Bei der Klimakonferenz in Paris haben die Staaten vereinbart, den Treibhausgasausstoß zu senken. Bei der Nachfolgetreffen in Kattowitz soll es nun konkret werden.
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Bei der Klimakonferenz in Paris hatten die Staaten vereinbart, den Ausstoß von Treibhausgasen zu senken. Beim Nachfolgetreffen in Kattowitz soll es nun konkret werden.
Prima Klima?
Wirtschaft unter Zugzwang
Maximal 1,5 Grad. Keine Kompromisse: Im Kampf gegen die Klimaerwärmung fordert der Weltklimarat drastische Maßnahmen. Aber wie lassen sich Wirtschaft und Umweltschutz unter einen Hut bringen?
Im Fokus steht der CO2-Ausstoß. Beim Straßenverkehr hat sich die EU gerade zu einem Kompromiss durchgerungen. Die Autoindustrie in Europa muss sich auf schärfere Klimaschutzvorgaben einrichten. Wie aber sieht es bei Energie, Industrie, Flugverkehr, Landwirtschaft aus?

Laut einer aktuellen Studie tragen Fleisch- und Molkereikonzerne massiv zu den globalen Treibhaus-Emissionen bei. Wachse die Branche im bisherigen Tempo weiter, werde der gesamte Viehbestand bis 2050 etwa 80 Prozent des Treibhausgasbudgets der Erde verbrauchen.

Aber auch Transport, Wohnen und Energiegewinnung in Städten sind massiv für Treibhausgasemissionen verantwortlich. Hier liegen nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche Chancen. Gerade die schnell wachsenden Metropolen in Schwellen- und Entwicklungsländern könnten vom Entwicklungsvorsprung der Industrieländer profitieren - Stichwort Technologietransfer. Für Unternehmen und die verantwortlichen Stadtvertreter entstünde eine Win-Win-Situation.

China ist heute unangefochtener Spitzenreiter beim <b>Ausstoß von Treibhausgasen</b>, gefolgt von den USA. D.h. ohne diese beiden Länder wird ein Stop des Klimawandels nicht gelingen. Deutschland verursacht 2,4% der weltweiten Emission. China ist heute unangefochtener Spitzenreiter beim Ausstoß von Treibhausgasen, gefolgt von den USA. D.h. ohne diese beiden Länder wird ein Stop des Klimawandels nicht gelingen.
Der <b>Klimaschutzplan der Bundesregierung</b> zur Senkung des CO2-Ausstoßes ist ehrgeizig. Ein Erreichen der Ziele ist hingegen fraglich. Denn wo immer es konkret wird, steht die Politik auf der Bremse. Der Klimaschutzplan der Bundesregierung ist ehrgeizig. Ein Erreichen der Ziele ist hingegen fraglich. Denn wo immer es konkret wird, steht die Politik auf der Bremse.

Studiointerview: Mindestpreis für CO2
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Prof. Ottmar Edenhofer, designierter Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, fordert neben dem bereits etablierten Emissionsrechtehandel weitere wirtschaftliche Steuerungsinstrumente.
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makroskop Klima
© epa
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Insgesamt werden weltweit über 53 Mrd. Tonnen Treibhausgase ausgestoßen. Auf Deutschland entfallen dabei rund 900 Mio. Tonnen. Damit wird die Bundesrepublik ihre eigenen Klimaziele verfehlen.
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Was will der Klimaschutzplan?

Der "Klimaschutzplan 2050" ist ein Strategiepapier der Bundesregierung. Damit sollen die Beschlüsse der Pariser Klimakonferenz von 2015 umgesetzt werden. Ziel ist es, den Anstieg der Erderwärmung auf zwei Grad Celsius (gegenüber der vorindustriellen Zeit) zu begrenzen, idealerweise sogar auf 1,5 Grad. Hierfür soll vor allem der Ausstoß von Treibhausgasen drastisch reduziert werden.

Wie wird er umgesetzt?

1990 lagen die Treibhausgas-Emissionen in Deutschland bei über einer Milliarde Tonnen CO2-Äquivalente, 2017 bei rund 905 Mio. Tonnen. 2050 will die Bundesregierung annähernd eine Treibhausgas-Neutralität schaffen. Bis dahin soll der Ausstoß gegenüber 1990 schrittweise reduziert werden: im Jahr 2020 40% weniger, also etwa 750 Mio. Tonnen, 2030 55% weniger, 2040 70% und 2050 bis zu 95% weniger.

Kann das Ziel erreicht werden?

Beobachter sind skeptisch. Aufgrund der guten Konjunktur haben sich 2017 die Emissionen im Industriesektor sogar erhöht, ebenso im Verkehrsbereich aufgrund steigender Neuzulassungen. Im Landwirtschaftssektor gibt es keine spürbare Reduktion, anders als im Energiesektor. Zwar konnte hier der Treibhausgasausstoß 2017 um rund 4% gegenüber dem Vorjahr gesenkt werden. Doch gehe der Ausbau sauberer Energien als Ausgleich noch immer zu langsam voran.

Ist der Energiesektor der Musterschüler?

Der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix steigt. Bei der Stromgewinnung machen Wind- und Wasserkraft, Biomasse und Photovoltaik allerdings bislang erst rund 33% aus, die konventionellen Energien aus Kohle, Atomkraft, Gas und Öl dagegen über 60%.

Wo steht Deutschland im internationalen Vergleich?

Größte Verursacher von Treibhausgasen sind: China (27% Anteil am Weltausstoß), die USA (13%), die EU (9%), Indien (7%), Russland (4,6%) und Japan (3%). Bei einer Pro-Kopf-Betrachtung steht Katar an der Spitze der Verursacherländer, Deutschland liegt hier im Mittelfeld, aber deutlich vor China. Insgesamt werden weltweit mehr als 53 Mrd. Tonnen Treibhausgase ausgestoßen, berichtet die UNO in dieser Woche. Ohne eine radikale Wende werde die Erderwärmung um 3,2 Grad steigen und somit die Pariser Klimaziele verfehlen.

Klimapolitik

Deutschland war mal spitze
© dpa
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Vom Vorreiter zum Nachzügler in 10 Jahren: Deutschlands Klimapolitik steckt fest. Das liegt nicht nur an der energiehungrigen Industrie. Die größten Baustellen sind Verkehr und Altbauten.
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Germanwatch: "Für das 1,5-Grad-Ziel sehe ich schwarz"
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Deutschland habe die Erneuerbaren ausgebaut, die Kohlekraftwerke aber nicht abgeschaltet, bemängelt Jan Burck von Germanwatch. Dabei könne der Stromsektor als erstes kohlenstofffrei sein.
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Energiewirtschaft: "CO2-Ausstoß wird weiter sinken"
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Die Kohleverstromung werde zurückgehen, sagt Stefan Kapferer von der Energiewirtschaft. Es rechnet sich immer weniger. Das Enddatum für den Kohleausstieg hält er nicht für zentral.
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Berichte aus der Sendung

Emissionshandel: Tiger mit Beißhemmung
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Der europäische Emissionshandel soll der CO2-Verschmutzung einen Preis geben und so Anreize setzen zu klimafreundlichem Wirtschaften. Eine gute Idee, leider mit Konstruktionsfehlern.
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Das Kreuz mit dem Kohleausstieg
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Die Kohlekommission ringt um den Ausstiegsfahrplan. Bis Ende Januar sollen Ergebnisse vorliegen. Es geht um Geld, Arbeitsplätze, Versorgungssicherheit und das Klima. Vor allem aber ums Prinzip.
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Synfuel: Kraftstoff der Zukunft?
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Weniger Feinstaub, weniger Ruß, mehr Power. Künstlicher Kraftstoff wird nicht aus Erdöl gewonnen, sondern komplett synthetisch hergestellt. Es ist nur drin, was rein soll. Einen Nachteil hat er allerdings.
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Sendedaten
makro
Prima Klima?
Freitag, 30. November 2018,
21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
Studiogast
© PIK PhotothekProf. Dr. Ottmar Edenhofer
Ottmar Edenhofer ist einer der weltweit führenden Experten auf dem Gebiet der Ökonomie des Klimawandels. Er ist designierter Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) sowie Gründungsdirektor des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC). Von 2008 bis 2015 war er Co-Vorsitzender der mit der Anpassung an den Klimawandel befassten Arbeitsgruppe III des Weltklimarates IPCC.
UN-Klimakonferenz 2018
Anlässlich der UN-Klimakonferenz in Katowice/Polen beschäftigt sich 3sat ab Freitag, 30. November 2018, in Dokumentationen, Magazinen und Gesprächssendungen mit den Auswirkungen des Klimawandels und diskutiert die aktuellen Ergebnisse des Gipfels.
Kohleausstieg
Der Kohleausstieg kommt, weltweit. Der Grund: Immer mehr Kohlekraftwerke sind unrentabel. Die Finanzanalysten der "Carbon Tracker Initiative" haben nachgerechnet.
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Energiewende am Scheideweg
Weltweit nimmt die Energiewende Fahrt auf. In Deutschland hingegen hängt sie fest: Der selbsterklärte Vorreiter hat längst seine Klimaziele kassiert. Dabei wäre die Zukunft zum Greifen nah.
(makro, 18.05.2018)
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Wirtschaftswachstum versus Klima
Die Fixierung auf permanentes Wachstum sei schuld, dass wir auf eine Klimakatastrophe zusteuern. Das sagen die Vertreter der "Postwachstumsökonomie". Und sie suchen nach Alternativen.
(makro, 17.11.2017)
Schwerpunkt
Umwelt - Nachhaltigkeit - Greentech