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Ärzte operieren © Colourbox
Bei Hüftarthrose gab es in den Gutachten 2013 die meisten bestätigten Fehler
Tausende Opfer von Arztfehlern
Das Risiko ist bei Gelenk-Operationen am größten
Bei einer Operation an Knie, Hüfte oder Sprunggelenk werden Patienten besonders häufig Opfer von Fehlern durch den behandelnden Arzt.
Gutachter der Ärzteschaft erkannten 2013 insgesamt 2243 Behandlungsfehler an - 77 davon mit tödlichem Ausgang. Nach mehr als jeder vierten der untersuchten 7922 Behandlungen wurde der Verdacht der Patienten bestätigt, wie die Bundesärztekammer am 23. Juni 2014 in Berlin mitteilte. Die Zahl der Patientenbeschwerden bei den ärztlichen Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen sank von 12.232 auf 12.173. Drei Viertel der geprüften Behandlungen betrafen die Krankenhäuser, der Rest die Praxisärzte. Die meisten Gutachten betrafen Unfallchirurgen und Orthopäden, gefolgt von anderen Chirurgen und Internisten.

Genaue Zahl der Ärztefehler ist schwer zu ermitteln
Bei Hüftarthrose gab es im Vergleich einzelner Krankheiten die meisten bestätigten Fehler - mit allerdings nur 73 Fällen. Mehr als ein Drittel der Fehler in der Klinik passierte bei Operationen. Bei niedergelassenen Ärzten erwies sich die Diagnostik mit mehr als einem Drittel am fehleranfälligsten. Insgesamt führten 58 Prozent der Fehler zu geringen oder mittelschweren Schäden, in 38 Prozent der Fälle blieben die Patienten dauerhaft geschädigt.

Angesichts der insgesamt 691 Millionen Behandlungen im Jahr sei der Gang zu Arzt oder Klinik in Deutschland eine sichere Sache für die Patienten, sagte der Geschäftsführer der norddeutschen Schlichtungsstelle, Johann Neu. Zugleich räumte Neu ein, dass niemand wisse, wie viele Behandlungsfehler es wirklich gebe.

Der medizinische Dienst der Krankenkassen hatte bereits im Mai 2014 seine Statistik vorgelegt: Er erstellte 2013 rund 14.600 Gutachten wegen Verdachts auf Fehler. 3700 Mal wurde der Verdacht bestätigt. Wie viele Patienten sich direkt an die Gerichte wenden, wird nicht gezählt. Insgesamt gebe es geschätzt pro Jahr 40.000 Anträge von Patienten, die einen Fehler vermuten, sagte der Chef der Gutachtergremien, Andreas Crusius.

Crusius sagte: "Wir sind keine Pfuscher." Die enorme Arbeitsbelastung der Ärzte erhöhe das Risiko. Zudem sei der Kostendruck in Kliniken oft enorm und belaste die Arbeit. Der auf die Vertretung von Patienten spezialisierte Anwalt Frank Teipel ergänzte, dass deshalb allerdings auch immer wieder unnötig operiert werde.

Stress darf kein Grund für Behandlungsfehler sein
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz wies zurück, dass Stress auf Station verantwortlich für Behandlungsfehler sei. "Gerade Einrichtungen mit hohen Fallzahlen wie bei Gelenk-OPs weisen eine geringere Fehlerquote auf", sagte Vorstand Eugen Brysch. Um einen Überblick über die Fehler zu bekommen, müsse die Bundesregierung per Gesetz ein nationales Fehlerregister auf den Weg bringen.

Das forderte auch Grünen-Gesundheitsexpertin Maria Klein-Schmeink. "Die Statistik der Schlichtungsstellen bildet nur die Spitze des Eisbergs ab." Kathrin Vogler (Linke): "Fachleute dagegen schätzen die Anzahl aller Fälle auf eine Million und mehr."

Laut Sozialverband VdK wenden sich viele mangels Vertrauen weder an die Ärzteschaft noch an die Kassen - und scheuen Gerichtsverfahren wegen der Kosten. "Im Ergebnis führt das dazu, dass die Patienten nicht zu ihrem Recht kommen", sagte Präsidentin Ulrike Mascher. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft forderte mehr Geld für Personal und Infrastruktur, so dass die Sicherheit gewährleistet bleibe.

Weniger Ärztepfusch, aber mehr Verdachtsfälle
Klemme auf Röntgenbild © dpa Video
Nicht alle Fehler sind so offensichtlich wie vergessenes Operationsbesteck
Der Medizinische Dienst des Kassen-Spitzenverbands (MDS) teilte am 6. Mai 2014 in Berlin mit, dass 2013 in Deutschland deutlich mehr Patienten als im Vorjahr wegen Verdachts auf einen Behandlungsfehler Hilfe bei den Krankenkassen gesucht hatten. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung erstellte 14.600 entsprechende Gutachten. Das sind 2000 mehr als im Vorjahr. Die Zahl der bestätigten Fehler sank dagegen etwas. 3700 Mal kamen die Gutachter zu dem Ergebnis, dass ein Behandlungsfehler vorliegt. Bezogen auf alle Vorwürfe bestätigte sich damit in jedem vierten Fall der Verdacht. "Viele Behandlungsfehler wären vermeidbar", sagte der leitende Arzt des MDS, Stefan Gronemeyer.

Die Zunahme der Gutachten um 17 Prozent führt Gronemeyer "auf die Aufklärungsarbeit der vergangenen Jahre und die gestiegene öffentliche Aufmerksamkeit" zurück. Zudem zeige auch das 2013 in Kraft getretene Patientenrechtegesetz Wirkung, betonte Gronemeyer. Das Gesetz hat den Anspruch der gesetzlich Versicherten auf Unterstützung durch die Krankenkassen bei Behandlungsfehlern gestärkt und räumt ihnen auch mehr Möglichkeiten zur Durchsetzung von Schadensersatzforderungen ein.

30 Prozent der vermuteten Behandlungsfehler betrafen niedergelassene Ärzte, in 70 Prozent der Fälle richtete sich der Verdacht gegen Krankenhäuser. Das hat damit zu tun, dass die meisten Vorwürfe im Zusammenhang mit Operationen erhoben wurden. Davon betroffen waren demnach vor allem die Bereiche Orthopädie und Unfallchirurgie sowie die Allgemeinchirurgie, gefolgt von Zahnmedizin und Gynäkologie.

Suchtkranke Ärzte
Operieren unter Drogen- oder Alkoholeinfluss
"Ein Arzt, der betrunken operiert, geht im Grunde in der heutigen Zeit keinerlei Risiko ein", so der Chirurg Dr. Ulrich Marx.
Mediathek: Meniskusriss
VideoZu viel operiert
Operationen am Meniskus sind oft überflüssig, sagt der Orthopäde Bernhard Christen" "Ein Riss im Meniskus ist nicht unbedingt verantwortlich für den Schmerz."
(nano-Beitrag vom 6. Mai 2014)
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VideoKunstfehler zugeben
Angesichts tausender Beschwerden pro Jahr regt Patientenbeauftragter Wolfgang Zöller (CSU) ein Melderegister für Arzt-Fehler an. (nano-Beitrag vom 17. Februar 2010)
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