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"Jack" von Tess Riley und Christian Brandt: viel Action, etwas dürftige Logik
Der Friseur ist der Täter
"Jack" von Tess Riley und Christian Brandt
Der Cern-Physiker Matthieu Savary erfindet die Zeitreise - und direkt wird er vom britischen Geheimdienst angeheuert, die Identität von Jack the Ripper zu erkunden.
© Rowohlt Lupe
Tess Riley und Christian Brandt nehmen Spekulationen um den Londoner Serienmörder und stricken daraus einen actiongeladenen Roman. Prinz Albert Victor Edward, Herzog von Clarence, soll in Whitechapel die Prostituierten gemordet haben. Er war kein gewöhnlicher Hochadeliger, sondern der älteste Sohn des späteren Königs Edward VII., der sich jedoch wenig hoheitlich benahm. Von einer Weltumseglung, die er mit 16 Jahren unternommen hatte, kam er syphilliskrank zurück. Er trieb sich mit Vorliebe im Bordellmilieu umher. 1892, vier Jahre nach der Mordserie, starb er im Alter von 28 Jahren in geistiger Umnachtung an den Folgen der "Lustseuche". Im Roman will der britische Geheimdienst um jeden Preis verhindern, dass ein Verdacht auf den Adeligen fällt, denn ein neues Beweisstück ist aufgetaucht: ein Schal. Der britische Autor und Unternehmer Russell Edwards erwarb 2007 einen Schal aus den Archiven von Scotland Yard, der am Schauplatz des vierten Mordes gefunden worden war. Das Tuch lag bei der Leiche der Gelegenheitsprostituierten Catherine Eddowes, deren verstümmelte Leiche am 30. September 1888 mit aufgeschlitzter Kehle gefunden worden war.

Nach einer kleinen Odyssee landete der Schal schließlich ungewaschen auf der von Scotland Yard veranstalteten Auktion und gelangte in Edwards Hände. Er ließ DNA-Spuren nehmen und diese mit der DNA der weiblichen Nachfahren aller damals Tatverdächtigen abgleichen - sofern sie auffindbar und mitzumachen bereit waren.

Unter den Freiwilligen war auch eine direkte Nachfahrin des aus Polen eingewanderten Frisörs Aaron Kosminski. Ihre Blutprobe passte zu den zuerst gefundenen DNA-Spuren ebenso wie zur DNA der später entdeckten Samenflecken auf dem Stoff. Die Spermaspuren legen nahe, dass der Schal tatsächlich Kosminski gehörte und nicht wie angenommen seinem Opfer. Er könnte das blutige Tuch am Tatort zurückgelassen haben.

Hier kommen allerdings die Zeitreisenden aus dem Roman von Tess Riley und Christian Brandt ins Spiel: Alles sei eigentlich ganz anders gewesen. Wie, das entwickeln sie in dem Thriller. Physik und Logik kommen dabei nicht so gut weg: Der geneigte Leser erfährt wieder einmal, dass mit Teilchenphysik alles möglich ist und dass man am Cern wohl machen kann, was man will. Überhaupt kann da so ziemlich jeder hineinspazieren, wenn man Riley und Brandt in ihrer Fiktion folgen will. Ebenso gewöhnungsbedürftig die Charaktere, die hoffnungslos überzeichnet sind: ein genialer Physiker, eine perfekte Diebin, ein drogensüchtiger Schauspieler, ein brutaler Kämpfer und derlei mehr.

Info
Tess Riley und Christian Brandt
Jack
Verlag: Rowohlt
ISBN 978-3-499-26957-8
Eine Abkürzung durch die Zeit
Exotische Physik
Neutrinos könnten in die Vergangenheit reisen, sagt der Dortmunder Physiker Heinrich Päs. Für Menschen ist das kaum vorstellbar.
Glossar
Jack the Ripper
Mindestens sieben Frauen hat Jack the Ripper Ende des 19. Jahrhunderts grausam ermordet. Wer hinter dem Londoner Phantom steckte, fand Scotland Yard nie heraus.
Glossar
Das Cern
Das "Centre Européen pour la Recherche Nucléaire" (Cern) wird von 10.000 Forschern und Angestellten sowie einem Jahresbudget von 1,3 Milliarden Franken getragen.
Glossar
Schwarzes Loch
Auch Sterne müssen sterben, denn die gewaltigen Gasmassen einer Sonne werden dadurch "aufgeblasen", dass sie in ihrem Inneren vor allem Wasserstoff zu Helium "verbrennen".