Die Einkommensunterschiede zwischen Ost- und Westeuropa sind immer noch groß. © dpa
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Die Einkommensunterschiede zwischen Ost- und Westeuropa sind immer noch groß.
Wohlstandsgefälle in Europa
Der große Unterschied
Mit der Maueröffnung am 9. November 1989 begann die Wiedervereinigung Europas. Es hat sich viel getan. Trotzdem spaltet nach fast drei Jahrzehnten weiterhin ein riesiger Wohlstandsgraben den Kontinent.
So verdienen Vollzeitbeschäftigte in Bulgarien etwa ein Zehntel dessen, was in Dänemark oder Luxemburg gezahlt wird. Doch der Unterschied wird noch an anderen Stellen sichtbar: Die Vorwürfe, westliche Lebensmittelkonzerne verkauften im Osten minderwertige Produkte, reißen nicht ab.

Die Folge des Wohlstandsgefälles: Eine Auswanderungswelle Richtung Westen. Mit den gut ausgebildeten Fachkräften schließen die wohlhabenden Staaten ihre Lücken im Gesundheits-, Pflege- oder Bausektor und verschärfen so die Lage in den östlichen Staaten. Denn dort fehlen genau diese Fachleute. Eine Entwicklung, die den Kontinent wirtschaftlich weiter teilt. Für EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker ist deshalb auch die Herausforderung klar: Europa müsse mit beiden Lungenflügeln atmen.

Interviews

Wohlstandsgefälle: "Nach Osten verschoben"
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Die Ost-West-Migration in Europa verlagert sich nach Rumänien, Bulgarien und die Ukraine, sagt Alexander Clarkson. Es wird ein wichtiger Faktor in der wirtschaftlichen Entwicklung der EU bleiben.
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Vorabinterview: "Es gab immer Konfliktstoff"
Der Unterschied zwischen Arm und Reich in Europa ist immer noch groß. © colourbox.de
Europa nach fast drei Jahrzehnten Fall des Eisernen Vorhangs: Wie stark der Wohlstandsgraben Europa immer noch teilt, darüber sprach vorab makro-Moderatorin Eva Schmidt mit Alexander Clarkson.
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Wohlstandsgefälle West-Ost

Das Wohlstandsgefälle ist nach wie vor riesig: Jemand, der in Bulgarien voll arbeitet, verdient nur rund ein Zehntel dessen, was in Luxemburg gezahlt wird. Auch kaufkraftbereinigt ist der Abstand enorm.

Aufschwung Ost

In den letzten 20 Jahren haben die EU-Staaten im Osten wirtschaftlich enorm aufgeholt. 2017 ist das Bruttosozialprodukt um 4,3 Prozent gewachsen. Im EU-Schnitt waren es gerade einmal 2,4 Prozent.

Konsum, Exporte, Investitionen

Ein steigender Privatkonsum, zunehmende Exporte und Investitionen haben das Wachstum im Osten regelrecht befeuert. Doch gerade die Investitionen hängen maßgeblich von den Zuschüssen aus Brüssel ab.

Transferzahlungen Ost

Insgesamt 146 Milliarden Euro bekommen die sogenannten Visegrad-Staaten, Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn zwischen 2014 und 2021 von der EU. Im nächsten EU-Haushalt sollen es dann nur noch knapp 112 Milliarden sein.

EU-Mittel und Rechtsstaat

Ab 2021 werden die Transferzahlungen anders bemessen. Denn mit der neuen Haushaltsperiode der EU, werden die Zuwendungen an Bedingungen geknüpft. So bekommt mehr Geld, wer sich an rechtsstaatliche Standards hält oder Flüchtlinge aufnimmt.

makroskop Wohlstandsgefälle
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Steigender Konsum, zunehmende Exporte, Investitionen und EU-Transferzahlungen haben das Wachstum in Osteuropa befeuert. Trotzdem ist das Wohlstandsgefälle nach wie vor enorm.
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Gefährliche Ernte
Plantage mit Nordmann-Tannen © obs
Die Nordmanntanne ist - alle Jahre wieder - der beliebteste Weihnachtsbaum. Sie stammt nicht etwa aus Skandinavien, sondern dem Kaukasus. Dort riskieren Männer ihr Leben, um die Samen der Bäume zu ernten.
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Krasse Unterschiede beim <b>Einkommen pro Kopf</b> in Europa: Im ärmsten Land, Bulgarien, erwirtschaften die Menschen nur ein Zehntel des Einkommens eines Luxemburgers. Krasse Unterschiede beim Einkommen pro Kopf in Europa: Im ärmsten Land, Bulgarien, erwirtschaften die Menschen nur ein Zehntel des Einkommens eines Luxemburgers.
In der aktuellen Haushaltsperiode bekommen Polen, Tschechien, die Slowakei und Ungarn 146 Mrd. Euro <b>EU-Finanztransfers</b>. In Zukunft sollen es deutlich weniger sein. In der aktuellen Haushaltsperiode bekommen Polen, Tschechien, die Slowakei und Ungarn 146 Mrd. Euro EU-Finanztransfers. In Zukunft sollen es deutlich weniger sein.

Lebensmittel

Same, same, but different
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Gleiche Marke, andere - billigere - Zusammensetzung, vor allem in Osteuropa. Dafür mag es gelegentlich Gründe geben. Doch es drängt sich der Verdacht auf, dass Firmen schlicht Geld sparen wollen.
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"Convenient excuse"
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Same brand, same packaging, different product ingredients: Camille Perrin, food expert at the European Consumer Organisation, calls on the EU Commission to update tha law on food labeling and to end unfair commercial practices.
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Stellungnahme des Lebensmittelverbandes

Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. (BLL) äußert sich auf Nachfrage schriftlich zur unterschiedlichen Zusammensetzung von Lebensmitteln:

"Lebensmittel können sich im Hinblick auf Zusammensetzung, Konsistenz, Aussehen und Geschmack innerhalb von Europa und darüber hinaus unterscheiden. Dies ist vor allem in den unterschiedlichen Erwartungen der Verbraucher an Geschmack, Aussehen oder Konsistenz begründet. Für Unternehmen wäre es auch durchaus einfacher, immer dieselbe Rezeptur zu verwenden, gerade, wenn es nur einen Produktionsstandort gibt. Das ist aber nicht immer möglich, wenn ein Erzeugnis im jeweiligen Markt nicht angenommen wird, etwa weil zu wenig, zu viel oder andere Kräuter, Gewürze oder Geschmacksabstimmungen aufgrund von Verbraucherwünschen und Wettbewerbsumfeld erforderlich sind.

Auch politische Rahmenbedingungen, wie beispielsweise bestimmte Leitsätze oder Reduktionsvereinbarungen hinsichtlich Zucker, Fett oder Salz können eine Rolle spielen. Aus diesem Grund sollten Lebensmittel, die unter einem bestimmten Markennamen laufen und in verschiedenen Ländern unterschiedliche Rezepturen aufweisen, nicht unter dem Generalverdacht der Verbrauchertäuschung stehen. Eine Einzelfallbetrachtung ist notwendig, um zwischen unterschiedlichen, nachvollziehbaren Rezepturabweichungen und einer möglichen Täuschung durch eine zweitklassige Rezeptur zu unterscheiden.

Eine Aufnahme des Sachverhalts der Dual Quality in Artikel 6 der "Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken (UCP-Richtlinie)", wie von der Europäischen Kommission vorgeschlagen, würde diese Einzelfallbetrachtung zulassen. Wird der Sachverhalt Dual Quality jedoch in den Anhang der Richtlinie, die sogenannte "Schwarze Liste", aufgenommen, gäbe es diese Möglichkeit der Einzelfallbetrachtung nicht mehr, weshalb wir diesen Vorschlag ablehnen."

Duisburg: Osteuropa am Rhein
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Duisburg ist Ziel vieler Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien, besonders Roma. Sie kommen in der Hoffnung auf ein besseres Leben und landen doch oft in dubios-prekären Verhältnissen.
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Die Waisenkinder der EU
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Rumänien und Bulgarien sind die beiden ärmsten Länder der Europäischen Union. Viele Menschen zieht es daher als Arbeitsmigranten gen Westen. Zurück bleiben die Kinder, ein Trauerspiel für alle Beteiligten.
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Sendedaten
makro
Wohlstandsgefälle in Europa
Freitag, 9. November 2018, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
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EU-Wohlstandsgefälle
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Alexander Clarkson sieht in der Arbeitsmigration nach Westen weiterhin einen bedeutenden Faktor in der wirtschaftlichen Entwicklung der EU. Diskutieren Sie mit!
Studiogast
Dr. Alexander Clarkson
Alexander Clarkson ist Dozent für European Studies am King's College London. Sein Forschungsbereich umfasst u.a. europäische Zeitgeschichte, Migrationsgeschichte und die Grenzpolitik der EU.
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Der Balkan boomt
Rumäniens Wirtschaft wächst gewaltig. Und Bulgariens Regierung sieht sich bereits fit für den Euro. Der Aufschwung findet allerdings im Schatten der Weltöffentlichkeit statt.
(makro, 09.03.2018)
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