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Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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Die City of London und der Brexit - Bericht ansehen © dpa Video
[>> Bericht ansehen: Die City of London und der Brexit]
Brex and the City
Finanzmärkte setzen auf ein "Bremain"
Londoner Börse und britisches Pfund ziehen kräftig an. Dies spiegelt die Erwartung eines Verbleibs in der EU. Auch Börsenexperte Bernhard Klinzing sagt im Interview gegenüber makro: "In der Wahlkabine siegt in der Regel die ökonomische Vernunft."
makro: Das britische Wirtschaftsmagazin "The Economist" bezeichnet einen Brexit als "fatalen Fehler". Wie fatal wäre er?

Bernhard Klinzing: "Fatal" ist eine Frage der Definition. Zunächst einmal würde ja zwei Jahre über den Austritt verhandelt. Danach gibt es verschiedene Optionen wie sich das Vereinigte Königreich zu Europa wirtschaftlich assoziiert. Vorbilder könnten Norwegen oder die Schweiz sein. Aber selbst in günstigen Szenario müsste Großbritannien mit einer Verlangsamung des Wachstums um 2,5% rechnen.

makro: Der Brexit schwebt als große Unbekannte über den Finanzmärkten. Wie bereiten sich Marktteilnehmer darauf vor?

Bernhard Klinzing: Je mehr die Umfragen in Richtung eine "Bremain", also eines Verbleibs in der EU gehen (die Buchmacher sehen inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von 80%), desto stärker wird im Vorfeld gekauft. Es ist davon auszugehen, dass ab Freitag diese Gewinne mitgenommen werden. Das heißt, es wird staunend zur Kenntnis genommen werden, dass trotz des Pro-EU Votums die Märkte nachgeben. Aber sie haben eben schon viel Zuversicht vorweggenommen. Spätestens in einer Woche ist das ganze Brexit-Thema dann verarbeitet und vergessen.

makro: Könnte ein Brexit die Märkte ernsthaft aus der Spur werfen oder sind andere Faktoren relevanter?

Bernhard Klinzing: Falls es zu einem Votum des Ausstiegs käme, ja. Denn dann würde jede Woche neu diskutiert, welches Land sich als nächstes aus der Wirtschaftsunion verabschiedet. Wichtig für die Märkte sind auch die Wahlen in Spanien am Sonntag sowie die anhaltende Kapitalflucht aus China.

makro: Wo liegen die Defizite der britischen Wirtschaft und kommen die Probleme aus Brüssel oder sind sie eher hausgemacht?

Bernhard Klinzing: Das ist ein so komplexes Thema, dass es sich nicht in zwei oder drei Sätzen beantworten ließe. Für die Brexit-Frage relevant ist sicherlich der Schwerpunkt auf der Finanzindustrie, die 12% zur Wirtschaftsleistung (BIP) beisteuert. Käme es zum Austritt, hätte diese besonders zu leiden. Auf der anderen Seite füllt sie die Staatskasse auch erquicklich.

makro: Stichwort Binnenmarkt: Wie justieren sich nach einem möglichen Brexit die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Großbritannien und der EU?

Bernhard Klinzing: Die Verhandlungen über die Ausstiegsbedingungen könnten sich über Jahre hinziehen - zu lang, um die Börse nachhaltig zu beschäftigen. Eine europäische Reaktion nach dem Motto: "Gut, wie ihr wollt. Dann werden euch ab sofort auch alle Handelsvorteile mit der gemeinsamen Wirtschaftszone gestrichen" ist - zumindest mit einer Kanzlerin Merkel - kaum denkbar. De facto würde sich für das ökonomische Großbritannien nach langen Austrittsverhandlungen wenig ändern. Am Ende des Tages geht es besonders auch um wirtschaftliche Interessen. Das Vereinigte Königreich ist so wichtig, dass man es hier wohl kaum auf eine zu wirtschaftsschädigende Eskalation ankommen lassen wird.

makro: Kommt es zum Brexit?

Bernhard Klinzing: Das halten wir für relativ ausgeschlossen. Auch wenn auf der Straße geschimpft wird, siegt in der Wahlkabine in der Regel die ökonomische Vernunft. Die Kernunsicherheit liegt darin, dass es bei der Brexit-Diskussion nur vorgeblich um die Bevormundung durch Brüssel geht, in Wirklichkeit aber Ängste in der Bevölkerung wegen unkontrollierter Zuwanderung geschürt werden. Das trifft - wie in vielen anderen europäischen Staaten auch - auf einen fruchtbaren Boden. Das heißt, mit dem Urnengang wird das Thema nicht erledigt sein.

Alles zur Brexit-Sendung
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Es steht viel auf dem Spiel für Großbritannien am 23. Juni: Der Brexit könnte die Wirtschaft des Königreichs ins Wanken bringen. Und Europa Freigeist, Common sense und Pragmatismus kosten.
Zur Person
© finanzen100Bernhard Klinzing
Der Diplom-Kaufmann Bernhard Klinzing ist Chefredakteur des Frankfurter Börsenbriefs. Er ist ein ausgewiesener Kenner der internationalen Finanzmärkte. Vor seiner Tätigkeit für den Frankfurter Börsenbrief hat Bernhard Klinzing für die Deutsche Bank und die Helaba gearbeitet.
Finanzmärkte
Vorsicht! Britischer Humor!
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Britain could soon vote to leave the European Union. John Oliver enlists a barbershop quartet to propose a smarter option. Unbedingt bis zum Ende anschauen!/
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