Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. © reuters
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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.
Frankreich
Präsident unter Druck
Frankreich radikal erneuern. Mit diesem Vorhaben startete Emmanuel Macron seine Präsidentschaft. Ganz oben auf der Agenda: wirtschaftsfreundliche Reformen. Seit einigen Monaten formiert sich Protest in Signalfarben.
Die "gilets jaunes", die Gelbwesten, gehören keiner politischen Gruppierung an. Wieder einmal hat sich eine Bewegung über das Internet formiert. Die Forderungen sind vielfältig: Senkung der Steuern, Erhöhung des Mindestlohns und mehr direkte Demokratie zum Beispiel. Sie bringen Macron in Bedrängnis.

Präsident Macron rief im Januar zur "grand débat national" auf, zur großen nationalen Debatte. Überall im Land sollen Menschen diskutieren, ihre Anliegen vorbringen. Macron selbst hat die Themen in einem Brief an seine Landsleute festgelegt, dazu zählen z.B. auch das Steuerwesen und die staatlichen Ausgaben.

Gleichzeitig hat er klar gemacht, dass er von seinem Reformkurs nicht grundsätzlich abweichen will. Nach dem Ende der "Debatte", Mitte März, wird sich zeigen wie viel direkte Mitbestimmung den Franzosen gestattet werden wird. Und wohin sich Frankreich in der Zukunft wirtschaftlich tatsächlich bewegt.

Vorabinterview:

Studiointerview: "Knapp vorne wäre schon ein Erfolg"
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Die Franzosen könnten Präsident Macron bei den Europwahlen einen Denkzettel verpassen. Momentan sieht es nach einem Kopf-an-Kopf-rennen mit Marine le Pen aus. Henrik Uterwedde rechnet damit, dass Macrons Partei einen knappen Sieg davon trägt.
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2 Jahre Macron - Eine Bilanz
Emanuel Macron © reuters
Emanuel Macron galt als Hoffnungsträger als er sein Amt antrat. Im Vorab-Interview sprach makro-Moderatorin Eva Schmidt mit Henrik Uterwedde darüber, was er nach zwei Jahren im Amt bewirkt hat und warum seine Politik das Volk spaltet.

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Zahlen und Fakten zu Frankreich

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Frankreich ist die sechstgrößte Wirtschaftsmacht der Welt. Und das trotz aufgeblähten öffentlichen Dienst, hoher Jungendarbeitslosigkeit und schwächelnder Industrie.

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Wie steht es um Frankreichs Wirtschaft?

Frankreich ist die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt und neben Deutschland das wichtigste Industrieland in Europa. 2018 konnte die Grande Nation ein Wirtschaftswachstum von 1,5% verbuchen, für dieses Jahr werden laut OECD 1,3% erwartet. Damit würde sich Frankreich erstmals seit dem Finanzkrisenjahr 2009 besser halten als Deutschland.

Bremsen die Gelbwesten-Proteste das Wachstum?

Die Gelbwesten-Proteste hat Präsident Macron zur Jahreswende mit einem 10 Milliarden Euro schwerem Ausgabenpaket beantwortet. Die Banque de France erwartet von dem Paket eine Erhöhung der Kaufkraft je Einwohner um mehr als 2 %. Das würde sich in höheren Konsumausgaben niederschlagen. In Frankreich hängen 55% der Wirtschaftsleistung am Konsum.

Welche Nebenwirkungen hat die Finanzspritze?

Das Sozialpaket von Macron wird die Neuverschuldung Frankreichs weiter nach oben treiben. Zumindest temporär, meint der Präsident der Nationalversammlung. Schon jetzt liegt die Staatsverschuldung bei knapp 100% der Wirtschaftsleistung und damit weit über dem EU-Limit von 60%.

Wie steht es um Frankreichs Arbeitsmarkt?

Mit 10,03¤ / Stunde zahlt man in Frankreich seit Jahresbeginn einen der höchsten Mindestlöhne in Europa. Rekordverdächtig ist aber auch die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen: fast 20% und damit mehr als dreimal so hoch wie in Deutschland. Insgesamt liegt die französische Arbeitslosenquote aktuell bei 8,8 %.

Frankreich - (k)ein Industriestandort?

Frankreichs Industrie schwächelt seit Jahren. In den vergangenen 10 Jahren gingen dort rund eine halbe Millionen Arbeitsplätze verloren. Mit 13,7% Anteil an der Bruttowertschöpfung ist sie eine deutlich kleinere Säule der Wirtschaft als hierzulande. Die wichtigen Branchen sind Flugzeug, Auto, Chemie, Pharma und Nahrungsmittel. Die Unternehmenslandschaft unserer Nachbarn ist von wenigen großen Konzernen geprägt. Das Pendant zum deutschen Mittelstand fehlt.

Sendedaten
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Frankreich
Freitag, 12. April 2019, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
Frankreich: Reden Sie mit!
"Der als brillanter Polit-Star gestartete Macron muss anerkennen, dass Regieren auf Dauer keine One-Man-Show sein kann", sagt Henrik Uterwedde. Doch Macrons Richtung würde stimmen. Diskutieren Sie mit!
Studiogast
Prof. Dr. Henrik Uterwedde
Der Politikwissenschaftler ist tätig am Deutsch-Französischen Institut in Ludwigsburg, dessen stellvertretender Direktor er von 1996 bis 2014 war. Seine Tätigkeitsschwerpunkte sind die Wirtschaftspolitik in Frankreich und Deutschland sowie die Rolle beider Länder in Europa. 2017 erschien sein Buch Frankreich – eine Länderkunde
Archiv
Frischer Wind für Europa
Europa rückt nach dem Brexit-Schock näher zusammen. Was könnten die nächsten Schritte sein hin zu einer geeinten, wirtschaftlich starken EU ohne UK und mit dem neuen Hoffnungsträger Macron?
(makro, 16.06.2017)
Schwerpunkt
Europa