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Alle immer überall online - der Trend geht zur vollständigen Vernetzheit
Daten können im Netz nie ganz sicher sein
Das Internet ist dazu da, Information zu verbreiten
"Wenn der Staat auf Festplatten schaut, weil er der Verdacht auf eine Straftat hat, erfährt er wesentlich mehr über den Menschen, als ihn als Staat eigentlich interessieren darf", sagt Prof. Rolf Schwartmann.
"Dann haben Sie das Problem eines Verstoßes gegen die Menschenwürde, denn diese Daten - Persönliches, Bilder, Krankheitsdaten - sind menschenwürderelevant." Für die heimliche Online-Durchsuchung von Computern von Verdächtigen müssen die Beamten des Bundeskriminalamts das Spionageprogramm für den umstrittenen "Bundestrojaner" per E-Mail oder über einen anderen technischen Weg installieren. Die Wohnung des Verdächtigen dürfen sie dazu nicht betreten. Gestrichen wurde zuletzt die Regelung, dass eine Online-Durchsuchung bei "Gefahr im Verzuge" auch ohne richterlichen Beschluss gestartet werden kann.

Seine Daten im Netz zu schützen ist nie möglich, meint der Wissenschaftler von der Kölner Forschungsstelle für Medienrecht. "Menschen, die Daten verfügbar machen wollen, sind immer schneller, als der Gesetzgeber es sein kann. Das Internet ist auf extreme Verbreitung ausgelegt."

Wer seine Daten entblößen will, schafft das auch
Junge Frau am Computer Lupe
Kontakte pflegen, ohne sich zu sehen
Der Datenklau beim Internet-Netzwerk SchülerVZ kam für Fachleute nicht überraschend. Das Thema Datenschutz in Netzwerken explodiere derzeit vor allem, weil sich die Gesellschaft dramatisch zu einer "Entblößungsgesellschaft" wandle sagte der Kaiserlauterer Informatiker Prof. Hendrik Speck. Viele Nutzer im Teenager-Alter verlegten ihr soziales Umfeld mehr und mehr ins Internet, seien aber viel zu nachlässig bei der Frage, welche Daten sie preisgeben. Dabei befänden sich die genutzten Plattformen noch weitgehend in den Kinderschuhen. "Die Technologien sind im besten Flegel-Alter." Auch nach der Erfindung des Autos habe es erst nach vielen Jahren erste Verkehrsregeln gegeben, die ein verträgliches Miteinander geregelt hätten, sagte Speck.

Populäre Netzwerke wie die zur Holtzbrinck-Gruppe gehörenden "SchülerVZ" oder "StudiVZ" hätten heute "mehr Daten gesammelt als die Einwohnermeldeämter", sagte Speck. Ein großes Problem sei, dass die Daten zentral gespeichert werden und dass es inzwischen auch international viele Kriminelle gibt, die großes Interesse an solchen Beständen hätten. Auch Datenschutzverantwortliche hätten bei der Erkennung des dahinter stehenden Bedrohungspotenzials bislang "komplett versagt". "Unser Datenschutzrecht ist für solche Verhältnisse noch gar nicht eingerichtet", sagte Speck.

Netzwerk-Profile zeigen meist wahre Identität
Junge Frau am Computer Lupe
"Ich bin, wer ich wirklcih bin"
Die Teilnehmer sozialer Netzwerke wie "StudiVZ" oder "Facebook" verleihen mit ihren Profilen meist der eigenen Persönlichkeit Ausdruck und schaffen keine geschönte, künstliche Identität. Zu diesem Ergebnis kommt ein Psychologen-Team der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, das in Zusammenarbeit mit deutschen und US-amerikanischen Kollegen 236 Nutzerprofile untersucht hat. "Die Ergebnisse haben uns selbst überrascht, weil sie der weit verbreiteten Meinung widersprechen, dass Online-Profile nur dazu verwendet werden, ein Ideal der eigenen Person zu präsentieren", erläuterte Teammitglied Mitja Back vom Psychologischen Institut der Universität. "Online-Profile vermitteln tatsächlich ein sehr genaues Bild der Profilinhaber."

Die Persönlichkeit spiegele sich wie in vielen anderen Dingen auch im Online-Profil wieder, erklärte Back. Die Ergebnisse der Untersuchung sprächen dafür, dass sich die Profile wegen der Vielzahl an persönlichen Informationen besonders gut dafür eigneten, die Persönlichkeit auszudrücken. Deshalb verwundere es nicht, dass sich soziale Netzwerke solcher Beliebtheit erfreuten. Die Nutzer könnten einander informieren, wer sie sind, und damit dem Bedürfnis nachkommen, wahrgenommen zu werden.

Nach Angaben der Mainzer Hochschule nutzen weltweit mehr als 700 Millionen Menschen Online-Netzwerke zum Kommunizieren und Kontakteknüpfen. Mehr als die Hälfte (58 Prozent) der Internetnutzer in Deutschland ist auf einer der vielen Plattformen aktiv. Das hat der E-Mail-Anbieter "web.de" Anfang 2009 in einer Studie herausgefunden - mittlerweile dürften es noch mehr sein. "Soziale Netzwerke sind für jüngere Menschen mittlerweile zum Hauptkommunikationsmedium geworden", sagt Speck.

Im Superwahljahr 2009 sind die Politiker ihren Wählern ins Netz gefolgt. Abgeordnete und Parteizentralen buhlen mit 140 Zeichen langen Twitter-Meldungen um die Gunst der Wähler. Kanzlerin Merkel hat bei StudiVZ 73.500 Anhänger. Und auch immer mehr Unternehmen haben die Meinungsmacht der Netzwerke erkannt und geben sich mit Tweets und Profilen nahbar.

Deutsche klicken gern auf Google und "YouTube"
Keine Internetseite wird in Deutschland häufiger aufgerufen als die der Internet-Suchmaschine Google. Damit liegen die Deutschen im europaweiten Trend, wie die EU-Kommission in Brüssel berichtete. Einzig die Tschechen fallen aus dem Rahmen: Sie klicken bevorzugt ihre heimische Suchmaschine Seznam an. Im deutschen Ranking folgt hinter den beiden Angeboten "google.de" und "google.com" die Videoplattform "YouTube". Sehr beliebt sind auch das Online-Auktionshaus Ebay und das interaktive Wörterbuch Wikipedia.

Die Sozialplattform Facebook, die in vielen anderen EU-Ländern hoch im Kurs steht, findet sich dagegen nicht in den deutschen Top 5. Auch das Angebot "Windows Live" ist in Deutschland nicht unter den meistbesuchten Seiten. "Bemerkenswert ist, dass die europäische Beliebtestenskala von US-amerikanischen Firmen dominiert ist, während etwa in China die drei populärsten Seiten chinesisch sind", so die EU-Experten.

In ihrer Studie zur "Digitalen Wettbewerbsfähigkeit" stellt die Kommission außerdem fest, dass die beliebteste Online-Aktivität der Europäer das Suchen nach Informationen ist. Dahinter folgen das Ansehen von Gratis-Videos und der virtuelle Kontakt mit Freunden.

Aus- und Rückblick
Zehn Jahre nano - zehn Felder der Wissenschaft
Die Reihe "Wissenschaft im 10er-Pack" zum zehnjährigen Bestehen von nano greift zehn Wissenschaftsthemen heraus, die seit zehn Jahren von Interesse sind. nano zeigt den wissenschaftlichen Fortschritt.
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