Forscher im Labor Video
Es müssen nicht immer Tierversuche sein, sagen immer mehr Wissenschaftler
Unattraktive Alternative
Kaum Anreiz für Forscher, Tierversuche zu ersetzen
Für viele Forscher sei es nicht attraktiv, Alternativen zu Tierversuchen zu entwickeln, meint der Biologe Roman Kolar.
"Da geht es nicht so sehr darum, neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu erzielen, sondern ein bestimmtes Verfahren bis zur Praxisreife zu bringen", so der Forscher von der Münchner "Akademie für Tierschutz. "Dafür gibt es relativ wenige wissenschaftliche Anreize und die Fördersituation ist auch nicht optimal, so dass wir versucht haben, hier eine Lücke zu füllen." Er züchtet menschliche Augenhornhaut-Zellen, um an ihnen Stoffe auf ihre Giftigkeit zu testen.

Die Akzeptanz fehle auch bei den Behörden, meint Biologe Prof. Toni Lindl vom "Institut für angewandte Zellkultur": "Wie heißt es schön auf gut Bayerisch: Des hamma scho imma so g'macht!" Nur bei 0,3 Prozent der Studien, die der Münchner Biologe Prof. Toni Lindl untersucht hat, waren die Ergebnisse aus Tierversuchen überhaupt auf den Menschen übertragbar - und keine davon hat bisher zu einer Therapie geführt. Versuche an Ratten geben "keine Aussage darüber, wie es beim Menschen ist", meint Dr. Dieter Runge von der Firma "Primacyt".

Tierschützer: "Es fehlt der politische Wille"
"Wir leben im Zeitalter von Raumfahrt und Mikrochips und setzen in der Toxikologie immer noch auf Tierversuche, eine 200 Jahre alte Methode", sagt Dr. Corinna Gericke von "Ärzte gegen Tierversuche e.V.". Das Tragische sei, dass der politische Wille fehlte, nach Alternativen zu suchen. Tierschützer kritisierten, die Anerkennung von Alternativmethoden dauere zu lange. Dadurch kämen sie bislang kaum zur Anwendung, sagte Christiane Baumgartl-Simons vom Bundesverband Menschen für Tierrechte. Auch werde so das von der EU beschlossene Verbot von Tierversuchen für Kosmetik ab 2009 unterhöhlt. Es könne möglicherweise nicht umgesetzt werden, wenn zu wenige Ersatzverfahren bereitstünden.

"Mit meinem Test kann ich Mäusen Leid ersparen"
Prof. Hans Bigalke vom toxikologischen Institut der Uni Hannover hat einen Test entwickelt, bei dem Botulinumtoxin (Botox) am Zwerchfell toter Mäuse getestet wird. Bei dem Test müssen auch Mäuse sterben, jedoch wesentlich weniger als beim LD50-Test. LD steht für "letale Dosis" und ist die für ein bestimmtes Lebewesen tödliche Dosis eines bestimmten Stoffes. "Der entscheidende Vorteil ist, dass in unserem Test dem narkotisierten Tier das Zwerchfell aus dem Muskel entnommen wird", sagt Bigalke.
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Ein Modell der Haut anstelle von Tierversuchen
Ein an der Freien Universität Berlin getestes Hautmodell könnte zahlreiche Tierversuche ersetzen: "Für Fototoxizitätstests kann man Meerschweinchen, Mäuse, Nacktmäuse insbesondere und andere Spezies einsetzen: Je nach Protokoll hätte man im Mindestfall 30 Tiere gebraucht, weil man verschiedene Lichtkonzentrationen und verschiedene Substanzkonzentrationen testen muss", schildert Dr. Manfred Liebsch vom Bundesinstitut für Risikoforschung. Hier soll das Modell der Berliner Pharmazie greifen.
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Alternative Methoden sollen Tierversuche ersetzen
Nur bei 0,3 Prozent der Studien, die der Münchner Biologe Prof. Toni Lindl untersucht hat, waren die Ergebnisse aus Tierversuchen überhaupt auf den Menschen übertragbar - und keine davon hat bisher zu einer Therapie geführt. Am Europäischen Zentrum für Validierung alternativer Methoden (ECVAM) hat man nicht nur darum unter Hochdruck gearbeitet, denn durch die europäische Chemikalienverordnung "Reach" mussten 30.000 Chemikalien untersucht werden, auch wenn sie schon lange im Einsatz sind.
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Leber statt Tierversuch
Forscherin hält Gewebe Video
Mit einer künstlichen Leber wollen Forscher die Zahl der Tierversuche verringern
"Unsere künstlichen Organsysteme zielen darauf ab, eine Alternative für Tierversuche zu bieten", sagt Prof. Heike Mertsching.
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Giftstoff-Nachweis
Netz statt Tierversuch
Mit einem Netz aus Nervenzellen weisen Forscher des Leibniz-Instituts für Analytische Wissenschaften Giftstoffe nach.
Testmethode
Wenig Blut genügt
Entgegen der landläufigen Meinung reichen manchmal ein paar Zellen aus, um Tierversuche zu ersetzen. Eine dieser Methoden haben italienische Forscher am "European Centre for the Validation of Alternative Methods" (ECVAM) entwickelt, die auf menschlichem Blut basiert. Mit ihm können in Zukunft Injektionsmittel auf bakterielle Verunreinigungen überprüft werden. Dabei wird ein Mechanismus des menschlichen Immunsystems ausgenutzt: Gelingt es den Fresszellen nicht, Bakterien zu vernichten, senden sie ein biochemisches Alarmsignal aus. Das gelingt auch in vitro, so dass die Reaktion vom Testsystem per Farbindikator nachgewiesen werden kann. Im März 2003 hat die EU-Kommission Testreihen vorgestellt, die mit menschlichen Blutzellen Medikamente auf ihre Fieberwirkung hin testen können.