2016 mussten die "Schlangenbader Gespräche" umziehen, neuer Tagungsort der jährlichen deutsch-russischen Konferenz ist jetzt Darmstadt-Kranichstein. Der Titel "Schlangenbader Gespräche" bleibt aber erhalten. © Eva Schmidt
2016 mussten die "Schlangenbader Gespräche" umziehen, neuer Tagungsort der jährlichen deutsch-russischen Konferenz ist jetzt Darmstadt-Kranichstein. Der Titel "Schlangenbader Gespräche" bleibt aber erhalten.
2016 mussten die "Schlangenbader Gespräche" umziehen, neuer Tagungsort der jährlichen deutsch-russischen Konferenz ist jetzt Darmstadt-Kranichstein. Der Titel "Schlangenbader Gespräche" bleibt aber erhalten.
Paartherapie
Deutsch-russische Beziehungen
Lockerungsübungen im deutsch-russischen Schützengraben. makro-Moderatorin Eva Schmidt hat an den "Schlangenbader Gesprächen" teilgenommen. Und einen Dialog erlebt, der wieder konstruktiver wird.
Es ist wieder ein Puls zu spüren. Nach den Jahren 2014 bis 2016, in denen Eiszeit herrschte in den "Schlangenbader Gesprächen", lockerte sich nun die Gesprächsatmosphäre. Auch wenn die russische Seite die Konferenz mit Argumenten begann, die seit Jahren die gleichen sind.

Russland habe den größten Beitrag geleistet zur Bewältigung des Kalten Krieges. Moskau habe nach 1990 seine Truppen abgezogen aus Deutschland und Mittelosteuropa, im Gegenzug habe aber die NATO ihr Einflussgebiet erweitert und damit das Vakuum "erobert". In Montenegro sei aktuell die Fortsetzung dieser westlichen Politik erkennbar, so der Vorwurf der russischen Gesprächsteilnehmer.

Zur Erläuterung: In Montenegro hat das Parlament kürzlich für den Beitritt des Landes zur Nato gestimmt. Weil aber Russland den Balkanstaat zu seinem Einflussgebiet zählt, stellt der Beitritt erneut eine schwere Belastung in den Beziehungen dar.

Alte Reflexe
Der Westen müsse endlich aufhören, hieß es weiter in den "Schlangenbader Gesprächen", die NATO als harmlosen "Briefmarkensammlerclub" darzustellen. Die NATO sei ein Relikt des Kalten Krieges.

Ein Teilnehmer der russischen Seite glaubte sogar Parallelen zum Russischen Bürgerkrieg zu erkennen, als nach der Oktoberrevolution u.a. auch Truppen der Entente in den Konflikt eingriffen. Etwas mehr der Gegenwart zugewandt war der Vorwurf, wieder einmal sei kein einziger Vertreter der NATO zur Sicherheitskonferenz nach Moskau gereist, die kurz vor den "Schlangenbader Gesprächen" stattfand.

Ähnlich erwartbar wie die Klagen der russischen Seite waren die zum Teil reflexhaften Reaktionen deutscher Teilnehmer: Solange negiert werde, dass russische Truppen in der Ostukraine seien, könne es keinen Dialog geben zwischen der NATO und Russland.

Wie Russland einbinden?
Alle Jahre wieder. Die Vorwürfe sind immer die gleichen. Kaum zu glauben, dass in den Anfangsjahren der "Schlangenbader Gespräche" sogar noch über einen Beitritt Russlands zur EU gesprochen wurde. Der atmosphärische Tiefpunkt der Gespräche war allerdings nach dem Georgien-Krieg 2008. Und natürlich nach den Majdan-Protesten 2014.

Woraus lässt sich jetzt Hoffnung schöpfen, dass in die deutsch-russischen Beziehungen wieder Leben einkehrt? In den deutschen Thinktanks hat ein Umdenken eingesetzt: Was hat der Westen zu dem schlechten Verhältnis zu Russland beigetragen? Der Wille ist da, die rückwärtsgewandte Diskussion zu beenden. Weg von der Doktrin, keine gesichtswahrenden Maßnahmen gegenüber Putin zu unterstützen. Die EU-Osterweiterung, so die Einsicht in der Wissenschaft, könne nicht so weiterlaufen wie bisher, indem Russland außen vor bleibe.

Wie schon in den Vorjahren herrschte weitgehende Einigkeit in dem Punkt, die Tätigkeit des NATO-Russland-Rat wiederzubeleben. Schon alleine deshalb, weil - wie ein Teilnehmer von deutscher Seite kommentierte - "das Potential für Missverständnisse und militärische Zwischenfälle noch nie so hoch wie heute."

Schlangenbader Gespräche
Die "Schlangenbader Gespräche" sind eine deutsch-russische Tagung zu außen- und sicherheitspolitischen Fragen, die sich in diesem Frühjahr zum 20. Mal jährte. An den Gesprächen nehmen etwa 50 Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Militär und Journalismus teil. Weil die Gespräche intern sind, kann Klartext geredet werden.

Veranstalter sind die Friedrich-Ebert-Stiftung und das Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Institut für Weltwirtschaft und Internationale Beziehungen der Russischen Akademie der Wissenschaften (IMEMO).
Schlangenbad 2016
Es geht um Werte
Russland sucht keinen Schulterschluss mehr mit den europäischen Partnern. Von eigenen Werten ist die Rede, von Souveränität um jeden Preis. Man lebt nebeneinander her. makro-Moderatorin Eva Schmidt war bei den Schlangenbader Gesprächen.
(makro, 09.05.2016)
Schwerpunkt
Russland