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Sport kann beim Abnehmen helfen, muss es aber nicht - eine Typfrage
Die häufigsten Vorurteile über die "Pfunde zuviel"
Wissenschaftler kritisieren herkömmliche Einteilung
"Was man bisher als Übergewicht bezeichnet hat, ist eigentlich das Normalgewicht", sagt die Hamburger Ärztin Prof. Ingrid Mühlhauser.
  • "Sport hilft beim Abnehmen": Sport ist gesund und hilft, Krankheiten zu vermeiden - aber er hilft nur wenigen Menschen beim Abnehmen, nämlich denen, die ihren Bewegungsdrang in einer sitzenden Tätigkeit nicht ausleben können und bei denen entstehende Stresshormone ein Fettpolster verursachen. Diese wenigen Menschen können bis zu zehn Kilogramm verlieren. Häufiges Schwimmen führt sogar zu zusätzlichen Fettpölsterchen als Wärmeisolierung.
  • "Der Body-Mass-Index (BMI) objektiviert Übergewicht": Der BMI erfasst das Verhältnis von Fett und Muskelmasse im Körper. Er ist sehr streng definiert - die meisten gesunden Menschen gelten als "leicht übergewichtig". Vor allem bei hoher Muskelmasse geht er fehl: Durchtrainierte Sportler betrachtet er als "zu dick".
  • "Übergewicht führt zu hohem Blutdruck": Abnehmen senkt aber den Blutdruck kaum, sondern maximal um acht Punkte (Millimeter Quecksilbersäule). Ein Blutdruck von 190 kann so auf 182 gedrückt werden, einer von recht gesunden 128 auf recht gesunde 120. Aber: Sinkt der Blutdruck, hat der Körper Probleme, die Körpertemperatur aufrecht zu erhalten. Häufig reagiert er darum mit zusätzlichen Isolatoren - weiteren Fettpölsterchen.
  • "Übergewichtige sterben früher": Eine Metastudie mit 250.000 Patienten zeigt: Das höchste Sterberisiko haben untergewichtige Menschen mit einem BMI von unter 20. Dicke mit einem BMI zwischen 25 und 30 das geringste. Selbst "stark übergewichtige" Menschen (BMI 30 bis 35) lebten noch länger als "Normalgewichtige" mit einem "Wunsch-BMI" zwischen 20 und 25.
  • "Übergewichtige Menschen schlucken die Nahrung zu schnell - längeres Kauen würde helfen": Der Körper kann sich umstellen. Wird die Nahrung länger gekaut, reagiert er nur über eine kurze Zeitspanne mit Sättigung. Nach kurzer Zeit weiß er, dass er länger essen muss, um die gleiche Nahrungsmenge aufzunehmen - und das Sättigungsgefühl braucht wieder länger. Einen Einfluss auf die aufgenommene Nahrungsmenge gibt es langfristig nicht.
  • "Man kann mit Appetitzügler abnehmen": Appetitzügler helfen beim Abnehmen - aber nur einige Kilo und sie haben oft schwere Nebenwirkungen.
  • "Essen nach 18 Uhr setzt besonders an": Das stimmt nur, wenn es zusätzliches Essen ist, also beispielsweise die Chips vor dem Fernseher. Hier kann Disziplin tatsächlich Kalorien sparen. Liegen aber Mahlzeiten einfach nur später, entstehen keine zusätzlichen Kalorien und auch der Körper nimmt sich, was er zu brauchen meint. Südeuropäer essen in der Regel spät - und haben weniger mit Übergewicht zu kämpfen als Deutsche.
  • "Fastfood macht dick": Modernes Fastfood regt den Appetit in der Regel eher an, als dass es ihn stillt, und sorgt so für eine zusätzliche Kalorienaufnahme. Doch die Effekte aus dem Film "Super Size Me" konnte Prof. Frederik Nyström von der Universität Linköping in Schweden nicht bestätigen. Nur einer seiner 18 Probanden nahm rasch zu. Einige legten ein wenig zu, aber die Hälfte war Muskelmasse. An den meisten ging die "Fastfood-Diät" spurlos vorüber. Nach Ende des Versuches erreichten alle Probanden wieder ihr altes Gewicht.

Literatur
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