Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. © ap
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Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan.
Türkei
In der Sackgasse
Die türkische Währung ist nach den US-Sanktionen abgestürzt. Die Inflation im Land galoppiert, die Lebensmittelpreise haben sich mehr als verdoppelt. Was braucht die Türkei, um die aktuelle Krise zu bewältigen?
Die Wirtschaft in der Türkei steht am Abgrund. Der Konsum droht einzubrechen, weil Importgüter für die Bevölkerung nicht mehr bezahlbar sind. Wie robust sind Banken und Unternehmen, um die Krise wegzustecken?

Fakt ist, dass Wirtschaft und Staat bis zum Sommer Kredite in Höhe von 150 Milliarden in harter Währung zurückzahlen müssen. Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) will die Türkei jedoch nicht beantragen.

Präsident Erdogan lehnt Zinserhöhungen der Notenbank ab, um die türkische Lira zu stützen. Erdogan hält das Finanzsystem für stabil und sieht kein Risiko für die Wirtschaft. Der Absturz der Lira sei zurückzuführen auf einen "Währungskrieg der internationalen Zinslobby" gegen sein Land.

Deutsche Autobauer hatten einst große Hoffnungen in den Absatzmarkt Türkei gesetzt. 82 Millionen Menschen bei 12 Millionen zugelassenen Pkws. Zum Vergleich: In Deutschland sind es vier Mal so viele Autos. Doch je weniger die Lira wert ist, desto unerschwinglicher werden importierte Neuwagen.

Interviews

Studiointerview: "Zu lange abgewartet"
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Der Volkswirtschaftler Prof. Erdal Yalcin sieht die Entwicklung in der Türkei kritisch. Er sagt: "Der Kredithahn für private Unternehmen und Konsumenten muss gedrosselt werden."
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Vorabinterview: Gegen die Wand
Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ist in Erklärungsnot. © ap
Die türkische Wirtschaft taumelt. Aufgrund der politischen Unsicherheit sei es für die Türkei immer schwieriger, frisches Kapital aufzutreiben, sagt Erdal Yalçin im Vorabinterview mit makro.
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Wirtschaftsleistung

Den größten Anteil am Bruttoinlandsprodukt hat der Dienstleistungssektor mit Tourismus und Logistikbranche gefolgt vom Industriesektor. Hier sind die wichtigsten Branchen die Textil- und Bekleidungsindustrie. Der Anteil der Landwirtschaft ist relativ gering. Die Türkei zählt zu den Schwellenländern.

Wirtschaftswachstum

Die Wirtschaft der Türkei wächst seit Jahren stark. Im letzten Jahr lag die Wachstumsrate über 7%. Doch die Prognose sieht für das kommende Jahr nicht mehr ganz so gut aus. Vermutlich wird die türkische Wirtschaft deutlich langsamer wachsen. Die Regierung erwartet nur noch ein Wachstum von 2,3%.

Währung

Seit Anfang des Jahres hat die türkische Lira um die 40% gegenüber dem Euro verloren. Mit dem Verfall der Währung rauschten auch die Kurse türkischer Aktien und Anleihen in den Keller. Präsident Erdogan lehnt Zinserhöhungen der Notenbank zur Stützung der türkischen Lira ab.

Verschuldung

Mit knapp 30% der Wirtschaftsleistung ist die Staatsverschuldung zwar gering. Die türkischen Unternehmen sind allerdings hoch verschuldet. Durch die Abwertung der Lira wird es für sie immer schwieriger, die Schulden zurückzuzahlen. Denn die meisten Schulden hat das Land in Fremdwährung aufgenommen. Fakt ist, dass Wirtschaft und Staat Kredite in Höhe von 150 Milliarden in harter Währung zurückzahlen müssen. Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) will die Türkei jedoch nicht beantragen.

Türkei und Deutschland

Deutschland bleibt mit einem Anteil von knapp 10% am Exportvolumen wichtigster Absatzmarkt für die Türkei. Beim Import ist Deutschland der zweitwichtigste Partner nach China. Deutsche Autobauer hatten einst große Hoffnungen in den Absatzmarkt Türkei gesetzt. 82 Mio. Menschen mit nur 12 Mio. zugelassenen PKW. Zum Vergleich: In Deutschland sind es vier Mal so viele Autos. Doch je weniger die Lira wert ist, desto unerschwinglicher werden importierte Neuwagen.

makroskop Türkei
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Die Wirtschaft der Türkei wächst seit Jahren stark. Doch eine hohe Inflationsrate, ein riesiges Handelsbilanzdefizit und die Abwertung der türkischen Lira verheißen Unheil.
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Wirtschaftshilfe für Erdogan
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Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier ist auf schwieriger Mission in der Türkei. Im Tross hat er Firmenchefs und warme Worte. Es geht darum, einen türkischen Wirtschaftskollaps zu verhindern.
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Berichte aus der Sendung

Bauprojekte: Hauptsache groß
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Große Männer schaffen große Bauten. Der türkische Präsident Erdogan kann Beeindruckendes vorweisen: einen Tunnel unter dem Bosporus, eine Brücke über den Bosporus - und bald einen gigantischen Flughafen.
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Inflation im roten Bereich
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Mit der türkischen Lira geht es bergab: Sie verliert an Wert, sie verliert an Kaufkraft, seit Jahren schon. Es ist der sichtbare Ausdruck von Vertrauensverlust in Präsident Erdogans Wirtschaftspolitik.
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Türkei-Investitionen: High Risk
© reuters
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Das Wirtschaftsstandort Türkei hat stark gelitten. Deutsche Unternehmer halten sich mit Investitionen merklich zurück, zu groß ist ihnen das Risiko. Einige aber sehen gerade jetzt ihre Chance.
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Patriotismus beim Einkauf
© ap
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In Berlin gibt es zahlreiche türkische Geschäfte. makro hört sich um: Es wird viel Ware aus der Türkei bezogen, jetzt erst recht. Vor der Kamera wollten sich Marktinhaber jedoch lieber nicht äußern.
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Sendedaten
makro
Türkei
Freitag, 26. Oktober 2018, 21.00 Uhr
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Studiogast
Prof. Dr. Erdal Yalçin
Erdal Yalçin ist Professor für Volkswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Hochschule Konstanz für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG). Zuvor war er stellvertretender Direktor des ifo-Zentrums für Außenwirtschaft am ifo-Institut.
Handelskrieg
© apVideoTrump und die Türkei
Bis dato waren sie Verbündete. Doch mit gezielten Strafzöllen hat Trump die krisengeschüttelte Türkei noch mehr geschwächt. Erdogan sagt den USA den Kampf an und droht sich vom Westen abzuwenden.
(makro, 28.09.2018)
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Archiv
Die Erdogan-Hypothek
Die selbstherrlich-autoritäre Politik des türkischen Präsidenten Erdogan führt zu einer starken Abkühlung der wirtschaftlichen Beziehungen und unterminiert den Aufschwung der letzten 15 Jahre.
(makro, 30.09.2016)