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Mann mit Kindern © dpa Video
Mann als Tagespfleger - ein seltener Anblick. (Beitrag vom 30. März 2016)
Zementiertes Männerbild
Männer haben Rollenbilder stärker verinnerlicht
Männer wählen nur selten einen typischen "Frauenberuf" wie Erzieher. "Junge Männer haben große Sorge, ihr Männerbild zu verlassen", sagt der Jugendforscher Klaus Hurrelmann.
Während unter den jungen Frauen nur 20 Prozent dem traditionellen Rollenbild folgen, sind es bei den Männern 60 Prozent. "Die jungen Männer sind anfälliger für Klischees", so Hurrelmann. Sie fürchteten vor allem, unter Gleichaltrigen als "unmännlich" zu gelten. Außerdem sei die traditionelle Vorstellung, später als Mann die Familie ernähren zu müssen, noch weit verbreitet. Daher orientierten Männer sich bei der Berufswahl stärker als Frauen am Gehalt.

Nur langsam steigt der Anteil männlicher Erzieher
Die Initiative des Familienministeriums gemeinsam mit dem Europäischen Sozialfonds (ESF) "Mehr Männer in Kitas" lief Ende 2013 aus. Es sind mehr Männer in Kitas beschäftigt als zu Beginn des Projektes. Doch die absoluten Zahlen sind weiter niedrig. 2010, zum Start der Initiative, waren deutschlandweit 377.000 pädagogische Fachkräfte in Kitas beschäftigt, 10.000 davon waren männlich (Anteil: 2,65 Prozent). 2012 war die Zahl auf bundesweit gut 13.000 Männer gestiegen. Das entspricht 3,17 Prozent, auch wenn es regional große Unterschiede gibt.

Mehr als drei Jahre lang wurde in 16 Modellprojekten in 13 Bundesländern für mehr Männer in Kitas geworben. Kitas haben sich beispielsweise auf Berufsmessen und Schulen vorgestellt, ihre Türen für Schülerpraktikanten geöffnet und neue Ausbildungswege eröffnet. Problematisch sei das schlechte Image des Erzieherberufs, sagen die Koordinatoren der Modellprojekte. Eine niedrige Bezahlung, Vorurteile und schlechte Möglichkeiten zum Quereinstieg machten den Beruf unattraktiv.

Laut Jens Krabel von der bundesweiten Koordinationsstelle habe sich während des Projektes außerdem herausgestellt, dass Männer sich teilweise mit dem pauschalen Verdacht konfrontiert sehen, potenzielle Missbrauchstäter zu sein. Manche Erzieher trauten sich kaum, ein Kind auf den Schoß zu nehmen - aus Angst, in Verdacht zu geraten, bestätigt Peter Grundler, der die Modellprojekte in Nürnberg koordinierte. Nun gibt es zahlreiche Broschüren, die erklären, wie ein Erzieher oder seine Kollegen sich verhalten können, wenn ein Verdacht besteht. Das Thema müsse weiter mit Eltern, Kollegen und Kindern besprochen werden.

Aber: Vielerorts sind Arbeitskreise für männliche Erzieher, Väterstammtische und andere Netzwerke zum Austausch zwischen Männern entstanden, die auch nach dem Ende des Projektes bestehen bleiben. Die Modellprojekte haben wichtige Impulse für die Arbeit von Männern in Kitas geliefert, da sind sich die Beteiligten einig, doch es bleibt viel zu tun. Dorothea Herweg, Projektleiterin im Diözesan-Caritasverband Köln, sagte: "Veränderungsprozesse brauchen einen langen Atem, aber letztlich führen auch kleine Schritte zum Ziel".

Mediathek
VideoUnterstützung für eine bestimmte Zeit
Das Projekt "Rent a Teacherman" der Uni Bremen vermittelt männliche Lehramtsstudenten an Grundschulen, an denen nur Frauen arbeiten. (Beitrag vom 6. Juni 2014)
Mediathek: Genderfrage
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Im Stockholmer Kindergarten "Egalia" versuchen die Erzieher, alle Kinder gleich zu behandeln - ganz ohne Geschlechterstereotype. Die Plätze dort sind begehrt.
Frauen- und Männerberufe
Typisch!
60 Prozent aller in Westdeutschland beschäftigten Frauen arbeiten in typischen Frauenberufen, Männer sogar zu zwei Dritteln in Männerberufen.
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Die Frage, wie unterschiedlich Mann und Frau sind, ist in der Wissenschaft heiß umstritten. Wer sich ein Bild machen möchte, sollte daher auch unterschiedliche Stimmen hören.