Donald Trump hat mit protektionistischen Parolen die US-Präsidenschaftswahl gewonnen. © ap
Interview vom 22. JuliInterview vom 22. Juli
Donald Trump hat mit protektionistischen Parolen die US-Präsidenschaftswahl gewonnen.
Trump am Ziel
Träume und Albträume für Amerikas Wirtschaft
Donald Trump ist angetreten mit dem Versprechen, die Industrieproduktion zurück ins Land zu holen. "Ein aussichtsloses Unterfangen", findet Amerikakenner Prof. Matthias Fifka im Interview mit makro.
Der Ernstfall ist eingetreten. Der nächste US-Präsident, Donald Trump, darf seine Wirtschaftskonzepte am lebenden Objekt ausprobieren. Das bedeutet Gefahr in Verzug, besonders für jene, die ihn gewählt haben.

makro: Die weiße Industriearbeiterschaft im sogenannten Rustbelt ist zu Donald Trump übergelaufen, weil er ihnen versprach, das produzierende Gewerbe zurück nach Amerika zu holen. Wie will er das anstellen?

Matthias Fifka: Diese "working class" ist in der Tat traditionell eine demokratische Wählerschaft, die die Demokraten aber im Laufe der Jahre verloren haben, und Trump hat sie mit einfachen Parolen abgeholt. Es werden aber Parolen bleiben, denn das produzierende Gewerbe wird nicht zurück in die USA kommen - es sei denn, Menschen sind bereit, für fünf Dollar pro Stunde zu arbeiten. Selbst China hat diesbezüglich ja schon Schwierigkeiten, weil die Arbeitskraft dort langsam zu teuer wird. Das ist also ein aussichtsloses Unterfangen.

makro: Die USA sind nach dem Krieg durch freien, globalen Handel reich geworden. Trump hat sich dezidiert gegen Freihandelsabkommen (TPP, TTIP, NAFTA) und für Protektionismus ausgesprochen. Wie stark träfe das die amerikanische Wirtschaft?

Matthias Fifka: Die amerikanische Wirtschaft ist zwar weit weniger exportorientiert als beispielsweise die deutsche - aufgrund des riesigen Binnenmarktes dort. Aber eine "Abkoppelung" von der Weltwirtschaft hätte auch dort fatale Folgen. Unternehmerische Wertschöpfungsketten sind heute einfach global.

Würde Trump Zölle erhöhen und Einfuhrbedingungen erschweren, würden andere Länder mit gleicher Münze zurückzahlen. So würden beispielsweise die Preise in amerikanischen Supermarktregalen stark nach oben gehen. Das will nun auch niemand.

makro: Mexiko ist Amerikas zweitwichtigster Exportmarkt, die USA sind Mexikos wichtigster. Ist Donald Trumps Forderung nach einem 35%igen Einfuhrzoll auf mexikanische Güter überhaupt durchsetzbar, und falls ja - wie wirkt er sich aus.

Matthias Fifka: Dazu müsste der NAFTA-Vertrag aufgekündigt werden, die nordamerikanische Freihandelszone aus USA, Mexiko und Kanada. Das wäre prinzipiell möglich, denn es gibt eine Ausstiegsklausel mit sechsmonatiger Kündigungsfrist. Allerdings würde dann wahrscheinlich eine Klagewelle amerikanischer Unternehmen gegen die Regierung losbrechen.

Viele amerikanische Industriezweige sind auf Vorprodukte aus Mexiko angewiesen. Diese werden momentan sehr günstig in großen Mengen in den sogenannten "Maquiladoras" im grenznahen Gebiet produziert und in die USA exportiert. Ein Zoll, besonders in dieser Höhe, würde die Kosten amerikanischer Unternehmen gigantisch nach oben treiben. Die Hoffnung, dass diese Arbeitsplätze in die USA zurückkehren würden, ist illusorisch. Alles, was dieser Zoll bewirken würde, wäre Schaden auf beiden Seiten der Grenze.

Freihandelsabkommen NAFTA
Donald Trump möchte das nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA am liebsten abschaffen. Es wäre ein ökonomischer Amoklauf. Seit dem Inkrafttreten 1993 hat sich der Anteil des Handels mit Mexiko fast verdoppelt, in absoluten Zahlen sogar etwa verfünffacht. Dabei wird in Mexiko längst nicht mehr nur billig produziert und in die USA exportiert. Es sind umfassend integrierte Produktions-, Handels- und Entwicklungs-Cluster beidseits der Grenze entstanden.

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Zur Person
Prof. Dr. Matthias Fifka
Matthias Fifka ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Erlangen-Nürnberg. Zu den Schwerpunkten seiner wissenschaftlichen Arbeit zählen internationale Wirtschaftsbeziehungen. Er beschäftigt sich seit 16 Jahren mit dem Wirtschaftssystem der USA und ist u.a. Visiting Professor an der University of Dallas.
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(makro, 22.07.2016)
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