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Die Themen der Sendung
23. Oktober 2014
Nachgestellte Szene © colourbox Video
Junge Mütter in einer Notsituation erhalten eine Alternative zur Babyklappe
Anonym und doch im Krankenhaus
Deutschland lässt die "vertrauliche Geburt" zu
Ab dem 1. Mai 2014 können Frauen in Deutschland ihr Baby in einem Krankenhaus zur Welt bringen und dabei trotzdem anonym bleiben.
Das soll mit Fachberatungsstellen zur vertraulichen Geburt geschehen, die über eine bundesweite Hotline erreichbar sein werden. Die Rechte des Kindes, die Rechte des Vaters ebenso wie die Rechte der Frau sind neben Fragen zum Ablauf einer vertraulichen Geburt Gegenstand dieser vorgeschalteten Beratung. Anschließend legt die werdende Mutter fest, dass ihre Daten erfasst, aber in einem Umschlag versiegelt werden. Auf diesem Kuvert sollen nur ihr Pseudonym aus Vor- und Zuname, Name und Geburtsdatum des Kindes sowie Angaben zur Beratungsstelle stehen. Die Umschläge werden beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben deponiert und ruhen dort in der Regel für 16 Jahre.

Steht fest, dass das Kind vertraulich zur Welt kommen wird, informiert die Beratungsstelle vorab das zuständige Jugendamt, das die Inobhutnahme des Babys vorbereiten kann. Zudem kann später beim amtlichen Eintrag des Vor- und Familiennamens für das Kind auf die Wünsche der Mutter eingegangen werden. Nach der Geburt unterrichtet das Krankenhaus oder die Hebamme die Beratungsstelle über Geburtsdatum und -ort des Kindes.

Falls sich die Mutter doch noch für ein Leben mit ihrem Kind entscheidet, kann sie bis zum Adoptionsbeschluss ihr Kind zurückerhalten, wenn sie die für den Geburtseintrag erforderlichen Angaben macht und das Kindeswohl nicht gefährdet wird. Dazu bliebe nach der Geburt etwa ein Jahr Zeit. Wenn die Mutter nach Ablauf der 16-Jahres-Frist doch verhindern will, dass das Kind seine Herkunft erfährt, muss ein Familiengericht entscheiden, ob die Gründe der Mutter stichhaltig sind.

Babyklappen sind eine Spur zu anonym
Der Deutsche Ethikrat hatte die Bundesregierung bereits 2009 aufgefordert, nach einer Lösung zu suchen: "Die vorhandenen Babyklappen und bisherigen Angebote zur anonymen Geburt sollten aufgegeben werden." In Deutschland werden jedes Jahr 100 Kinder in Babyklappen abgelegt. "Sie berauben Kinder ihres Rechts auf Kenntnis ihrer Herkunft", sagt Bernd Wacker von "Terre des Hommes". "Kinder, die dort abgelegt werden, haben keine Chance mehr zu erfahren, wer ihre Eltern sind."

In der Schweiz gibt es bislang nur zwei Babyklappen - in Einsiedeln und Davos. In Österreich existieren in verschiedenen Städten Babyklappen, auch Babynester genannt. Daneben können Frauen ihr Kind in allen Spitälern anonym zur Welt bringen: In Österreich gibt es seit 2001 einen Erlass, der diese Angebote legalisiert hat.

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VideoVerbleib (un)bekannt
Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) unternimmt einen neuen Anlauf, Babyklappen und anonyme Geburt aus der Grauzone zu holen und gesetzlich zu regeln. (Beitrag vom 18. Januar 2013)
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