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Sport Video
"Abnehmen um jeden Preis" ist für viele Menschen gut - aber nicht für alle
Übergewicht schützt
Manche Übergewichtigen leben sogar länger
Für einige Übergewichtige sei Stress bei Diäten kontraproduktiv, meint der Lübecker Hirnforscher Achim Peters: Sie seien genetisch so programmiert, bei Stress mehr zu essen.
"Es ist eine geniale Anpassung des Gehirns, wenn der Mensch in stressvolle Umgebung gerät", so Peters. Das erhöhe ihre Lebenserwartung. Der Cortisonspiegel bleibe niedrig, was zu weniger Herzkrankheiten und Depressionen führe. Diese Menschen müssten eher den Stress reduzieren.

"Wenn man das Nahrungsangebot beschränkt, macht das zwei Formen von Stress: Während der Diät steigt das Stresshormon Cortisol an. Wenn man die Diät abbricht, kommt das Gefühl des Versagens."

Fetuin A der Leber löst Stoffwechselsprobleme aus
Ärzte vor Computerbildschirm Video
Ärzte vermuten die Ursache für die Gefahren des Übergewichts in einem Protein
"Nicht die Fettmasse, sondern die Verfettung der Leber ist für Stoffwechselerkrankungen verantwortlich", sagt der Tübinger Arzt Prof. Norbert Stefan. 20 bis 30 Prozent der Menschen mit Fettleibigkeit sind hinsichtlich des Stoffwechsels gesund. "Fetuin A, das Eiweiß, das vermehrt bei der verfetteten Leber ins Blut abgegeben wird, geht mit einem hohen Risiko für Typ-II-Diabetes und Gefäßerkrankungen einher." Es hemmt das Insulin und löst Entzündungen aus. "Die Insulinresistenz ist sehr problematisch, weil sie einen Teufelskreis lostritt", sagt Stefan. "Wenn eine Insulinresistenz vorliegt, dann steigt der Blutzucker an, die Fettsäuren bleiben nicht mehr im Fettgewebe und auch die Gefäßfunktion ist beeinträchtigt."

"Übergewicht muss kein Gesundheitsrisiko sein"
Lupe
Fett im Bauchraum ist problematisch
Es komme darauf an, wo das Fett sitze, damit es ungesund ist, so Prof. Hans-Georg Joost vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam. Vor allem das Fett im Bauchraum sei ein Problem. "Hier erhöht jedes Zuviel das Krankheitsrisiko." Bei Männern werde es bei einem Bauchumfang von 94 Zentimetern problematisch, für Frauen bei 80. "Wenn man sehr weit darüber liegt, hat man ein deutlich erhöhtes Krankheitsrisiko." Das Bauchfett gibt Signalstoffe ab, die im Gehirn gefährliche Reaktionen auslösen, schildert Prof. Olaf Adam vom Walther-Straub-Institut der Uni München: "Sie erhöhen den Blutzucker und das Blutfett. Auch die Neigung, einen Diabetes zu entwickeln, nimmt stark zu." Die Fettzellen setzen Stoffe frei, die die Wirkung des Insulins bremsen. "Es kommt zu einer Insulinresistenz", so der Internist Dr. Joachim Spranger vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE). Insulin sorgt dafür, dass der Blutzucker sinkt - "wenn das Insulin nicht mehr richtig wirken kann, steigt der Blutzucker leicht an."


Ein dicker Bauch wirkte sich auf die Sterblichkeit in allen BMI-Bereichen aus - besonders aber bei Frauen mit normalem Gewicht. Der Grund dafür sei noch unklar, schrieben Eric J. Jacobs und Kollegen von der Amerikanischen Krebsgesellschaft in Atlanta. Bislang galt vor allem bei sehr dicken Menschen der Taillenumfang als Warnsignal für ein erhöhtes gesundheitliches Risiko.

"Body-Mass-Index kann nur eine Tendenz angeben"
"Der Body-Mass-Index ist nicht das Maß aller Dinge"
"Der 'Body Mass Index' (BMI) ist keinesfalls das Maß aller Dinge", schildert Adam. "Menschen mit einem geringen Übergewicht leben sogar länger und besser als die, die einen Body-Mass-Index von der angenommenen Größe von 20 bis 25 haben, was man als normal betrachtet. Arnold Schwarzenegger hatte als Bodybuilder einen 'Body Mass Index' von 30 und hatte kein Gramm Fett an sich." Karen Wagner vom DIfE meint, der BMI könne "immer nur eine Tendenz angeben, ob man übergewichtig oder normalgewichtig ist".




"Von einer Übernährungsepidemie ist keine Rede"
Mediziner stimmen die Ernährung individuell ab
Diäten sind sinnlos und machen die meisten Menschen dicker, sagt dazu der Ernähungsmediziner Udo Pollmer. "Esst endlich normal! Wie die Schlankheitsdiktatur die Dünnen dick und die Dicken krank macht", lautet eines seiner Bücher. "Dicke Kinder, dicke Lügen - Wie man mit Zahlenspielereien eine Epidemie verursacht" lautet eine der Kapitel-Überschriften. Pollmer legt dar, dass es für Deutschland keine repräsentativen Daten gebe, die es rechtfertigten, von einer epidemieartigen Gewichtszunahme bei Kindern zu sprechen. Es gebe lediglich einzelne Daten, die mit unterschiedlichen Methoden erhoben und unter unterschiedlichen Gesichtspunkten ausgewählt worden seien. Dazu kämen willkürliche Festlegungen, ab wann von Übergewicht zu sprechen sei und ab wann dieses gesundheitsschädlich sei - was von Land zu Land unterschiedlich definiert werde.



Buchtipp
Friedrich Schorb
Dick, doof arm?
Die große Lüge vom Übergewicht und wer von ihr profitiert
Verlag: Droemer / Knaur
ISBN: 978-3-426-27499-6
Literatur
Jacobs EJ et al (2010)Waist Circumference and All-Cause Mortality in a Large US Cohort. Arch Intern Med 170: 1293-1301
doi:10.1001/archinternmed.2010.201