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Schimpansen Video
Hingucken lohnt sich - mit der Methode könnte man schneller an Futter kommen
Die Kultur der Affen
Nicht nur Menschen pflegen gewisse Traditionen
Ob beim Gebrauch von Werkzeug, bei Fellpflege oder Partnerwerbung - Schimpansen haben in verschiedenen Regionen Afrikas eine eigene Kultur entwickelt, so Christophe Boesch.
Der Schweizer Forscher hat verschiedene Schimpansenpopulationen beobachtet. Um Ameisen aus hohlen Baumstümpfen zu angeln, verlassen sich zwei benachbarte Populationen in Uganda seit Jahren auf verschiedene Techniken. Während die Schimpansen aus dem westugandischen Kibale-Nationalpark die Leckerbissen per Stock aus dem Hohlraum ans Tageslicht befördern, kauen ihre nördlichen Nachbarn aus dem Budongo-Wald Blätter zu saugfähigen Schwämmen weich, um an die Delikatesse zu gelangen. Zwar kennen auch die Kibale-Artgenossen das Schwammprinzip. Aber sie nutzen es nur, um Wasser aus Baumlöchern zu holen, nie zum Ameisenfang.

Auch Menschenaffen haben kulturelle Eigenheiten
In einem westafrikanischen Nationalpark knacken die Affen gern Nüsse, nutzen dabei aber in den einzelnen Gruppen verschiedene Werkzeuge. Das berichten die Forscher des Leipziger Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie, die im Taï-Nationalpark an der westafrikanischen Elfenbeinküste drei benachbarte Schimpansen-Gruppen beobachtet hatten.

Das Team um Lydia Luncz hatte vor allem interessiert, ob die Schimpansengruppen unterschiedliches kulturelles Verhalten zeigen, obwohl sie unter ähnlichen Umweltbedingungen leben und genetisch kaum verschieden sind. "Beim Menschen sind kulturelle Unterschiede ein essenzieller Teil dessen, was benachbarte, in sehr ähnlichen Umweltbedingungen lebende Gruppen unterscheidet", so Luncz. Eine sehr ähnliche Situation sei nun bei den Schimpansen (Pan troglodytes verus) des Taï-Nationalparks gefunden worden.

Die Forschern haben analysiert, welche Werkzeuge die 45 Mitglieder der drei Gruppen zum Nüsseknacken bevorzugten. Die Tiere knacken Nüsse des Baums Coula edulis mit Stein- oder Holz"hämmern" und verwenden Baumwurzeln als "Ambosse". Je nach Härtegrad der Nüsse, der im Laufe der Saison abnimmt, wechseln sie die Werkzeuge - und verwenden je nach Gruppe unterschiedliche "Hämmer". Zwei Gruppen gingen während der "Erntezeit" von Stein- zu Holzhämmern über, verwendeten aber jeweils unterschiedliche Größen. Die dritte Gruppe benutzte durchgängig große Steinhämmer.

Die Verfügbarkeit von Stein- und Holzhämmern war in den Territorien der drei Gruppen gleich, ebenso die Beschaffenheit der Nüsse. "Unsere Studie zeigt, dass es feine kulturelle Unterschiede zwischen benachbarten Schimpansengruppen gibt, die sich denselben Lebensraum teilen", erklärte Lydia Luncz. Ähnlich wie die Menschen könnten auch Schimpansen kulturelles Wissen abrufen, um Herausforderungen zu lösen und dies an folgende Generationen weitergeben.

In Gefangenschaft lernen Schimpansen sozial
Verhaltensunterschiede wurden innerhalb von Tierpopulationen schon früher beobachtet. Da man genetische Faktoren oder Umwelteinflüsse als Ursachen nicht ausschließen konnte, taten sich Forscher schwer damit, solche Differenzen als Kultur zu interpretieren. Allerdings wurde schon früher gezeigt, dass in Gefangenschaft lebende Schimpansen Verhalten sozial erlernen können.

Dass dies auch für ihre wild lebenden Vettern gilt, zeigte der Psychologe Klaus Zuberbühler von der schottischen Universität St. Andrews: Er konfrontierte zwei Schimpansengruppen mit einer neuen Herausforderung - einem hohlen Holzstück, in dem Honig steckte. Schnell fanden die Tiere die Lösung des Problems, blieben dabei aber ihrer erlernten Tradition treu: Die Kibale-Schimpansen nutzten weiter ihren Stock, während sich die Budongo-Artgenossen nach wie vor auf ihre durchgekauten Blätter verließen.

"Die vernünftigste Erklärung für diese unterschiedlichen Werkzeuge war, dass sich Schimpansen beim Lösen der neuen Aufgabe an das vorher vorhandene kulturelle Wissen hielten", sagt Zuberbühler. "Mit anderen Worten: Kultur half ihnen, mit einem neuen Problem umzugehen."

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Literatur
Luncz LV et al (2012) Evidence for Cultural Differences between Neighboring Chimpanzee Communities. Curr Biol 22: 922 - 926
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