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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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Präsident Xi Jinping gilt als der stärkste chinesische Führer seit Deng Xiaoping. © ap Lupe
Präsident Xi Jinping gilt als der stärkste chinesische Führer seit Deng Xiaoping.
"Der Ausgang ist offen"
Chinas neue Rolle in der Welt
Gestützt auf seine wirtschaftliche Macht ordnet das Reich der Mitte seinen Hinterhof. Das Wirtschaftsmagazin makro sprach mit Ostasienkenner Sebastian Biba. Er sagt, China werde fordernder auftreten. Aber auch fördernd.
makro: China definiert seine Rolle in der Welt derzeit neu. Wie wird sich das Land künftig international positionieren?

Sebastian Biba: China hat von seiner Integration in das internationale System besonders in wirtschaftlicher Hinsicht bislang enorm profitiert. Dessen ist man sich bewusst. Daher möchte man den bisherigen Ansatz der Eingliederung grundsätzlich weiter verfolgen. Indessen stellt man in China mittlerweile aber auch fest, dass die eigenen Mitspracherechte und Gestaltungsmöglichkeiten im westlich dominierten globalen System begrenzt sind.

Um seine wachsenden Interessen durchzusetzen, möchte China bestehende Organisationen reformieren. In Fällen, wo das nicht gelingt oder sich als zu langwierig erweist, ist China auch dazu übergegangen, selbst parallele Strukturen zu schaffen. Insgesamt wird China künftig fordernder auftreten.

makro: China tritt gegenüber seinen Nachbarn im Südchinesischen Meer zunehmend aggressiv auf. Inwiefern lässt sich hier ein genereller Trend beobachten?

Sebastian Biba: Die aktuelle Lage im Südchinesischen Meer ist in der Tat besorgniserregend, da Chinas rapide und massive Inselaufschüttungen und Bebauungsmaßnahmen in umstrittenen Gewässern zunehmend auch die USA militärisch auf den Plan rufen und die beiden Großmächte dort somit vergleichsweise leicht physisch aneinander geraten können.

Für die chinesische Nachbarschaftspolitik lässt sich allerdings nur bedingt ein genereller Trend ableiten, da China gleichzeitig mit jüngeren Initiativen wie der Neuen Seidenstraße und der Asian Infrastructure Investment Bank seinen Nachbarn auch Angebote zu gemeinsamer wirtschaftlicher Entwicklung unterbreitet. Diese weisen zwar auf ein gestiegenes Selbstbewusstsein hin, lassen sich aber nicht zwingend als "aggressiv" deuten.

makro: Die Pazifik-Anrainerstaaten haben jüngst unter Führung der USA die größte Freihandelszone der Welt beschlossen (TPP). China ist nicht dabei. Welche Motivation steckt dahinter?

Sebastian Biba: Einerseits kann man Chinas Fehlen aus rein ökonomischer Sicht damit begründen, dass die hohen Standards beispielsweise in Sachen Nahrungsmittelsicherheit und Umwelt die TPP für China schlicht unattraktiv machen. Andererseits lässt sich aber auch ein gewichtiges geopolitisches Argument machen, und zwar, dass die TPP den wirtschaftlichen Arm des von den USA Ende 2011 lancierten "Schwenk nach Asien" darstellt, der seinerseits trotz offiziellem amerikanischem Dementi sicher auch darauf abzielt, eigene Interessen gegenüber einem aufstrebenden China zu wahren und durchzusetzen.

makro: China ist der letzte "Partner" das Atom-Parias Nordkorea und doch von Kim Jong-Uns Steinzeitregime genervt. Wie lange wird Peking noch seine schützende Hand über Pjöngjang halten?

Sebastian Biba: China ist seit langem daran interessiert, Nordkorea einen ähnlichen Reform- und Öffnungspfad schmackhaft zu machen, wie man ihn selbst gewählt hat - bislang ohne Erfolg. Der westliche Druck auf China hat dazu geführt, dass man sich vermehrt an internationalen Sanktionen gegenüber Pjöngjang beteiligt hat. Dennoch wird China nichts zustimmen, was die Gefahr eines Regimekollaps in Nordkorea dramatisch erhöhen würde. Dazu benötigte China wohl Garantien, dass die gesamtkoreanische Halbinsel anschließend nicht unter den Schutzmantel der USA fiele.

makro: Taiwan hat im Januar eine neue Präsidentin gewählt, die den Kurs der Eigenständigkeit fortsetzen wird. Wird Peking sich Taiwan trotzdem irgendwann einverleiben - auch mithilfe immer engerer wirtschaftlicher Verflechtung?

Sebastian Biba: Dass ökonomische Abhängigkeiten von China Taiwan früher oder später auch politisch in die Arme Pekings treiben, ist nur eine Variante. Denn auf Taiwan wirken auch bedeutende konträre Tendenzen, insbesondere das kontinuierliche Erstarken einer eigenen taiwanischen Identität. Beide Seiten geben sich derzeit geduldig und spielen wohl auch weiter auf Zeit: Während China von seiner wirtschaftlichen Anziehungskraft - und notfalls auch militärischen Stärke - überzeugt ist, hofft man in Taiwan auf eine Demokratisierung Chinas. Der Ausgang ist offen.

Alles zur China-Sendung
© reutersChina im Umbruch
Wohin bewegt sich Chinas Wirtschaft? Peking ist dabei, sein Geschäftsmodell zu ändern. Statt billiger Werkbank will das Riesenreich in Zukunft auf Hightech und Konsum setzen.
Zur Person
© Sebastian BibaSebastian Biba
Sebastian Biba ist Wissenschaftler am politologischen Lehrstuhl mit Schwerpunkt Area Studies China/Ostasien der Goethe Universität Frankfurt. Zu seinen Forschungsgebieten zählen chinesische Außenpolitik sowie Sicherheits- und Ordnungsfragen im asiatisch-pazifischen Raum.
Wirtschaftsleistung
LupeChina, EU, USA
Unter Berücksichtigung der Kaufkraftparität, d.h. der Frage, wieviel man mit der Währung im jeweiligen Land kaufen kann, ist Chinas Wirtschaftsleistung bereits an der europäischen und US-amerikanischen vorbeigezogen. Der chinesische Yuan ist eine harte Währung und die Lebenshaltungskosten in China sind niedrig.

Im absoluten Vergleich gemessen am nominalen Bruttoinlandsprodukt (nicht in der Grafik) liegen die USA mit 18 Billionen USD vorn, gefolgt von der EU mit 16,3 Billionen und China mit 11,4 Billionen. Wäre der Euro gegenüber dem Dollar zuletzt nicht so stark gefallen, läge die EU wie zwischen 2003 und 2014 auf Platz 1.
Schwerpunkt
China