ATV startet © dpa Video
Am 23. März ging die dritte Generation des ATV in Betrieb, der "Edoardo Amaldi"
Zahnpasta für die ISS
Zukunft von Europas Raumfrachter ungewiss
Die Astronauten auf der Internationalen Raumstation (ISS) warten schon gespannt auf die Ankunft des europäischen Raumtransporters "Edoardo Amaldi".
Der ATV soll frische Kleidung, Post und Zahnpasta bringen. Für den Frachter ist es ein Abschied auf Raten: Bis 2014 sind noch zwei weitere Versorgungsflüge geplant. Dann will die europäische Weltraumagentur (Esa) ihr technisches Wunderwerk schon stilllegen.

Esa will Weiterentwicklung statt Serienproduktion
Angesichts der hohen Entwicklungskosten mag es wirtschaftlich wenig sinnvoll scheinen, ein erprobtes System nach so kurzer Zeit aufzugeben - zumal die beteiligten Nationen die Laufzeit der ISS gerade bis 2020 verlängert haben. Doch die Esa denkt schon einen Schritt weiter: Ihr gehe es nicht um die Serienproduktion, sondern um die Weiterentwicklung des ATV, sagt der Vorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, Johann-Dietrich Wörner. "2012 wird das Jahr der Weichenstellung." Zurzeit lässt die Esa in Studien erarbeiten, wie ein europäisches Raumfahrzeug der Zukunft aussehen könnte. Eine Entscheidung soll auf dem Ministerrat im November in Italien fallen.

Zwei Optionen stehen dabei im Fokus, wie der Esa-Direktor für bemannte Raumfahrt, Thomas Reiter, erläutert. Die erste Option sieht eine Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa vor, die derzeit eine Raumfähre für Flüge außerhalb des erdnahen Orbits entwickelt. "Die Nasa baut die Kapsel, in der sich die Astronauten befinden. Diese sitzt auf einem Servicemodul, das auf der ATV-Technologie basiert", erläutert Reiter.

Ein anderes Konzept sieht vor, den europäischen Raumtransporter so weiterzuentwickeln, dass er flexibel eingesetzt werden kann - als Versorgungsschiff, unbemannte Forschungsplattform oder Transporter für Satelliten. Die EADS-Raumfahrttochter Atrium hat ATV im Auftrag der Esa entwickelt und baut alle fünf Modelle am Standort in Bremen. "Es ist wichtig, weiterhin über die ISS nachzudenken, aber auch darüber hinaus", erklärt der für die Raumstation zuständige Astrium-Direktor, Michael Menking. Dabei hat er vor allem Missionen zum Mond und Mars im Blick.

Esa verschob den Start um zwei Wochen
Doch zunächst gilt es, den nach dem italienischen Physiker Amaldi benannten Raumfrachter ins All zu bringen. Eigentlich sollte er schon Anfang März 2012 vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana abheben. Doch die Esa verschob den Start um zwei Wochen, nachdem eine Kontrolle im Laderaum ergeben hatte, dass zwei Sicherungsgurte nicht richtig befestigt waren.

Die Astronauten auf der ISS warten bereits gespannt auf die Ankunft des Nachschubs. Neben einem neuen Ventilator für das Forschungslabor "Columbus" und einer Anlage für biologische Experimente werden auch Briefe für die sechs Besatzungsmitglieder und Zahnpasta in verschiedenen Geschmacksrichtungen an Bord sein.

Versorgungsengpässe muss die Crew auch nach dem Start des letzten europäischen Transporters in zwei Jahren nicht fürchten: Im Laufe des Jahres sollen nach Angaben von Reiter zwei private Anbieter aus den USA ihre Kapseln auf Testflüge zur ISS schicken, zunächst mit nur wenig Fracht an Bord. Wenn alles klappt, sollen sie die Raumstation von 2013 an regelmäßig voll ausgelastet anfliegen.

Die unbemannte Kapsel von der Größe eines Doppeldeckerbusses kann vollautomatisch an die Raumstation andocken. Mit siebeneinhalb Tonnen Nutzlast kann ATV mehr transportieren als bisher.

Glossar
"Automated Transport Vehicle" (ATV)
Die Raumfähre "Automated Transport Vehicle" (ATV) ist der erste unbemannte und vollautomatische Weltraumtransporter.
Glossar
ISS - Die Erde im All
Die Internationale Weltraumstation (ISS) ist laut Nasa "das komplexeste wissenschaftliche und technische Unternehmen aller Zeiten".
Mediathek
VideoNachschub ins Weltall
Die Europäische Raumfahrtagentur (ESA) will die Raumtransporter ATV kontinuiertlich weiterentwickeln. ATV3 Edoardo Amaldi soll im Frühjahr 2012 in den Weltraum starten.