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Weltraumschrott © Esa, Spacejunk3D, LLC Video
Was hochfliegt, sollte auch runterkommen (Beitrag vom 22. Oktober 2015)
Schweinerei im Weltall
Europäer wollen Müll im Weltraum vermeiden
Statt mühsam nachträglich im Orbit aufzuräumen, wollen Ingenieure der Europäischen Raumfahrtagentur (Esa) lieber Weltraumschrott vermeiden oder sofort "ausputzen".
So könnten ausgediente Satelliten auf eine "Friedhofsbahn" geschossen und abgebrannte Raketenstufen gezielt zum Absturz gebracht werden. "Aber dafür braucht man Sprit", sagt Heiner Klinkrad vom Europäischen Raumfahrtkontrollzentrum (Esoc) in Darmstadt, "und jedes zusätzliche Kilo Last kostet in der Raumfahrt eine Menge Geld".

Nicht zuletzt aus diesem Grund werden die Möglichkeiten, Müll zu vermeiden, längst nicht ausgeschöpft. Aber es scheint noch immer Betreiber zu geben, die ausgediente Satelliten einfach sich selbst überlassen und sich nicht um deren Entsorgung kümmern.

Klinkrad will das allerdings nicht bestätigen: "Ich glaube nicht, dass das heute noch jemand absichtlich macht." Seine Hoffnung liegt in der Tatsache begründet, dass ein zugemüllter Weltraum allen schadet. Diese Einsicht könnte dazu führen, dass der Umweltschutz künftig auch für den Weg zu den Sternen gilt.

Esa plant ein Überwachungsnetz für den Weltraum
Weltraumschrott Video
Zahlreiche Teilchen umkreisen die Erde und gefährden die Raumfahrt
Wissenschaftler der europäischen Raumfahrtagentur (Esa) arbeiten an einem Überwachungsnetz für Müll im All, dem "Space Situational Awareness" (SSA). Sie wollen leistungsstarke Teleskope an drei verschiedenen Orten in der Nähe des Äquators aufstellen. Ein Datenzentrum werde die Sensoren koordinieren, das Überwachungsradar den Raum in zwei Kilometer Höhe überwachen. "Weshalb soll man nicht auch in Europa zu einem solchen weltweiten Netz beitragen", sagt Ralf Dittmann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. "Ich hielte es für eine gute Idee, dass man sich hier nicht nur auf unsere Partner verlässt, sondern, unsern Partnern auch Beiträge und Hinweise gibt und so ein globales Netz zusammen strickt."

Bisher greift die Raumfahrorganisation noch auf die Daten eines US-amerikanischen Überwachungssystems zurück. Doch bei Kollisionskurs eines Objekts mit einem Esa-Satelliten wird eine eigene genaue Messung nötig. Die Forschungsgesellschaft für Angewandte Naturwissenschaften betreibt ein Groß-Radar, das Objekte von zwei Zentimetern Größe 1000 Kilometer entfernt erfassen kann. Das Radar kann kein Überwachungsnetz ersetzen, doch wenn es zwei Tage vor einer möglichen Kollision misst, kann ein Zusammenprall festgestellt werden.

Goldstücke können Kollisionen im All hervorrufen
Weltraumschrott Lupe
Schweizer Forscher fügen dem Müll im All eine neue Quelle hinzu
Schweizer Forscher haben 2009 herausgefunden, dass leichte, dünne Goldstückchen aus Isolationsfolien von Satelliten zu Kollisionen führen können. "Das ist eine neue Quelle von Weltraumschrott-Teilen", sagt der Astronom Dr. Thomas Schildknecht von der Uni Bern. Nach den Berechnungen des Forschers sind 20 Prozent des Schrotts im All reine Goldfolie. "Wir haben im All oben viele Teile entdeckt, die sich merkwürdig verhalten", erklärt Schildknecht. "Die Bahnen haben sich auf eine Art geändert, die wir zuvor noch nie sahen."

Wirke ultraviolette Strahlung (UV), könnten diese Folien abblättern und kleine Stücke freisetzen. "Typisch bei den Folien ist, dass sich die Helligkeit stark ändert", erklärt Schildknecht. "Beim normalen Schrott hingegen bleibt die Helligkeit mehr oder weniger gleich. Folien glitzern, wenn wir sie ein wenig bewegen." Wo sich viele Satelliten befänden, sei höchstwahrscheinlich der meiste Schrott zu finden.

Mit dem Spiegelteleskop der Berner Forscher können sie über der nördlichen Erdhalbkugel auch Himmelskörper erkennen, die 40.000 Kilometer entfernt sind. Die Lichtempfindlichkeit ist eine Million Mal höher als die des menschlichen Auges. "Die Betreiber müssen ihre Satelliten früher und gezielt aus dem Verkehr ziehen und massiv in die Forschung UV-resistenter Isolationsmaterialien investieren", fordert Schildknecht. "Nur so können wir die Zunahme des Schrottrings um die Erde eindämmen. Die Erkenntnis ändere nichts ohne internationale Abkommen", sagte der Astronom, "aber der Anfang ist gemacht".

"Wir werden katastrophale Unfälle erleben"
Der Müll im Weltraum provoziert Unfälle
"Wenn wir nichts tun, werden wir in den kommenden Jahrzehnten einige katastrophale Unfälle erleben", prophezeit Klinkrad. Besteht die Gefahr eines Zusammenstoßes mit einem Satelliten, wird ein Ausweichmanöver geflogen. Envisat und ISS mussten bereits ausweichen - das kostet Zeit und Sprit. "Noch sind solche Manöver die Ausnahme, aber schon bald könnten sie die Regel werden", meint Klinkrad. Niemand könne verhindern, dass Schrott auf Schrott knallt. "Dann werden aus zwei Teilen plötzlich hunderte - und damit wächst die Gefahr neuer Kollisionen", beschreibt der Experte den befürchteten Schneeballeffekt. Helfen könnte ein großer Weltraumstaubsauger, "doch den gibt es höchstens in der Sciencefiction", bedauert Klinkrad.


Zwei Satelliten im Weltall aufeinandergeprallt
Ein US-Kommunikationssatellit und ein stillgelegter russischer Militärsatellit sind im am 10. Februar 2009 im Weltall aufeinandergeprallt und anschließend in hunderte Trümmer zerborsten. Nach Angaben des Deutschen Raumfahrt-Kontrollzentrums in Oberpaffenhofen war es der erste derartige Zwischenfall in der Geschichte der Raumfahrt. Die Wahrscheinlichkeit für einen Zusammenstoß zweier Satelliten sei "extrem gering", sagte Kontrollzentrums-Direktor Felix Huber.

Nach Angaben des russischen Raumfahrtverantwortlichen Alexander Jakuschin prallten der russische Satellit Kosmos 2251 und der US-Kommunikationssatellit Iridium 33 in 800 Kilometern Höhe über der Erde zusammen. Der russische Militärsatellit war 1993 gestartet und schon zwei Jahre später abgeschaltet worden. Seitdem zog er im Weltall seine Kreise.

Glossar
Weltraumschrott
Fachleute schätzen, dass inzwischen mehr als 100.000 Schrottteile um den Planeten kreisen, die meisten von ihnen sind nicht größer als irdische Kieselsteine.
Umweltsatellit auf Abwegen
"Envisat" wird zum Weltraumschrott
Der Erdbeobachtungssatellit "Envisat" steht nach einem Totalausfall der Kommunikationssysteme möglicherweise vor dem Aus.
Mediathek
VideoDie USA wollen im Weltraum aufräumen
Das US-Verteidigungsministerium arbeitet an einer Robotertechnik, die zukünftig Satelliten im Weltall reparieren oder recyceln soll. (Beitrag vom 6. Februar 2013)
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VideoMüllabfuhr im Weltall
Um Weltraumschrott aus der Erdumlaufbahn zu holen, hat die japanische Kagawa Universität mit der Japanischen Weltraumagentur (Jaxa) einen Satelliten entwickelt. (Beitrag vom 3. Februar 2014)
ISS
Gefährlicher Müll
Wegen einer akuten Bedrohung durch Weltraumschrott hat sich die Besatzung der Internationalen Raumstation (ISS) 2011 kurz in Sicherheit bringen müssen.
Mediathek: Weltraummüll
Die USA wollen im Weltraum aufräumen
Das US-Verteidigungsministerium arbeitet an einer Robotertechnik, die zukünftig Satelliten im Weltall reparieren oder recyceln soll.
Mediathek
VideoSchweizer Physiker und Ingenieure haben den Minisatelliten "Clean Space One" entwickelt, der Weltraumschrott entsorgen soll. Allerdings verglüht er mit seiner Fracht in der Atmosphäre. (Beitrag vom 22. April 2013)