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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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Trotz aller Kritik: EZB-Chef Mario Draghi setzt den Kurs der Nullzinspolitik fort. © reuters Lupe
Trotz aller Kritik: EZB-Chef Mario Draghi setzt den Kurs der Nullzinspolitik fort.
Abgewatscht
"Geldpolitik der EZB ist am Ende"
Mario Draghi manövriert die EZB mit seiner Nullzinspolitik zusehends in die Sackgasse. Ein Weltmarktführer bekommt dies besonders zu spüren. Sein Chef redet nun Klartext. Und setzt auf mittelalterliche Methoden.
Er gilt nicht gerade als Krawallmacher. Und eigentlich war es gar nicht Thema. Wurde es dann aber. Als Nikolaus von Bomhard kürzlich in München auf der Bilanzpressekonferenz der Munich Re die Lage seines Unternehmens diskutierte, landete er unweigerlich beim Zins.

Das Geschäft des weltgrößten Rückversicherers besteht darin, dass sich andere Versicherungskonzerne ihrerseits bei ihm gegen Risiken versichern, für den Fall, dass sie Probleme bekommen. Man ist also so etwas wie die letzte Zuflucht der Branche. Dafür braucht es sichere Anlagen. Und die bringen heute keinen Ertrag mehr.

In all den 13 Jahren, die von Bomhard nun Konzern-Chef ist, auch zu jener Zeit, als das Unternehmen noch mit dem sperrigen und für angelsächsische Zungen schwer verdaulichen Namen Münchner Rückversicherung daherkam, war das Umfeld nie so schwierig wie heute.

Und so wurde von Bomhard zur Überraschung des Publikums in seiner Kritik an der europäischen Geldpolitik ungewöhnlich deutlich: "Das ist das offizielle Ende der Geldpolitik." Die Politik habe in den weltweiten Krisen versagt, die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) mit ihrem Präsidenten Mario Draghi sei nach der Senkung der Leitzinsen auf Null am Ende.

Das heiße nicht, ein sofortiges Erhöhen der Zinsen, sagte von Bomhard. Die bisherigen Versuche der amerikanischen Notenbank Fed haben gezeigt, wie schwierig das ist. "Aber er (Draghi) muss die Phantasie nehmen, die Probleme der Politik zu lösen."

Geld braucht einen Preis
In der Marktwirtschaft definiert das Risiko den Zins bzw. der Zins ist Ausdruck des Risikos. Liegen die Zinsen für verschiedenste Anlagen, beispielsweise Staatsanleihen aus Portugal oder Deutschland, wegen der Markteingriffe der EZB eng beieinander und allesamt ganz unten, so verliert der Zins als wichtigster Risikomarker seine Aussagekraft. Alles scheint gleich sicher. Ist es natürlich nicht. Den Staaten hilft dies, neue Schulden zu machen, den Unternehmen, billige Kredite aufzunehmen. Nur das Finanzsystem als Ganzes verliert an Stabilität.

"Die Nebenwirkungen haben verheerende Ausmaße angenommen. Hier ist alles aus dem Ruder gelaufen", sagt Nikolaus von Bomhard. Ihm sei "schleierhaft", wie die EZB die Anleihen auswählen wolle, von denen sie noch mehr aufkaufen will. Sie halte schon jetzt 25% aller gedeckten Anleihen und werde schon bald 10% aller europäischen Staatsanleihen halten. Die "Erosion des Rechts" sei mit Händen zu greifen, sagt der "Munich Re"-Chef mit Blick auf die der EZB eigentlich verbotene Staatsfinanzierung.

Umverteilung von unten nach oben
Die Rückversicherer leiden wie alle großen Kapitalanleger, die auf Sicherheit setzen müssen, unter den Dauer-Niedrigzinsen. Nur Großanleger wie Hedgefonds, manche Private-Equity-Firmen oder Staatsfonds könnten den niedrigen Zinsen ausweichen. Die Aktienmärkte steigen von Bomhards Einschätzung nach in erster Linie wegen einer fehlenden Alternative. "Was wir sehen, besorgt uns in höchstem Maße." Die Umverteilung, die durch die Zinspolitik ausgelöst werde, treffe vor allem die Ärmeren. "Das kann man nicht einfach laufen lassen."

Tresor gegen EZB
Den Einlagenzins, also jenen Satz, zu dem Geschäftsbanken bei der EZB Geld parken können, hat die Notenbank schon vor einiger Zeit in einen Strafzins verkehrt und am 10. März noch einmal von minus 0,3% auf minus 0,4% gesenkt. Die Frage ist, wann die Finanzinstitute diese Strafzinsen an die Endverbraucher weitergeben.

Die Munich Re experimentiere bereits damit, wie sie den Strafzinsen der EZB entkommen könne, sagt von Bomhard. Schon vor einiger Zeit habe sie Gold in den Tresor gelegt. Die Rede ist von 400 Mio. Euro. Vor kurzem habe man auch eine zweistellige Millionensumme in bar gebunkert. "Wir probieren das jetzt einfach mal aus. Daran sehen Sie, wie ernst die Situation ist." Wenn man so will, reanimiert die Munich Re hier ein Verfahren, das mit dem Entstehen eines modernen Finanzsystems längst ausgestorben war.

Von Bomhard zählt zu den schärfsten Kritikern der Zinspolitik der EZB und hatte sich in den vergangenen Monaten mehrfach zu Wort gemeldet. Er ist jedoch keineswegs der einzige. Hans-Bernd Wolberg, Chef der genossenschaftlichen WGZ Bank, schließt nicht aus, dass Kunden in größerem Stil Geld von ihren Konten abziehen könnten, wenn die Negativ-Zinsen auch auf Sparer durchschlagen sollten. "Schließfächer haben Konjunktur."

Mehr Schulden wagen!
Er könne sich gut vorstellen, dass ein Kunde mit einem Guthaben von 100.000 Euro dieses Geld "in den Safe steckt", bevor er Negativ-Zinsen zahlen müsse."Fallweise" müssten Anleger aus Industrie oder größerem Mittelstand bei der WGZ im Fall der Anlage großer Summe bereits Zinsen zahlen, sagte der WGZ-Chef weiter. "Bei Sparern halten wir das so lange es geht zurück."

Die Notenbanken, ganz vorne mit dabei die EZB, haben die Anreizsysteme des Kapitalismus neu definiert. Im Klartext: Leute, vergesst das mit dem Sparen, dem klug Investieren und dem soliden Haushalten. Das ist total old school! Die neue Economy 0.0 lebt von Schulden!

Wenn das mal gut geht.

Interview
Sparer auf Sparflamme
"Die Erbengeneration schaut in die Röhre", sagt Vermögensverwalter Georg von Wallwitz zur EZB-Politik. Das sei aber gar nicht so schlimm. Warum verrät er makro-Moderatorin Eva Schmidt im Vorabinterview.
(makro, 30.10.2015)
US-Zinsentscheidung
Das Zittern der Fed
Es ist die wichtigste Entscheidung der US-Notenbank seit 2008. Wann wird Fed-Chefin Janet Yellen ihre Nullzinspolitik beenden? Eigentlich hätte sie den Leitzins längst erhöhen müssen.
(makro, 17.09.2015)
Währung
Der unerklärte Krieg
Sie sprechen nicht offen darüber. Aber sie tun es. Notenbanken rund um den Globus schwächen gezielt ihre Währung, um der Wirtschaft kurzfristige Vorteile zu verschaffen. Am Ende werden alle verlieren.
(makro, 07.04.2015)
Wirtschaftsdokumentation
Die neue Macht am Main
Mit dem Einzug in ihre neue Zentrale erweitert die EZB ihre Aufgaben. Sie übernimmt die Aufsicht über Europas Banken. Und betreibt immer direkter Wirtschaftspolitik. Man könnte sagen: Die EZB wird amerikanisch.
(makro, 31.10.2014)
Schulden
Die chinesische Bombe
In nur zwei Jahrzehnten hat sich das Reich der Mitte zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt emporgearbeitet. Eine einmalige Leistung. Wüchse dort nicht, im Schatten des neuen Glanzes, dieses unheimliche Monster.
(makro, 18.02.2015)
Niedrigzinsen
Folgen für Munich Re
"Wenn die Zinsen nicht bald steigen, werden wir Federn lassen", sagte Vorstandschef Nikolaus von Bomhard auf der Bilanzpressekonferenz in München. Schon für das laufende Jahr rechnet der weltgrößte Rückversicherer mit einem Gewinnrückgang auf 2,3 Milliarden bis 2,8 (Vorjahr: 3,1) Milliarden Euro, auch weil die Kapitalanlagen eine halbe Milliarde Euro weniger abwerfen dürften als 2015.