Kamerawagen Video
So sieht die Überwachung heute aus: Googles "Street View" sammelt Daten
"Street View" startet
Virtueller Gang durch 20 deutsche Städte möglich
Trotz anhaltender Kritik will der Internetkonzern Google bis Ende 2010 seinen Kartendienst "Street View" auch in Deutschland starten.
Das Angebot mit der lückenlosen Darstellung von Straßenzügen und Häusern wird zunächst für 20 Städte zwischen München und Hamburg eingeführt, wie das Unternehmen mitteilte. Mieter und Hausbesitzer sollen vorher mit einem Online-Formular die Gelegenheit bekommen, ihr Gebäude unkenntlich zu machen.

Neben dem Online-Widerspruch kann man auch mit einem Brief Einspruch gegen die Veröffentlichung der Aufnahmen einlegen. Das Bild des entsprechenden Gebäudes wird dann nach Angaben von Google mit einer "Blurring"-Technik unkenntlich gemacht, so dass es nur noch schemenhaft zu sehen ist. Die Möglichkeit zum Widerspruch bereits vor Veröffentlichung der Aufnahmen gehört zu einem 13-Punkte-Plan, den Google mit Datenschützern vereinbart hat. Die Bearbeitung der Widersprüche werde einige Wochen in Anspruch nehmen, sagte Google-Sprecherin Lena Wagner. Danach werde das Angebot online gestellt. "Wir hoffen, dass dies im November 2010 der Fall sein wird."

Kein Kredit mehr wegen "Google Street View"
Virtuelle Stadtrundgänge sollen mit "Sreet View" möglich werden.
"Jeder, der einen Kredit vergeben soll, kann sich mein Haus aufrufen und ich als Betroffener weiß davon nichts", befürchtet Bettina Sokol. "Das kann einen Einfluss darauf haben, ob meine Adresse gut oder schlecht bewertet ist", sagt die Landesbeauftragte für Datenschutz in Nordrhein-Westfalen."Google Street View" mache Geoscoring zu einfach. In den USA oder anderen Ländern habe es keine vergleichbare Diskussion um den Datenschutz gegeben wie in Deutschland, sagt Stefan Keuchel von Google. Google Street View wurde im Mai 2007 mit vier Städten in den USA gestartet, inzwischen kann man dort mehr als 40 Städte aus der Straßenperspektive erkunden. Nach den USA folgten Australien und Japan.


"Von der Kamerahöhe in die Schlafzimmer gucken"
Street-View-Bild
Lückenlose Erfassung nicht auf Augenhöhe
Der möglichst lückenlose Blick auf die Hausfassaden in vier Metern Höhe stößt allerdings auf teilweise massive Kritik. "Von dieser Kamerahöhe aus gucken Sie bis in die Schlafzimmer", sagt der stellvertretende Bürgermeister von Molfsee, Reinhold Harwart. "Da hört für mich der Spaß auf." Das eigene Wohnumfeld müsse datengeschützt bleiben. Wenn diese Aufnahmen erst einmal weltweit verfügbar seien, könne jeder Kriminelle "mit dem Laptop auf den Knien auskundschaften, wo er seinen nächsten Bruch macht". Ausgehend von der 5000-Seelen-Gemeinde bei Kiel ist der Unmut über Google Street View auch bei professionellen Datenschützern auf Resonanz gestoßen.


Deutschland ist mehrere Terabyte groß
Mann liegt auf Straße
Satellitendaten können peinlich werden
Die "Street View Cars" von Google nahmen in jeder Stadt mehrere zehntausend Aufnahmen in einer 360-Grad-Rundumsicht auf und versahen diese mit Geodaten, also den genauen Längen- und Breitengraden. Die in Deutschland erstellten Fotos haben nach Angaben von Google-Sprecher Keuchel einen Datenumfang von mehreren Terabyte. "Diese Bilder werden dann zu einem riesigen Städtepuzzle zusammengefügt", erklärt Keuchel. Die dabei verwendete, von Google selbst entwickelte Anwendung sorgt dafür, dass Gesichter und Autokennzeichen "verpixelt", also unkenntlich gemacht werden. Zoomt man sich in den Google Maps in Städte mit einer Street-View-Ansicht, erscheint eine entsprechende Schaltfläche auf der Webseite.


Infografik
LupeIn diesen 20 deutschen Städten soll "Sreet View" Ende 2010 starten.
Glossar
"Google Street View"
"Street View" soll einen Blick auf ganze Straßenzüge erlauben. Die Funktion ergänzt den Kartendienst "Google Maps".
"Street View"
Viele bleiben skeptisch
Für den Straßenatlas "Google Street View" fotografiert das Unternehmen Straßenzüge und stellt sie in seinem Kartendienst "Google Maps" online. (Bericht vom 20. September 2010)
Info
Schweizer Datenschützer klagen gegen Google Street View
Der Suchmaschinen-Gigant Google muss sich in der Schweiz wegen Bedenken von Datenschützern am Straßenfoto-Dienst "Street View" vor Gericht verantworten. Der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte Hanspeter Thür erklärte, er wolle gegen Google vor das Schweizer Bundesverwaltungsgericht ziehen. Der Suchmaschinen-Riese habe von Thür geforderte Verbesserungen zum Schutz der Privatsphäre der Schweizer "in weiten Teilen abgelehnt". Deshalb klage der Datenschutzbeauftragte jetzt vor dem Bundesverwaltungsgericht.
Schwerpunkt
Der bekannte Mensch: Formen der Überwachung