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Steile Hänge und unwegsames Gelände erschweren die Arbeit der Teepflückerinnen in Darjeeling.
Abgebrüht - das bittere Geschäft mit dem Tee
Die Deutschen entdecken die feine Teekultur. Für erstklassige Blätter zahlen sie hohe Preise. Die Tee-Arbeiter in Darjeeling und Assam profitieren von dem Boom in Deutschland nicht. Das große Geschäft machen andere.
Im Frühling müssen die Arbeiter, vor allem Frauen, ohne technische Hilfsmittel acht Kilo Tee pro Tag pflücken, um ihren Tageslohn zu erhalten - unter härtesten Bedingungen. In der Hochsaison steigt die geforderte Tagespflückmenge auf 20 Kilo. Umgerechnet 1,70 Euro Lohn erhält ein Teearbeiter in Darjeeling dafür pro Tag, erklärt der Chef der Teearbeiter-Gewerkschaft. Doch schon ein Teller mit Reis koste auf dem Markt rund zwei Euro. Er fordert für die Arbeiter deshalb einen Mindestlohn für Existenzminimum, das in Indien bei 3,90 Euro pro Tag liegt. Davon sind die Teearbeiter bislang weit entfernt.

Drehbericht des Autors Erik Hane

In Assam gestalteten sich die Dreharbeiten deutlich schwieriger als in Darjeeling. Von verschiedenen Seiten wurden wir gewarnt, eine Dokumentation in Assam zu machen. Indien mag eine Demokratie sein. Eine freie Presse wird aber nicht von allen geschätzt. Vor allem nicht, wenn unangenehme Wahrheiten über die für den Außenhandel wichtige Teeindustrie an die Öffentlichkeit kommen könnten. Um als Journalist nicht aufzufallen und schnell und mobil zu sein, drehten wir in Assam mit kleinem Team und kleiner Ausrüstung. Ohne Hilfe vor Ort wäre es aber nicht gegangen. Die Organisation ANDHERI HILFE aus Bonn stellte einen Kontakt zu der Hilfsorganisation SEVA KENDRA aus der Stadt Dibrugarh her – und die wiederum mietete Autos für die Reise und besorgte einen Dolmetscher. Denn die Teearbeiter in Assam sprechen in aller Regel kein Englisch.

Schwierigkeiten schon in Deutschland
Die größten Hürden gab es aber noch in Deutschland. Denn die Zertifizierer wollten oder durften uns nicht auf den Teeplantagen filmen lassen. Teilweise wollten sie uns noch nicht einmal die Plantagen nennen, die zertifiziert waren. Transparenz sieht anders aus.

Das jämmerliche Leben auf den Plantagen
Wieso Reporter vor Ort meist nicht mit offenen Armen empfangen werden, wurde in Assam deutlich. Die extreme Armut der Teearbeiter hat uns dann aber doch überrascht. In fast allen zertifizierten Plantagen, die wir besuchten, gab es kein sauberes Trinkwasser. Keine hygienischen sanitären Anlagen. Fast überall befanden sich Hütten und Häuser in desolatem Zustand. Und nicht ein einziges Mal sahen wir Pestizide sprühende Arbeiter, die Schutzkleidung anhatten. Dass Zertifizierer von den miserablen Zuständen auf den Plantagen nichts gewusst haben wollen, ist deshalb nur schwer vorzustellen.Immer wieder hatten meine Interviewpartner Furcht davor, offen zu reden. Erst wenn die Kamera aus war, erzählten mir viele ohne Umschweife, wie schlimm die Situation für die Teearbeiter wirklich ist.Unsere Dreharbeiten kamen auch der Distriktregierung zu Ohren. Und sie verschickte eine Verfügung an Teegärten und Polizeidienststellen, uns den Zugang zu den Teeplantagen der Region in jedem Falle zu verwehren. Da hatten wir glücklicherweise schon alles gefilmt.

Giftige Arbeitsbedingungen
Viele Arbeiter leben mit ihren Familien in schäbigen Baracken - ohne sauberes Trinkwasser und ohne Toiletten. Und sie müssen hochgiftige Pestizide auf den Plantagen versprühen. Vor allem Kinder sind von den Folgen betroffen, erklärt Professor Anup Kumar Das von der Universitätsklinik in Dibrugarh: "Die Lebens- und Arbeitsbedingungen schädigen die Babys schon im Mutterleib. Die Kinder in den Teeplantagen sind schlecht ernährt, im Wachstum verzögert, und die Kindersterblichkeit ist hoch."

Rund 40.000 Tonnen Tee werden jährlich weltweit als Darjeeling Tee verkauft, obwohl maximal nur 10.000 Tonnen Tee in Darjeeling produziert werden können. © ZDF, Daniel Meinl Rund 40.000 Tonnen Tee werden jährlich weltweit als Darjeeling Tee verkauft, obwohl maximal nur 10.000 Tonnen Tee in Darjeeling produziert werden können.
Tee mit Spitzenqualität wird in Deutschland zu Preisen zwischen 200 bis 600 Euro pro Kilogramm verkauft. (Quelle: Henning Schmidt, Teeverkoster) © ZDF, Daniel Meinl Tee mit Spitzenqualität wird in Deutschland zu Preisen zwischen 200 bis 600 Euro pro Kilogramm verkauft. (Quelle: Henning Schmidt, Teeverkoster)
Obwohl einige Teeplantagen mit Umweltschutzlabeln zertifiziert sind, sprühen die Arbeiter Pestizide. Ohne Schutzkleidung und Atemmaske. © ZDF, Erik Hane Obwohl einige Teeplantagen mit Umweltschutzlabeln zertifiziert sind, sprühen die Arbeiter Pestizide. Ohne Schutzkleidung und Atemmaske.

Das Gift aus den Plantagen landet aber auch in den Tassen deutscher Kunden. In indischem Tee aus deutschen Supermärkten finden beauftragte Labore bis zu acht verschiedene Pestizide. Viele dieser Stoffe sind so gefährlich, dass sie in Deutschland nicht zugelassen sind. Dennoch tragen Tee-Sorten, die unter solchen Bedingungen produziert werden, Gütesiegel von "Fairtrade", "Rainforest Allaince" oder "UTZ". Sie versprechen eigentlich faire Produktionsbedingungen.

Sendedaten
makro
Abgebrüht - das bittere Geschäft mit dem Tee

Freitag, 1. Juni 2018, 21.00 Uhr

Ein Film von Erik Hane
Wirtschaftsdokumentationen
© La FamigliaWirtschaftsdokumentation
Tee in Zahlen
© ap2016 wurden jeden Tag knapp 14 Milliarden Tassen Tee getrunken.

Tee ist nach Wasser mit Abstand das weltweit meistkonsumierte Getränk

28 Liter Tee haben die Deutschen 2016 im Schnitt getrunken.

Mit 14649 Tonnen ist Indien der Top-Lieferant für den deutschen Markt.

Quelle: Deutscher Teeverband
Schwerpunkt
Umwelt - Nachhaltigkeit - Greentech
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