Donald Trump hält den Klimawandel für Blödsinn - und steht damit weltweit auf verlorenem Posten. © reuters
Donald Trump hält den Klimawandel für Blödsinn - und steht damit weltweit auf verlorenem Posten.
Donald Trump hält den Klimawandel für Blödsinn - und steht damit weltweit auf verlorenem Posten.
Trumps Energiewende
Scheitern mit Ansage
Während sich die Welt zur globalen Energiewende verpflichtet, plant Donald Trump seine ganz eigene Energiewende: Er will die Kohle wiederbeleben. Es ist eine Rolle rückwärts, ein Angriff auf die Vernunft. Dieser Angriff wird scheitern.
Für Donald Trump ist der Fall klar: Der Klimawandel ist ein Schwindel, erfunden vom Chinesen ("a hoax created by China"). Folgerichtig will er das Klimaschutzabkommen von Paris, beschlossen im Dezember 2015 und kürzlich rechtsverbindlich in Kraft getreten, aufkündigen. Und zwar innerhalb der ersten 100 Tage seiner Präsidentschaft.

Damit nicht genug. Er möchte Auflagen für heimische Öl- und Gasbohrungen aufheben und die Kohleindustrie wiederbeleben. Und natürlich will er den unter Präsident Obama beschlossenen Clean Power Plan kippen, der die amerikanischen Bundesstaten verpflichtet, den CO2-Ausstoß fossiler Kraftwerke zu senken. Der Clean Power Plan gilt als letzter Sargnagel der amerikanischen Kohlebranche. The Donald means business.

Die Börse irrt
Für den Klimaschutz ist das betrüblich, sehr betrüblich. Ein guter Stimmungsmesser sind hier die Börsen. Die Aktie des Kohleförderers Peabody Energy steht heute rund 65% höher als vor Trumps Wahlsieg, andere Vertreter der weitgehend insolventen Branche freuen sich über einen vergleichbaren Kurssprung. Der größte Windkraftanlagenbauer Vestas hat hingegen 15% verloren, zwischenzeitlich sogar mehr als 20%. Ähnlich erging es Vertretern der Solarbranche wie First Solar oder SunPower.

So weit, so schlecht. Doch bei allem begründeten Pessimismus könnte es passieren, dass der Wahlkämpfer Trump, der sich im postfaktischen Zeitalter bewegt wie ein Fisch im Wasser, als Präsident an die natürliche Grenze des Postfaktischen stößt: die Wirklichkeit. Und da gibt es Hoffnung.

Kohle oder Gas - Es kann nur einen geben
Nehmen wir die Kohle. Amerikanische Kohlekraftwerke werden nicht unrentabel, weil sich - um in Trumps Welt zu bleiben - ein paar Ökos eine Solaranlage aufs Dach schrauben oder die liberale Elite einen Kreuzzug gegen die Kohle führt, sondern weil das in Massen per Fracking geförderte, billige Erdgas die Kohle schlicht aus dem Markt drängt.

Gas ist heute mit im Schnitt gut 5 Cent pro kWh der billigste fossile Energieträger in den USA. Sollte Trump sein Versprechen wahr machen und das Bohren nach Erdgas (und Öl) durch weniger Auflagen erleichtern, wird er das Aus der Kohle nur noch beschleunigen. Die von ihm gleichsam versprochene Renaissance der Kohle ist schlicht unmöglich.

Das von Trump angekündigte Einstampfen des Clean Power Plans würde den Betreibern der Kohlekraftwerke von regulatorischer Seite zwar etwas Zeit verschaffen. Die Anlagen würden tendenziell länger am Netz bleiben. An den letztlich ausschlaggebenden ökonomischen Realitäten ändert dies jedoch nichts.

Förderung ist Ländersache
Falls Trump beabsichtigt, generell den Terminator für die Förderung erneuerbarer Energien zu geben, wird er viel über Zuständigkeiten lernen. Die US-weite steuerliche Förderung (production tax credit, investment tax credit) von Wind, Sonne, Wasser und Geothermie wurde 2005 unter Präsident Bush beschlossen und Ende 2015 mit überparteilicher Mehrheit vom republikanisch dominierten Kongress um fünf Jahre verlängert. Eine Aufhebung des Gesetzes durch den neu gewählten Kongress ist nicht ausgeschlossen, gilt in Washington aber als sehr unwahrscheinlich.

Viele Förderprogramme und Regelungen für Ökostrom sind überdies Ländersache: Vergünstigungen, Einspeisevergütungen, Energiemix, Klimaziele. Kalifornien z.B. hat sich bis 2030 zu 50% erneuerbarem Strom verpflichtet. 2015 lag die Quote bereits bei 26%. Führend bei Windkraft sind ausgerechnet Texas, Kansas und Oklahoma - allesamt republikanisch regiert. Die Photovoltaik-Schwergewichte Arizona, Nevada, New Mexico werden ebenfalls konservativ regiert. Nur Kalifornien ist eine Bastion der Demokraten.

Kapitalisten gegen Trump
Entscheidend für den Erfolg der Energiewende ist am Ende nicht mehr die politische Farbenlehre im Weißen Haus, sondern der Preis. Und der spielt den Erneuerbaren in die Hände. Technologischer Fortschritt, Massenproduktion und Billigkonkurrenz aus dem Reich der Mitte - hier hat der Chinese tatsächlich seine Finger im Spiel - haben die Preise für Photovoltaikmodule purzeln lassen, selbst seit 2013 noch um jährlich 15%.

An günstigen Standorten im Südwesten der USA ist Strom aus Solarkraftwerken schon heute billiger als Kohle - ohne Subventionen (siehe Infografik rechts). Gleiches gilt für Windkraft. Spätestens 2022, schätzen die Statistiker der U.S. Energy Information Administration, werden Wind- und Solarkraftwerke selbst den günstigen Gaskraftwerken landesweit Konkurrenz machen.

Kraftwerksbetreiber werden auch in Zukunft Gewinn machen wollen, da setzt niemand auf ein totes Pferd. Am Ende wird Donald Trump mit einer postfaktischen Energiepolitik die Energiewende eine Weile bremsen können. Aufhalten kann er sie nicht.

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Infografik
© BNEFIn den meisten amerikanischen Bundesstaaten sind die Kosten der Solarstromerzeugung mit Subventionen bereits heute niedriger als bei Kohlestrom. In einigen Staaten ist Solarstrom sogar ohne Subventionen konkurrenzfähig. Die Branchenexperten von Bloomberg New Energy Finance gehen genau wie die Industrie selbst davon aus, dass die Kosten für Photovoltaik in den kommenden Jahren weiter fallen werden.
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(makro, 17.04.2016)
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