseiten zur Weiterrecherche. Aber seien wir ehrlich - Gewohnheitstiere wie wir Menschen müssen jede Menge Bereitschaft mitbringen, um sich ernsthaft mit einem Thema auseinanderzusetzen und eingefahrene Verhaltensweisen umzustellen. Dennoch werden in dem Büchlein auch Schritte gezeigt, für die man sich ohne viel Aufwand sofort entscheiden kann. Nie wieder Plastiktüten zum Beispiel. Getränke nur noch in Glasflaschen kaufen anstatt in PET-Flaschen und Tetra Paks. Oder, auch simpel: Seife statt Duschgel. Dadurch spart man nicht nur die Plastikverpackung ein, sondern erspart seiner Haut auch die Mikro-Plastikkügelchen, die in den meisten Duschgels und Kosmetika enthalten sind.

Die Sammlung enthält auch Tipps für plastikfreie Babyprodukte und Kinderspielzeug sowie Rezepte für Selbstgemachtes, das sich kaum plastikfrei kaufen lässt, wie Kekse, Knabberzeug, Schokocreme. Schokocreme? Die gibt es doch schon immer in Gläsern. Dafür sei aber Palmöl drin, und das schädige die Umwelt ebenfalls, argumentieren die Autorinnen. So ist ab und an ein etwas allgemeiner Zeigefinger spürbar, der aber durch die sprachliche Leichtigkeit schnell verziehen ist.

Der Informationsteil von "Besser leben ohne Plastik" ist auf leicht verdaulich getrimmt und somit keineswegs erschöpfend. Er beinhaltet ein paar Zahlen und Fakten zu Plastikmüll und Schadstoffen sowie eine kurze Erläuterung der Recyclingcodes, die oft auf Plastikverpackungen aufgedruckt sind. Das Buch versucht eben, eine große Zielgruppe einzufangen - diejenigen, die sich noch gar nicht mit dem Schaden befasst haben, den Plastik anrichten kann und solche, die am liebsten sofort aus der plastiklastigen Konsumwelt aussteigen würden. Das ist auch der Wermutstropfen der Tippsammlung - bei Nichtwissenden bleiben durchaus noch Fragen übrig ("Wieso soll ich jetzt mein Waschmittel nochmal selber machen?"). Und die Freaks möchten vielleicht wissen, aus welchen Quellen sich die Studien und Angaben speisen, die die Autorinnen in Nebensätzen zitieren.

Den Schweinehund fängt die Ästhetik ein
Das Buch lädt durchaus ein, das Ganze auch positiv zu betrachten: nicht - à la Moralkeule - weg vom bösen Plastik, sondern zurück zu den "echten" Produkten aus Großmutters Zeiten, weil authentischer, weil länger haltbar und weil selbst herstellen Spaß machen kann. Dies gelingt mitunter durch die vielen ansehnlichen Bilder. Holz und Glas sehen einfach edler aus als quietschbuntes Plastik.

Ein persönlicher Tipp für die besonders hartnäckigen inneren Schweinehunde: die Wonne zu entdecken, wenn man selbst gemachte Bodylotion in einem eleganten Glas verschenkt und das Gegenüber den eigens kreierten Duft wirklich wertschätzt ... Oder den Geschmack selbst angebauter Tomaten und selbst gepflückter Erdbeeren zu genießen ... Oder die Freude, mit Kindern aus Lebensmitteln bunte Knete zu zaubern. Das ist Nachhaltigkeit, die Spaß macht, und dieses Buch kann dabei als Inspiration dienen.

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