Vor allem die Großstädte ziehen immer mehr Menschen an. © dpa
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Vor allem die Großstädte ziehen immer mehr Menschen an.
Pendler-Wahnsinn
Verkehrsinfarkt und Dauerstau
Noch nie gab es in Deutschland so viele Pendler wie heute. Millionen fahren jeden Tag mit dem Auto, Bahn oder Bus zur Arbeit. Das belastet Umwelt, Gesundheit und auch das Familienleben.
Mittlerweile pendeln 60 Prozent aller Arbeitnehmer zu ihrem Arbeitsplatz. Die durchschnittliche Entfernung vom Wohnort zum Job beträgt 16,8 Kilometer; Tendenz weiter steigend, denn Wohnen in der Stadt wird immer teurer.

Vor allem für Familien wird es immer schwerer, die Mieten zu bezahlen wie zum Beispiel in München. Die Bayernmetropole ist mittlerweile zur Stauhauptstadt in Deutschland geworden. Pendlerstaus belasten nicht nur Umwelt und Lebensqualität, sondern wirken sich auch negativ auf die Wirtschaft aus. Laut einer Studie verursachen die Staus über 30 Milliarden Euro an Kosten und beeinträchtigen das Wirtschaftswachstum.

In den Ballungszentren sind durch die gute Konjunktur in den vergangenen Jahren viele neue Arbeitsplätze entstanden. Die Folge: noch mehr Menschen pendeln und das von immer weiter her. Das heißt mehr Lärm und Abgase und eine noch größere Zersiedlung des Umlandes.

Wieviel Pendler gibt es?

Noch nie gab es so viele Pendler wie heute - sagt das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Gut 32 Millionen Menschen gehen in Deutschland einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Mehr als die Hälfte von ihnen - also 18,4 Millionen - pendeln zu ihrer Arbeitsstelle. Das heißt, sie arbeiten nicht in der Nähe ihres Wohnortes.

Warum pendeln Pendler?

Die Gründe fürs Pendeln sind vielfältig: Immer mehr Jobs sind hochspezialisiert oder befristet. Flexibilität ist gefordert. Da sinkt die Bereitschaft, für eine Arbeit auch das soziale Umfeld und den Wohnort zu verlassen.

Wo wird am meisten gependelt?

Wohnraum ist gerade in den Ballungszentren knapp. Rund um und in den Großstädten sind täglich mehrere Hunderttausend Menschen auf dem Weg zur Arbeit in Bewegung. Die deutschen Pendlerhochburgen sind München mit 365.000 und Frankfurt mit 352.000 Pendlern.

Wie weit wird gependelt?

Im Durchschnitt fahren Pendler jeden Tag 34 Kilometer (Hin- und Rückfahrt). Die letzten Jahre ist zu beobachten, dass immer mehr Beschäftigte immer längere Anfahrtsstrecken in Kauf nehmen. Rund 1,3 Millionen Menschen fahren mehr als 150 Kilometer weit zur Arbeit.

Womit fahren Pendler?

Der absolute Favorit unter den Verkehrsmitteln beim Pendeln ist das Auto. Insgesamt fahren 68 Prozent der Erwerbstätigen mit dem PKW zur Arbeit - so das Statistische Bundesamt. Den Öffentlichen Nahverkehr nutzen nur 14 Prozent. Mögliche Gründe: Gewohnheit, unzureichende ÖPNV-Anbindung und die Entfernungspauschale.

Auch Nahverkehrszüge und Busse erreichen in den Stoßzeiten oft ihre Kapazitätsgrenzen. Berufspendler haben für sich inzwischen auch das Fahrrad als Transportmittel entdeckt. Bund und Länder fördern mittlerweile den Ausbau von Radschnellwegen. Doch das geht nur langsam voran.

In den Ballungszentren sind durch die gute Konjunktur in den vergangenen Jahren viele neue Arbeitsplätze entstanden. Die Folge: noch mehr Menschen pendeln und das von immer weiter her. Das heißt mehr Lärm und Abgase und eine noch größere Zersiedlung des Umlandes.

Wie können Lösungen aussehen, um die Zahl der Pendler zu verringern? Mehr Wohnungsbau in der Nähe der Arbeitsplätze, mehr Arbeit in Richtung Wohnungen verlagern, Gebühren für Straßennutzung, höhere Spritpreise, um damit den sozialen Wohnungsbau zu finanzieren? Aber auch eine Abschaffung der Pendlerpauschale ist bei den Experten im Gespräch.

 

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Pendler-Wahnsinn
Freitag, 2. November 2018,
21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
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Prof. Dr.-Ing. Uwe Clausen
Uwe Clausen ist Professor für Verkehrssysteme und Logistik an der TU Dortmund und Institutsleiter am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) sowie Sprecher der Fraunhofer Allianz Verkehr. In vielen Projekten forscht er mit seinem Team an guten Lösungen für nachhaltige Mobilität und Logistik.
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