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Das Bundesamt für Strahlenschutz untersucht, ob Asse geräumt werden kann
Endlager-Desaster Asse
Gefahren eines Wasserbruchs schon lange bekannt
"Die Asse ist ein Lexikon, wie man Endlagerung nicht machen darf", sagt Werner Nording vom Bundesamt für Strahlenschutz. Die Öffentlichkeit sei über die Gefahren getäuscht worden.
So sei die Gefahr des Wassereinbruchs schon Ende der 1960er bekannt gewesen. Das ehemalige Salzbergwerk wurde damals zum "Forschungsbergwerk" erklärt, es sei aber fraglich, ob dort jemals ernsthaft geforscht wurde. "Ein Forschungsbergwerk impliziert, dass man die Abfälle, wenn man die Forschung beendet hat, die angeblichen Forschungen, auch wieder rausgeholt werden. Das ist aber gar nicht intendiert gewesen, wie man heute weiß", so Nording.

Angesichts des Wassers im maroden Atommüllendlager Asse sieht sich auch der frühere Bundesforschungsminister Volker Hauff (SPD) als Opfer einer Täuschung. "Mir und auch meinen Amtsvorgängern ist die Unwahrheit gesagt worden", zitierte das Bundesamt für Strahlenschutz in Salzgitter Hauff in einer Mitteilung vom Mai 2012. Es habe zwar schon 1964 Schriftstücke gegeben, die einen Wassereinbruch in die Asse nicht ausgeschlossen hätten. 1972 sei ihm aber noch als Parlamentarischem Staatssekretär im Bundesforschungsministerium versichert worden, dass ein solches Szenario mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auszuschließen sei, legte Hauff dar.

"Wir alle sind falschen Erwartungen erlegen", sagte der Politiker mit Blick auf die Einlagerung von Atomabfällen in die Asse in den Jahren 1967 bis 1978. Erst 2007 sei ihm angesichts von Presseberichten das Ausmaß der Probleme in der Schachtanlage klar geworden. Die Erkenntnisse über die Asse müssten an die Öffentlichkeit gebracht werden, sagte Hauff laut dem Bundesamt. Es habe ihn "schon immer gestört, wie wenig deutsche Wissenschaftler bereit sind, über ihre Verstrickung in Fehlentwicklungen zu reden".

In den 1970ern warnte ein Ingenieur erneut
Nach Recherchen des ZDF-Magazins "Frontal21" habe der Wasserbauingenieur Hans-Helge Jürgens 1978 eine Studie vorgelegt, die die Gefahren eines Wasserbruchs öffentlich gemacht habe. 1979 sagte er dem NDR: "Wenn sich die Kammerhohlräume in diesem Gebiet zu sehr verformten, Wasser hereinbrechen ließen und das Wasser käme mit dem Atommüll in den unteren Sohlen in Berührung, dann gefährdeten Auslaugung und Fließvorgänge den Grundwasserhorizont."


  • 1967 schreibt die Gesellschaft für Strahlenforschung in einer Gefahrenanalyse: "Der geologische Aufbau des Assesattels … [lässt] ... keinen Wasser- oder Laugeneinbruch von außen befürchten."
  • 1972 verspricht der Wissenschaftsminister Klaus von Dohnanyi im Bundestag: "Eine Kontamination des Grundwassers ... durch radioaktive Stoffe ist ebenfalls ausgeschlossen."
  • 1976 zitiert das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" Asse-Ingenieur Egon Albrecht: "Wir haben hier das einzige funktionierende Endlager der gesamten westlichen Welt."
  • 1989 heißt es in einer Studie der Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung: "dass ein Wasserzutritt in das Salzbergwerk Asse im höchsten Maß unwahrscheinlich" ist.


Glossar
Asse II
Das "Versuchsendlager" Asse II bei Wolfenbüttel in Niedersachsen wurde 1967 als erstes unterirdisches Atomlager weltweit eröffnet.
Atommüll sicher verwahren
Die schwierige Suche nach dem Endlager
Ein Endlager für Atommüll muss eine Million Jahre lang halten. So sicher kann kein menschliches Bauwerk sein, der Müll muss unter die Erde.
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