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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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Großbritanniens Premier David Cameron kämpft vehement für den Verbleib des Vereinigten Königreiches in der Europäischen Union. Die EU-Gegner hat er dabei aber total unterschätzt. © reuters Lupe
Großbritanniens Premier David Cameron kämpft vehement für den Verbleib des Vereinigten Königreiches in der Europäischen Union. Die EU-Gegner hat er dabei aber total unterschätzt.
Die Folgen des Brexit
Mit einem Fuß aus der Tür
Eine eigene Währung, der "Britenrabatt", die Nichtmitgliedschaft im Schengen-Raum und nun weitere Zugeständnisse der EU: Trotz ständiger Extrawürste aus Brüssel driften die Briten Richtung Brexit.
Die Frage nach einem möglichen Brexit spaltet Großbritannien. Zwar hat David Cameron vom letzten Treffen in Brüssel erhebliche Zugeständnisse seitens der EU mit nach Hause gebracht, doch die Hoffnung, damit EU-Gegner besänftigen zu können, scheint zerschlagen. Auch die weitreichenden Folgen des Austritts scheinen viele Briten bisher nicht abzuschrecken.

Fluch für die Wirtschaft
Ein Austritt aus der größten zusammenhängenden Freihandelszone der Welt könnte dem britischen Außenhandel enorm zusetzen. Zwar würde die absehbare - und bereits stattfindende - Abwertung des Pfunds (siehe Infokasten rechts "Pfund Sterling") kurzfristig die Nachfrage nach englischen Produkten erhöhen, allerdings würden Zölle und Abgaben den Warentausch über die Grenzen hinweg sehr viel teurer machen, solange zwischen EU und Großbritannien noch keine Sonderregelungen für den Außenhandel mit der EU getroffen wurden.

Bis diese neuen Freihandelsverträge tatsächlich in Kraft träten, könnte es allerdings Jahre dauern. Nimmt man zudem die Verträge mit Norwegen und der Schweiz als Vorbild, dann würde ein Freihandelsabkommen zwischen den Briten und der EU ebenfalls an Bedingungen geknüpft sein (Freizügigkeit der Bürger oder Zahlungen an die EU), die Großbritannien erfüllen müsste. Bedingungen, die aktuell just als Gründe für einen Austritt angeführt werden.

Briten schaden sich selbst
Zudem importieren die Briten schon seit Jahren mehr, als sie exportieren. Sie leben also über ihre Verhältnisse und benötigen daher Kapital aus dem Ausland, um ihre Defizit in der Handelsbilanz auszugleichen. Doch mit einem Brexit steigt das Risiko, dass Investoren ebendieses Kapital von der Insel zurückziehen und damit Großbritannien im Regen stehen lassen.

Doch nicht nur die Wirtschaft wäre durch einen Austritt geschwächt. Nach Einschätzung von Europol könnte der britische Alleingang zu Sicherheitslücken im Kampf gegen Terrorismus führen, denn die Briten seien im schwierigen Kampf gegen das organisierte Verbrechen auf die europäische Zusammenarbeit angewiesen.

Folgen für Deutschland
Auch für die deutsche Wirtschaft hätte der Brexit Folgen: Deutschland exportiert jährlich Waren im Wert von rund 92 Mrd. Euro nach Großbritannien. Die Briten sind damit Deutschlands viertgrößter Exportpartner - der Verbleib Großbritanniens in der Freihandelszone ist also auch für Deutschland wichtig. Vor allem aber müsste Deutschland voraussichtlich einen Teil des ausfallenden EU-Beitrags kompensieren - laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung wären das rund 2,5 Mrd. Euro pro Jahr.

Dämpfer für Londons Immobilienmarkt
Wer allerdings auf Immobiliensuche in London ist, für den könnte der Brexit ein Segen werden. Einer Studie des Immobilieninformationsdienstes Geophy zufolge würden etwa 200.000 Arbeitskräfte die britische Hauptstadt verlassen - vor allem Angestellte amerikanischer und asiatischer Banken - und damit tausende Wohnungen, Häuser und Gewerbeimmobilien freigeben. Der Angebotsanstieg könnte Preisrückgänge von bis zu 35% zur Folge haben.

Ob es wirklich so weit kommt, hängt allerdings davon ab, welche Rolle die City of London in Zukunft unter den Finanzzentren der Welt spielen wird. Der angedachte Zusammenschluss der deutschen und britischen Börse wird darauf ebenfalls Einfluss haben. Vor allem aber hängt es davon ab, wie sich die die Briten am 23. Juni entscheiden.

 

Schottland: Empire am Ende?
© colourbox.de
Auch dem letzten Rest des einst stolzen britischen Empires droht der Zerfall. Nüchtern betrachtet bleibt festzustellen: Die Schotten träumen sich ihre Unabhängigkeit schön. Das endet schnell mit einem bösen Kater. (makro, 12.09.2014)
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© ReutersVideoBrexit?
(Kulturzeit-Beitrag vom 18.02.2016 mit Timothy Garton Ash)
Pfund Sterling
© xe.comLupeDer Devisenmarkt ist stets ein guter Indikator für Kapitalströme. Fließt Kapital aus einem Währungsraum ab und sucht sein Heil woanders, verliert eine Währung an Wert. Dies erleben wir gerade beim britischen Pfund (GBP). Seit November 2015 geht es kräftig abwärts, gegenüber dem Euro um rund 11%. Im Vergleich zum Dollar ist die Abwertung vergleichbar.

Nun kann es eine Vielzahl von Gründen geben, weshalb eine Währung abwertet: die Erwartung einer schwächeren wirtschaftlichen Entwicklung zum Beispiel oder auch eine lockere Notenbankpolitik (niedrige Zinsen). Am Ende läuft es aber immer darauf hinaus, dass ein Wirtschaftsraum an Attraktivität verliert.

Die Kapitalmärkte bewerten einen Brexit als schlecht für Großbritannien. In dem Maße, in dem ein Ausscheiden näher rückt oder wahrscheinlicher wird, spiegelt sich dies im Pfund Sterling. Die Ankündigung des Londoner Bürgermeisters Boris Johnson, die "Leave"-Kampagne zu unterstützen, gab der Talfahrt weiteren Schub.

Die Großbank HSBC taxiert die Wahrscheinlichkeit eines Brexit gegenwärtig auf 33%. Sollte es jedoch tatsächlich dazu kommen, werde das Pfund gegenüber dem Dollar um weitere 15-20% nachgeben.